Die Filderböden gelten als besonders fruchtbar. Gleichsam sind Städte wie Leinfelden-Echterdingen auf eine Gewerbeansiedlung angewiesen.
Es ist eine Krux: Die Schutzgemeinschaft Filder warnt seit vielen Jahren davor, dass weitere wertvolle Böden auf den Fildern zerstört werden, weil neue Wohn- und Gewerbegebiete auswiesen werden. Schließlich gehören diese Böden „weltweit zu den besten und fruchtbarsten Böden“, wie die Schutzgemeinschaft betont. Gleichzeitig sind Kommunen wie Leinfelden-Echterdingen darauf angewiesen, dass sich zukunfts- und gewerbesteuerträchtige Unternehmen ansiedeln.
„So besteht die Hoffnung, dass die Stadt ihre Ertragskraft stärken und erhalten kann“, sagt der Oberbürgermeister Roland Klenk. „Wir haben alle Mühe, unseren Haushalt auszugleichen“, betont er. „Es ist ein Tanz auf der Rasierklinge.“ Immerhin: Die Stadt Leinfelden-Echterdingen will sich in Sachen Flächenverbrauch zurückhalten, sparsam mit der Ressource Boden umgehen. Gerade einmal 5,8 Hektar groß soll das Gewerbegebiet sein, das die Stadt in den Rötlesäckern und damit im Nordosten von Leinfelden ausweisen will. Im Vergleich mit Gewerbegebieten anderer Kommunen sei das eine „kleine Fläche“, sagt der Oberbürgermeister. Möglichst modernem Gewerbe wolle man in einigen Jahren in diesem kleinem, aber feinem und klimaneutralem Gebiet die Möglichkeit bieten, sich anzusiedeln.
Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hatte im Auftrag der Stadt die Möglichkeiten für das Gebiet Rötlesäcker untersucht. Aus Sicht des Instituts könnten sich dort Firmen niederlassen, die sich mit künstlicher Intelligenz, Robotik, Green-Tech oder Bioökonomie beschäftigen.
Dafür hat am Dienstagabend nun auch das Vollgremium des Gemeinderates einen Grundsatzbeschluss gefasst und das Votum des Technischen Ausschuss bestätigt. Doch längst nicht alle Stadträte finden diese Idee gut, wie eine längere Diskussion an diesem Abend gezeigt hat. „Die Betrachtung der Bodenqualität fehlt mir in dieser Diskussion komplett“, sagte Jens Zellmer von der SPD-Fraktion. Die Stadt wolle „ohne Arg auf besten Böden ein Gewerbegebiet setzen“. Dabei seien diese Flächen nicht reproduzierbar.
Kritik an diesen Plänen kam insbesondere auch von der Grünen-Fraktion. „Wir brauchen nach der Pandemie 20 Prozent weniger Büroräume“, sagte Konrad Pfeilsticker. Es gebe heute schon gigantische Leerstände, diese würden in den kommenden Jahren noch größer werden. Neue Gewerbeflächen müssten also nicht ausgewiesen, weitere Böden nicht versiegelt werden. Ganz anderer Meinung ist derweil Ilona Koch, die Fraktionsvorsitzende der CDU: „Handwerker, Bäcker oder auch Metzger können nicht im Homeoffice arbeiten“, sagte sie. Und: „Wir haben Bestandsunternehmen, die sich gerne erweitern wollen.“
Walter Vohl, Freie-Wähler-Stadtrat und Landwirt von Beruf, sagte: „Die größten Siedlungen liegen immer am Rande der fruchtbarsten Böden.“ Er sei aber dankbar, dass die Stadt bisher so vorsichtig mit diesen wertvollen Flächen umgegangen sei. Da das in den Rötlesäckern geplante Gewerbegebiet nah an einer bereits bestehenden Straße verlaufe, „kommen wir mit einer großen Netto-Gewerbefläche heraus“.