Halten zusammen: Dennis (Juius Nitschkoff, l.) und Babtou (Farba Dieng) in „Toubab“. Foto: ZDF und Max Preiss/Max Preiss

Sozialdrama in heiterer Verpackung: „Toubab“ ist eine unterhaltsame Variation des Komödienthemas „Scheinehe mit Hindernissen“ und ein herausragendes Filmdebüt. Jetzt zu sehen im ZDF!

Kaum aus dem Gefängnis entlassen, gerät ein Kleinkrimineller mit afrikanischen Wurzeln in ein Gerangel mit einem Polizisten und wird umgehend wieder verhaftet. Diesmal soll’s jedoch nicht in die JVA gehen, sondern in den Senegal. Doch Babtou ist vor 25 Jahren in Frankfurt zur Welt gekommen, hier ist seine Heimat. Was soll er im Senegal, wo er ein Fremder wäre, ein „Toubab“, wie die weißen Europäer in Zentralafrika genannt werden? Das Land seines Vaters kennt er nur aus Erzählungen.

Aus diesem Stoff hätte auch ein schwermütiges Sozialdrama werden können, das die Untiefen der hiesigen Asylgesetzgebung auslotet und eine gleichgültige Bürokratie anprangert, die sich nicht um Einzelfälle schert. Florian Dietrich, der das Drehbuch mit Arne Dechow geschrieben hat, erzählt das Schicksal von Babtou (Farba Dieng) jedoch als Tragikomödie; die Botschaft bleibt die gleiche, ist aber unterhaltsam verpackt. „Toubab“ ist Dietrichs Spielfilmdebüt. Umso erstaunlicher, wie souverän er auf dem schmalen Grad wandelt, den die Geschichte mit sich bringt: Eine Anwältin (Thelma Buabeng) eröffnet Babtou, der bloß eine Aufenthaltsbewilligung hat, dass sich die Abschiebung nur durch eine Hochzeit vermeiden ließe, weshalb der junge Mann umgehend seine diversen Ex-Freundinnen und Gelegenheitsliebschaften abklappert. Als er lauter Körbe bekommt, bleibt als letzte Option sein Freund Dennis (Julius Nitschkoff).

Starke Jungschauspieler

Das klingt nach dem beliebten Komödienstoff „Scheinehe mit Hindernissen“, weil die beiden Männer fortan dem unsympathischen Pärchen von der Ausländerbehörde (Valerie Koch, Michael Maertens) eine heile schwule Welt vorgaukeln müssen. Als beste Freunde seit Kindheitstagen wissen sie genug übereinander, um alle Fragen souverän zu beantworten; bis auf die nach dem Sex. Aber das ist nur die heitere Seite der Handlung. In den maskulin geprägten Kreisen von Babtou und Dennis gilt „schwul“ als Schimpfwort; was mit Beleidigungen beginnt, die die beiden Freunde selbstverständlich nicht auf sich sitzen lassen, endet für Dennis im Krankenhaus. Und dann ist da noch seine Freundin Manu (Nina Gummich), die er nicht eingeweiht hat; ihre Loyalität in einem heftigen Beziehungskrach sorgt für eine der verblüffendsten Szenen des Films.

Dessen zweite große Stärke ist Dietrichs Arbeit mit dem Ensemble. Julius Nitschkoff hat schon viele klischeehafte Nebenrollen als schwer erziehbarer Jugendlicher gespielt und darf hier zeigen, dass er auch die leisen Zwischentöne beherrscht. Entscheidender ist das jederzeit glaubwürdige Zusammenspiel mit Farba Dieng in dessen erster Hauptrolle. Beim Bayerischen Filmpreis wurden Dieng und Nitschkoff als beste Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet.

Vom Gefängnisleben auf die Leinwand

Dietrich und Dechow hatten die Idee zu dem Film bei Theater- und Kunstprojekten in der JVA Wiesbaden. Der Regisseur ist überzeugt, dass die Kriminalisierung vieler Jugendlicher mit Migrationshintergrund auch mit deren unsicherem Aufenthaltsstatus zusammenhängt. Er wollte eine Geschichte erzählen, die die Protagonisten „für ihren Mut, ihre Stärke und ihre Kreativität im Umgang mit den Behörden feiert.“ Deshalb erzählt „Toubab“ die Ereignisse konsequent aus Babtous Perspektive.

„Toubab“ 28.8., ZDF, 20.15 Uhr