Schmeckt gut und ist gut für die heimische Streuobstwiesenkultur: Simone Schwiete, eine der beiden Leiterinnen des Filder­städter Umweltschutzreferats, mit einer Flasche Filsecco. Foto: /Caroline Holowiecki

Anlässlich des 50. Geburtstags von Filderstadt gibt es nun ein Jubiläumsgetränk – den Filsecco. Der soll nicht nur schmecken, sondern auch auf die schützenswerten Streuobstwiesen hinweisen. Schnell sein lohnt sich, denn der Vorrat ist begrenzt. Wo kann man den Filsecco kaufen?

Schon seit Jahren gibt es die Filderstadt-Schokolade und den Filderstadt-Kaffee, nun aber hat die Kommune ein Produkt, wo Filderstadt nicht nur draufsteht, sondern auch wirklich drinsteckt: Anlässlich des 50. Geburtstags der Stadt ist der Filsecco auf den Markt gekommen, ein spritziger Apfelschaumwein. Hergestellt wurde er aus zehn ausgewählten Apfelsorten aus dem Museumsobstgarten in Bonlanden. Auszubildende der Stadtverwaltung haben dort im vergangenen Herbst rund eine Tonne Obst gesammelt. Der Saft wurde schließlich in der Manufaktur „Natur & Mohr“ in Weil im Schönbuch zu Secco mit einem Alkoholgehalt von zehn Prozent vergoren.

Die Idee dazu stammt aus dem Filderstädter Umweltschutzreferat. Simone Schwiete ist eine der beiden Leiterinnen. Sie erklärt, dass die Grundintention hinter dem Filsecco ist, die heimischen Streuobstwiesen in den Mittelpunkt zu rücken. „Wir möchten aufmerksam machen auf die Schätze“, sagt sie und schaut sich am Haldenhof in Plattenhardt zwischen Apfel- und Birnbäumen um, die aktuell in voller Blüte stehen. „Noch haben wir ungefähr 250 Hektar, wir sind noch gut bestückt mit Obstwiesen“, sagt sie, ihre Betonung liegt allerdings auf „noch“. Denn die Streuobstwiese als solche ist bedroht. Das Hauptproblem ist mangelnde Pflege. Die Bäume gehen dadurch kaputt, „und die Misteln geben ihnen den Rest“. Tatsächlich habe sich der Mistelbefall auf der Gemarkung seit der letzten Obstbaumkartierung 2016, bei der bereits ein eklatanter Befall festgestellt worden sei, bis heute etwa verfünffacht, sagt Simone Schwiete. Wird nichts gegen die Parasiten getan, sterben betroffene Bäume ab, die Areale gehen verloren. „Es geht schleichend“, erklärt sie.

Streuobstanbau ist „Immaterielles Kulturerbe“ – aber bedroht

Der Streuobstanbau steht seit 2021 im bundesweiten Verzeichnis „Immaterielles Kulturerbe“ der deutschen Unesco-Kommission. Schon seit geraumer Zeit unternimmt auch die Stadtverwaltung Filderstadt einiges, um den Verfall der prägenden Kulturlandschaft aufzuhalten, denn der ökologische Wert der Streuobstwiesen ist hoch. Sie beherbergen etliche Tier- und Pflanzenarten. Stücklebesitzer können Geräte wie Hochentaster, Erntemaschinen oder Stangensägen entleihen, im Herbst wird es wieder bezuschusste Hochstämme für Neupflanzungen geben. Schnitt-, Sensen-, Veredelungs- und Wühlmäusefangkurse werden ebenso angeboten wie die Schnittgutabfuhr.

Eine Flasche kostet 10 Euro

Nun probiert das Umweltschutzreferat, mit einer neuen Strategie Sympathien für die heimische Streuobstwiese zu wecken: mit Genuss. Zuletzt fand eine Freiluft-Fitnessreihe auf Wiesen zwischen Obstbäumen statt; sie war ebenso erfolgreich wie jüngst ein Most-Vortrag inklusive Verkostung. Im Juli findet ein Kochevent mit heimischem Obst statt, im Herbst ein Sortenrundgang auf dem Streuobstlehrpfad. Eben in diese Kerbe schlägt auch der neue Filsecco. „Es lebt von den Produkten. Wenn das Obst nicht genutzt wird, hat keiner Lust, die Wiesen zu pflegen“, sagt Simone Schwiete.

Der Filsecco ist für zehn Euro an verschiedenen Verkaufsstellen in der Stadt erhältlich: bei Schweizer Haushaltswaren in Bonlanden, im Unverpacktladen Tante Filda sowie im Weltladen in Bernhausen, im Enkel-Huss-Concept-Store in Harthausen sowie direkt beim Umweltschutzreferat in Plattenhardt.

Nur etwas mehr als 800 Flaschen wurden abgefüllt. Doch Simone Schwiete hofft, dass der Filsecco zum Dauerbrenner werden könnte: „Wir würden das gerne etablieren.“