Die Erschließungsarbeiten für das Wohnquartier auf dem Bosch-Areal schreiten voran. Im Hintergrund ist das Schulzentrum. Foto: Simon Granville

Im Haushalt für 2026 muss Rutesheim mit einem Defizit von 8,4 Millionen Euro rechnen. Gleichwohl könnten alle Projekte realisiert werden. Was macht die Stadt anders als andere?

In der letzten Rutesheimer Gemeinderatssitzung in diesem Jahr hat es der Bürgermeisterin tatsächlich die Sprache verschlagen. Aber nicht, weil der Stadtkämmerer Rainer Fahrner sie mit seinen Ausführungen zur Haushalts- und Finanzplanung 2026 überraschte. Susanne Widmaier war schlichtweg gesundheitlich angeschlagen und hatte keine Stimme mehr. Doch weil man sich in Rutesheim gerne gegenseitig hilft und unterstützt, trug der Erste Beigeordnete Martin Killinger die vorbereitete Rede der Chefin vor.

„Solide Finanzpolitik der vergangenen Jahre als Stärke“

In dieser machte die Bürgermeisterin deutlich, dass wie bereits 2025 auch das Haushaltsjahr 2026 herausfordernd sein werde – finanziell wie auch gesellschaftlich. „Die fetten Jahre sind vorbei, doch trotz schwieriger Rahmenbedingungen zeigt sich unsere solide Finanzpolitik der vergangenen Jahre nun als Stärke“, so Widmaier.

Während viele Kommunen den Rotstift ansetzen und Projekte streichen, könne Rutesheim seine Zukunftsprojekte weiter umsetzen. „Verantwortungsvoll, strukturiert und mit Blick auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger“, so die Rathauschefin. So stünden für 2026 mehrere große Investitionen an, für die eine Summe von insgesamt etwa 22,8 Millionen Euro bereitgestellt wird.

Energie aus Schlamm und neue Nahwärmeversorgung

So wird die Kläranlage umfassend modernisiert. Der Spatenstich fand bereits statt. Mit einer innovativen Methode soll es künftig möglich sein, aus dem Schlamm Energie zu erzeugen und damit die Betriebskosten zu senken. Zentrale städtische Gebäude, vor allem Schulen und Sporthallen, sollen an die neue Nahwärmeversorgung angeschlossen werden. Vorgesehen ist auch, die Robert-Bosch-Straße zu sanieren – verbunden mit dem Ausbau der Nahwärme-Infrastruktur und der Erneuerung von Kanälen und Leitungen. Das Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“ soll erschlossen werden. Hier entstehen neue Arbeitsplätze, die in der Folge auch die lokale Wirtschaft anregen sollen. Im Jahr 2019 hatte Bosch seinen Standort in Rutesheim geschlossen. Von mehr als 700 Arbeitsplätzen wurden damals etwa 500 nach Feuerbach verlegt.

Schritt für Schritt entwickelt Rutesheim auch das Thema Wohnen weiter und wird Grundstücke in den Perouser Krautgärten und mehreren Entwicklungsbereichen wie Spissen II oder Heuweg Nord erwerben. Um für junge Familien attraktiv zu bleiben, wird ein neuer Hort in der Hindenburgstraße gebaut – inklusive Wohnungen im Dachgeschoss.

Die Gewerbesteuer bricht um zwei Millionen Euro ein

Dass der Rutesheimer Haushalt 2026 spürbar unter Druck steht, machte Stadtkämmerer Rainer Fahrner deutlich. „Der Ergebnishaushalt weist ein Defizit von 8,4 Millionen Euro aus. Zum Glück haben wir in den Vorjahren eine beträchtliche Ergebnisrücklage gebildet, sodass die Fehlbeträge aus den Jahren 2025 und 2026 ausgeglichen werden können.“ Die liquiden Mittel der Stadt seien damit auf 6,9 Millionen Euro geschrumpft.

Zwar blieben die Erträge mit 41,2 Millionen Euro stabil, doch die Gewerbesteuer breche um zwei Millionen Euro ein. Erstmalig seit Jahren erhalte die Stadt wieder Schlüsselzuweisungen – in Höhe von 595 000 Euro. Der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer steige auf 10,4 Millionen Euro, die Gebühreneinnahmen wüchsen auf 6,5 Millionen Euro an. „Auf der Ausgabenseite setzt sich der Trend der Vorjahre fort“, so der Kämmerer. Die Gesamtaufwendungen werden auf etwas weniger als 50 Millionen Euro steigen. Einen großen Teil machten Personalkosten aus, die sich um 900 000 Euro auf insgesamt 16,4 Millionen Euro erhöhten.

Ab 2027 erwartet Rutesheim wieder ausgeglichene Haushalte

Etwa die Hälfte falle für Tarifsteigerungen an, die andere Hälfte für das Schaffen zusätzlicher Stellen beziehungsweise Stellenanteile. Für Sach- und Dienstleistungen wird die Verwaltung 9,6 Millionen Euro ausgeben. Besonders belastend seien die Umlagen: Die Finanzausgleichsumlage erreicht mit 6,6 Millionen Euro einen historischen Höchststand, die Kreisumlage steigt auf 9,7 Millionen Euro. Insgesamt summierten sich die Transferaufwendungen auf 17,5 Millionen Euro.

Hier entsteht das Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“. Foto: Simon Granville

Kämmerer Rainer Fahrner schlug zwar warnende Töne an, ließ jedoch beschwichtigende Signale folgen: „Rutesheim steht weiterhin auf einer soliden finanziellen Basis. Doch diese Solidität ist kein Selbstläufer. Wir müssen sie gemeinsam aktiv bewahren und stärken. Wenn Verwaltung und Gemeinderat klug priorisieren, vorausschauend planen und geschlossen handeln, werden wir auch das finanziell angespannte Haushaltsjahr 2026 erfolgreich meistern.“ Ab 2027 erwarte die Stadt wieder ausgeglichene Haushalte – vorausgesetzt, die wirtschaftliche Lage stabilisiere sich. Am 26. Januar 2026 folgt die Aussprache im Gemeinderat.