Fachleute für Tennisschläger: Michael Müthel (rechts) und sein Bruder Oliver. Foto: Diana Birk - Diana Birk

Die Firma Ring and Roll in Ostfildern-Kemnat fertigt Tennisschläger nach individuellen Wünschen an. Größe, Gewicht oder Design werden angepasst, für Stars und Privatkunden.

OstfildernEine kleine, aber feine Werkstatt im Industriegebiet in Kemnat. An den Wänden hängen zahlreiche Utensilien und Materialien in unterschiedlichen Größen und Farben. Leise Musik spielt im Hintergrund, daneben ist das Surren einer Maschine zu hören. Bei den Gebrüdern Müthel von Ring and Roll dreht sich alles um das wichtigste Werkzeug des Tennisspielers: den Schläger.

Die Geschichte des Familienunter-nehmens hat vor mehr als 20 Jahren begonnen. „Ich habe selbst Tennis gespielt, und irgendwann wurde das Bespannen der Schläger zu teuer“, erklärt Michael Müthel, der Gründer von Ring and Roll. „Unser Vater hat mir dann das erste Bespannungsgerät gekauft - unter der Bedingung, ich soll auch seine Schläger bespannen.“ Die Technik hat sich der Ostfilderner selbst beigebracht. „Zuerst habe ich für Kollegen im eigenen Verein bespannt, die haben mich dann einfach weiterempfohlen.“

Die Geschäftsidee entwickelte sich über die Jahre. Michael kaufte den ersten Transporter und fuhr damit auf Tennisanlagen. Eine erste, ungewöhnliche Anfrage machte Tennisspieler Martin Sinner, damals auf Platz 33 der Weltrangliste. „Er brauchte einen kürzeren Schlägergriff“, erzählt Michael. „Später folgten auf einmal Anfragen für Griffverlängerungen.“ Die Technik dafür musste der Ostfilderner erst entwickeln. Mittlerweile sei das Anpassen der Schlägergriffe zum Hauptgeschäft geworden: „Auch das Gewicht des Schlägers können wir ändern, mit Silikon oder Blei.“ Dafür werde ein Tennisschläger mit einem speziellen Gerät abgemessen, sodass alle nötigen Maße eingehalten werden können. „Manche Kunden wünschen sogar eine Beschriftung des Schlägerrahmens oder auch ein ganz neues Farbdesign, wie zum Beispiel in neon-grün.“

Vor über fünf Jahren ist dann auch Bruder Oliver in das Geschäft eingestiegen: „Die Griffe, die wir anfertigen, gibt es so nicht zu kaufen. Früher gab es die mal, wir machen die aber heute noch.“ Mit speziell angefertigten Griffformen aus Stahl können die Brüder Müthel individuelle Wünsche erfüllen. „Mit unserem Stand sind wir auf vier großen Turnieren im Jahr unterwegs“, erklärt Oliver. „Wir haben alle unsere Griffgrößen voll ausgefertigt dabei. So können Interessenten direkt verschiedene Griffe ausprobieren.“

Der Markt für Griffänderungen sei gerade bei den bekannten Tennismarken nicht groß, erzählt Oliver: „Das liegt vor allem daran, dass es einer speziellen, neuen Technik bedarf. Viele haben einfach nicht die Motivation und Geduld dazu.“ Auch Größen wie Jelena Jankovic, Juan Carlos Ferrero und Novak Djokovic haben bereits Schläger bei den Müthels anpassen lassen. Das habe auch dazu geführt, dass die Brüder aus Ostfildern weltweit viel unterwegs waren, was sich mittlerweile aber geändert habe. „Große Spieler sind natürlich sehr viel unterwegs. Wir bleiben aber gerne hier bei unserer Familie“, gibt Michael zu. Außerdem sei der Druck bei der Arbeit für Profis deutlich höher. „Das sind die Albträume, die wir in unserem Beruf dann haben: Schlagzeilen, dass einem großen Tennisspieler während des Matches der Griff weggeflogen ist“, scherzt Michael.

Oliver findet die Arbeit mit Profis zwar sehr anspruchsvoll und anstrengend, sie habe aber auch viele Vorteile. „Wir haben dadurch wahnsinnig viel gelernt und wissen nun, worauf es ankommt. Dieses Wissen wenden wir jetzt auf Privatkunden an.“ Die Müthels sind jetzt auf Privatkunden spezialisiert, Profis gehören aber trotz allem noch zu ihren Kunden: „Wir haben uns weltweit etabliert, bekommen Aufträge aus Australien, den USA, England. Aber die kundenstärksten Länder sind momentan Österreich und Italien.“

Kehren die Brüder von einem großen Turnier zurück, können sie sich kaum vor neuen Aufträgen retten. „Wir kommen hier kaum zur Tür rein vor lauter Paketen“, sagt Michael. „Aber wenn ein Schläger bei uns ankommt und wir sagen, dass er bis heute Abend fertig ist, dann ist er bis heute Abend fertig.“ „Das macht uns auch aus“, erklärt Oliver. „Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und hohe Qualität.“

Heute sind die Gebrüder Müthel außerdem sehr froh darüber, wie sich ihr Geschäft entwickelt hat. Gerade die Zusammenarbeit als Familie sei dabei auch ein wichtiger Faktor gewesen. „Als Brüder können wir uns einfach blind vertrauen“, erzählt Oliver Müthel. „Wir verlassen uns immer aufeinander, streiten nicht, denken oft sogar dasselbe.“ „Ja, aber außerhalb machen wir dann auch nicht mehr so viel gemeinsam. Das reicht dann“, lacht Michael Müthel.

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