Till, Mats und Finn Hammerle (von links) tragen den TSV RSK Esslingen im Herzen. Foto: Robin Rudel - Robin Rudel

Dass drei Brüder beim selben Verein kicken, kommt schon mal vor. Doch dass sie alle Kapitän ihres jeweiligen Teams sind, ist eine absolute Seltenheit. Die Hammerle-Brüder Finn, Till und Mats bilden die Ausnahme.

EsslingenJeder Vater, der selbst Fußball spielt oder gespielt hat, freut sich, wenn sich seine Kinder ebenfalls für Deutschlands Sportart Nummer eins interessieren. Sei es, um gemeinsam auf der Straße gegen den Ball zu treten oder einfach nur am Samstagabend die Sportschau zu kucken. Den Jackpot hat dabei Thomas Hammerle gezogen – denn seine drei Söhne brennen für Fußball. Sie streifen sich das Trikot des TSV RSK Esslingen über, sie alle sind auf der Sechserposition vor der Abwehr zuhause – und sie alle tragen die Kapitänsbinde ihres jeweiligen Teams. Die Hammerle-Söhne, das sind der 19-jährige Finn, der 16-jährige Till und der 14-jährige Mats. Finn spielt in der Kreisliga-A-Mannschaft des TSV RSK, seine jüngeren Brüder sind in der A- beziehungsweise B-Jugend aktiv. Was auffällt: alle sind ungewöhnlich junge Kapitäne. Doch sie wurden sorgsam ausgewählt. „Es gäbe keine Besseren“, schwärmt der stellvertretende Jugendleiter Jochen Köstle, „der Verein ist ihnen zu großem Dank verpflichtet.“

Doch wieso das? Köstle liefert die Antwort: „Ohne Leute wie die Hammerles – und da schließe ich die ganze Familie mit ein – wären Vereine wie wir aufgeschmissen. Sie bringen sich alle toll ein.“ Alle drei haben ihre gesamte Zeit als Fußballer bei ihrem Heimatverein TSV RSK verbracht – mit Ausnahme von Till. Er hat, weil sein Verein keine Mannschaft zustande brachte, vier Jahre in Wäldenbronn gegen den Ball getreten. „Da hat uns das Herz geblutet“, sagt Köstle, „jeder weiß ja, dass wir mit dem TSVW eine besondere Rivalität pflegen.“

Vater Thomas ist Co-Trainer der Esslinger A-Jugend und damit Coach seines mittleren Sohnes. Eine Bevorzugung durch den Vater streitet Till jedoch vehement ab: „Es ist eher andersherum, ich werde noch strenger unter die Lupe genommen.“ Das kann Finn bestätigen, auch er hat früher schon einmal unter Hammerle senior gespielt. „Er hat mich nicht nur aufgestellt, weil ich sein Sohn bin“, sagt er und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Gespielt habe ich trotzdem immer.“ Das haben die drei Brüder gemeinsam: Sie sind allesamt Leistungsträger ihrer Teams.

„Mache keine Show“

Das gilt auch für den Jüngsten im Bunde. Mats Hammerle geht für die B-Jugend auf Torejagd – oder besser gesagt: „Ich bin eher dazu da, um das Spiel des Gegners zu zerstören.“ Auch er ist Kapitän, obwohl er aufgrund seines Alters noch für die C-Jugend auflaufen könnte. Sein Vorbild: Grischa Prömel. Der Bundesliga-Profi von Union Berlin hat seine fußballerischen Anfänge beim TSV RSK Esslingen gemacht, am Sonntag schaute er beim Duell gegen den VfB Oberesslingen/Zell mal wieder an der Katharinenlinde vorbei.

Finn Hammerle greift bei der Frage nach seinem Vorbild ein paar Etagen höher. „Zinedine Zidane“, sagt er, „er hatte eine überragende Technik und eine geniale Übersicht. Das braucht man auf meiner Position, der Sechs.“ Die Position, von der aus er die erste Mannschaft als Kapitän anführt. Ungewöhnlich, bedenkt man sein mit 19 Jahren noch sehr junges Alter und die mangelnde Erfahrung im Aktivenbereich. Akzeptanz-Probleme innerhalb des Teams hat er dadurch aber nicht. Der Youngster setzt nicht auf einen lauten Führungsstil. „Ich habe noch nie eine Show um alles gemacht“, sagt er. „Ich bin auch in der Kabine nicht der Lautsprecher. Man könnte sagen, dass ich eher ruhig bin – dazwischengrätschen kann ich jedoch auch, wenn es mal nötig wird.“ Bei allen drei Brüdern merkt man direkt, dass sie sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Sie sind nicht abgehoben sondern höflich – und dennoch haben sie ein klares Ziel vor Augen: Irgendwann einmal zu dritt in der ersten Mannschaft des TSV RSK Esslingen zu spielen. „Das ist unser Traum“, sagen Finn, Till und Mats unisono.

Da bleibt nur eine Frage offen: Wer wird dann Kapitän? Darauf reagieren die Brüder eher zurückhaltend, Till sagt: „Das ist nicht so wichtig. Aber ich denke schon, dass Finn derzeit körperlich sowie spielerisch noch ein wenig weiter ist als wir.“ Der Älteste fügt an: „Man muss nicht zwingend die Binde tragen, um auf oder neben dem Spielfeld Einfluss zu nehmen. Jeder ist willkommen, Verantwortung zu übernehmen.“ Damit kennen sich die Hammerles in jedem Fall aus.

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