Siegerehrung bei der WM in Oberstdorf: stimmungsvoll, auch ohne Fans. Foto: dpa/Daniel Karmann

Philippe Gueisbuhler, Direktor des Ski-Weltverbandes (Fis), zeigt sich sehr angetan von der Leistung der Organisatoren der nordischen Ski-WM im Allgäu – und hebt auch ihr Corona-Konzept hervor.

Oberstdorf - Philippe Gueisbuhler, Direktor des Ski-Weltverbandes (Fis), macht den Organisatoren in Oberstdorf Hoffnung, bald wieder ein Großereignis ausrichten zu dürfen.

Herr Gueisbuhler, die erste Geister-WM des nordisches Ski-Sports ist vorbei. Wie lief es aus Ihrer Sicht in Oberstdorf?

Sportlich haben wir Wettkämpfe auf höchstem Niveau gesehen, mit vielen Emotionen. Dazu die Premiere der Frauen auf der Großschanze und in der Kombination. Das war Spitzenklasse!

Auch organisatorisch?

Ein großes Lob an die Ausrichter – sie haben eine Wahnsinnsarbeit geleistet. Man hat gespürt, dass die Oberstdorfer große Erfahrung besitzen, derartige Großereignisse auszutragen.

Diesmal allerdings ohne Zuschauer.

Die Fans haben uns allen gefehlt. Das war traurig, aber es ist, wie es ist. Gerade in Oberstdorf wäre im Normalfall eine Bombenstimmung gewesen. Positiv war, dass es trotzdem gelungen ist, ähnlich tolle TV-Bilder zu produzieren wie dies bei anderen Weltmeisterschaften der Fall war. Der Zuschauer hat, im Gegensatz zum Beispiel zu einem Fußballspiel in einer leeren Arena, keine großen Unterschiede bemerkt.

Wie haben sich die WM-Macher im Kampf gegen das Coronavirus geschlagen?

Bestens. Das Testsystem war sehr engmaschig. Die Oberstdorfer haben die sinnvollste Lösung gefunden, um eine sichere Veranstaltung zu gewährleisten.

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Dennoch gab es die Angst im Ort, dass der WM-Tross abreist, das Virus aber bleibt.

Die Corona-Situation ist in der ganzen Welt extrem kompliziert, niemand hat eine Kristallkugel. Wir haben in der Fis schon sehr früh reagiert, um sichere Weltcup-Events durchführen zu können. Diese Erfahrung ist nun bei der alpinen und der nordischen Ski-WM in Cortina und Oberstdorf zur Geltung gekommen.

Mit welchem Ergebnis?

Wir haben gezeigt, dass im Skisport selbst Großveranstaltungen ohne unnötige Gefahren für die Bevölkerung ausgetragen werden können – auch weil die Athleten und Teams verstanden haben, dass keine Risiken eingegangen werden dürfen.

Wie würden Sie die Titelkämpfe in Oberstdorf im Rückblick einordnen?

Angesichts der komplizierten Ausgangslage ist es eine historische WM gewesen – die zugleich ein sehr großer Erfolg war.

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Oberstdorf hat nun eine perfekte Infrastruktur, viele hoffen, für die Geister-WM entschädigt zu werden – in dem bald wieder nordische Titelkämpfe im Allgäu stattfinden. Wie groß ist die Chance, dass dies schon 2027 der Fall sein wird?

Das ist im Gespräch, die Chancen aber kann ich nicht beziffern. Wir werden in aller Ruhe darüber diskutieren. Aus meiner Sicht ist klar, dass sich Oberstdorf etwas verdient hat, und das wird sicher auch der Fis-Vorstand in Betracht ziehen.

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