Zekeriye Atas kam 2000 aus der Türkei nach Deutschland und hat sich dort hochgearbeitet. Vor der Eröffnung seines Dönerladens in Ditzingen verpflegte er beim VfB Stuttgart die Spieler.
Welche Farbe die Wände haben sollen, wusste Zekeriye Atas schon, bevor er den Pachtvertrag für sein kleines Restaurant in Ditzingen unterschrieb: Rot. Warum? Weil die Vereinsfarbe des VfB Stuttgart neben Weiß eben Rot ist. Und Zekeriye Atas ist ein großer Fan des Fußballvereins. Noch mehr ist er das, seitdem er in der Küche des VfB-Stadions arbeitete, ehe er in der Ditzinger Kernstadt den Dönerladen Fireroll öffnete.
Die Entscheidung, seinen Job in Bad Cannstatt nach elf Jahren zu kündigen, sei ihm sehr schwergefallen, erzählt Zekeriye Atas. Als rechte Hand des Kochs habe er das Essen mit vor- und zubereitet und die Spieler verpflegt. Doch sein Wunsch, selbst ein Restaurant zu betreiben, sein eigener Chef zu sein, war stärker. Als sich ihm in Ditzingen in der Gartenstraße die Chance bot, den früheren Siggis Imbiss zu übernehmen, fackelte der 53-Jährige nicht lange.
Deniz Undav ist beim VfB Stuttgart sein Lieblingsspieler: „Er ist Kurde wie ich“
Während Zekeriye Atas viele Küchen schätzt, die deutsche, die türkische, auch die italienische, hat er einen eindeutigen Lieblingsspieler: den Stürmer Deniz Undav. „Er ist Kurde wie ich, und wenn ein Kurde erfolgreich ist, ist das toll“, findet Zekeriye Atas. Er selbst kam im Jahr 2000 aus der Türkei nach Deutschland, aus der südostanatolischen Stadt Gaziantep, mit dem Ziel, in der Gastronomie Fuß zu fassen.
Trotz der Nähe zu den VfB-Spielern musste Zekeriye Atas, wie er sagt, stets Distanz zu ihnen wahren, das sei von Seiten seiner Vorgesetzten beziehungsweise der Security so vorgegeben gewesen. Small Talk sei nicht erwünscht gewesen, lediglich ein „Hallo“ und „Tschüss“ erlaubt gewesen. Zekeriye Atas lacht. Die Schiedsrichter habe er auch bedient, und „mit denen durfte ich reden“. Und natürlich durfte er nach Möglichkeit die Fußballspiele verfolgen.
Fireroll ist der dritte Dönerladen in der Innenstadt von Ditzingen
Dass der Stuttgarter nun mit dem Verkauf von Döner seinen Lebensunterhalt bestreitet, lässt sich durchaus als mutig bezeichnen: Denn Fireroll ist der dritte Dönerladen in der Ditzinger Innenstadt. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setze er auf Qualität, frische Zubereitung – und auf „was Anderes“, womit Zekeriye Atas den Trend Steak-Döner meint.
Das Fleisch sei reines Hochrippenfleisch aus der Region, das nicht zu fettig sei, dafür hauchdünn geschnitten, geschichtet, mariniert und gegrillt. Manche Gäste seien skeptisch, andere kämen extra deswegen zu ihm, berichtet Zekeriye Atas, der außerdem den klassischen Döner anbietet. „Hervorragend“ laufe auch Iskender-Kebap mit Fladenbrot, zerlassener Butter, Fleisch, Tomatensoße, Gemüse und Joghurt. Das Fladenbrot ist Atas zufolge selbst gemacht, ebenso seien es die Soßen – „nach einem Geheimrezept, das nur ich kenne. Da lasse ich niemanden ran“.
Die Preise sind laut Atas seit der Eröffnung von Fireroll im vergangenen Herbst gleichgeblieben: Nach wie vor kostet ein „normaler“ Döner bei ihm 8 Euro, einen Steak-Döner gibt es für 9 Euro.
Ursprünglich hatte Zekeriye Atas Spezialitäten vom Grill anbieten wollen. Dafür fehlt ihm in der Lokalität in Ditzingen aber nicht nur der Platz: Grillversuche scheiterten. Der Rauchmelder habe ständig Alarm geschlagen, erinnert sich Zekeriye Atas. Da sei er auf Döner umgeschwenkt.
Vom Pistazienfeld an den Herd: Zekeriye Atas‚ Aufstieg in Deutschland
Eine Ausbildung zum Koch hat Zekeriye Atas nie gemacht. Seine Eltern, sagt er, hätten Pistazienfelder gehabt, da habe er mitgeholfen. In der Freizeit habe er schon immer leidenschaftlich gern Lebensmittel eingekauft und verarbeitet. Er liebe es, Gastgeber zu sein, freue sich, wenn die Gäste ihm für sein Essen Komplimente machen. Damals angekommen in Deutschland, wo bereits sein Bruder lebte, habe er sich hochgearbeitet, in Küchen auch geputzt und gespült.
Und vor seiner Zeit im VfB-Stadion habe er unter anderem drei Jahre lang in einem italienischen Restaurant gelernt. Selbstbewusst sagt Zekeriye Atas, mittlerweile könne er, was ein Koch kann.
Er will unbedingt bald mal wieder ein Spiel des VfB Stuttgart anschauen
Mit dem Sprung in die Selbstständigkeit hat sich Zekeriye Atas einen Traum erfüllt. Im ehemaligen Burger-Imbiss beschäftigt der Familienvater zwei Mitarbeiter und hat im Zuge des Umbaus und der Renovierung drinnen Platz für vier Tische geschaffen. Im Sommer will er Gäste auch draußen bewirten.
Dennoch, Zekeriye Atas ist nach eigener Aussage noch nicht am Ziel angekommen: Eines Tages möchte er in einem Lokal verschiedene Küchen anbieten und noch mehr Süßspeisen als Baklava und türkischen Milchreis. Zunächst will er sich aber unbedingt mal wieder Zeit freischaufeln – und ein Spiel des VfB Stuttgart anschauen.