Erling Haaland von Borussia Dortmund dribbelt in Fifa 21 am Verteidiger vorbei. Foto: EA Sports

Fußball-Fans dürfen zwar nicht alle im Stadion Platz nehmen, dafür aber vor der Konsole. Das neue Fifa ist auf dem Markt – und wartet mit einigen Änderungen auf. Wir haben Fifa 21 getestet und verraten die Stärken und Schwächen des Spiels.

Stuttgart - Jedes Jahr bringt EA Sports (EA) ein neues Fifa auf den Markt, was den Millionen Zockern entweder Tränen der Freude oder Wut auf die Wange zaubert. Nun ist das Spiel für 2021 auf dem Markt, die Macher der Fußball-Simulation haben es wie immer nicht einfach gehabt. Verändern die EA-Entwickler zu viel, könnte die breite Spielermasse unzufrieden werden. Wird nur wenig am Gameplay justiert, heißt es, die neue Version wäre nur ein teurer Patch. Was haben sich die Entwickler für dieses Jahr überlegt? Wir haben Fifa 2021 getestet und erklären die Stärken und Schwächen.

Spieleinhalt

Im letzten Jahr brachte der Modus „Volta“ mit Straßenfußball im angedachten Stile von „Fifa Street“ zumindest ein bisschen frische Abwechslung in das Gameplay, das wird auch in diesem Jahr so sein. In der Volta-Story „Das Debüt“ soll Straßenfußball in den Hinterhöfen der Welt zelebriert werden, Legenden wie Thierry Henry und Kaka läuft man in der Story „Das Debüt“ auch über den Weg. Die Neuerung dabei ist, dass Spieler jetzt mit bis zu vier Freunden ein Team stellen können und online fünf gegen fünf Duellen möglich sind.

Die größte Veränderung bei Fifa 21 findet sich im Karriere-Modus, der immer wieder kritisiert wurde. EA hat sich dieses Jahr etwas besonderes einfallen lassen. So ist es möglich, durch eine Live-Matchsimulation via Radar jederzeit ins Spiel einzusteigen – doch dazu später mehr. Optisch sieht Fifa 21 aus wie der Vorgänger, neue Übertragungspaketen und Spielergesichtern sind natürlich neu. Mit Esther Sedlaczek mischt sich eine frische Stimme unter die Kommentatoren.

Stärken

Die Entwickler haben viel im Karriere-Modus geschraubt, das ist wichtig gewesen. Durch die Live-Simulation via Radar kann sich der Spieler in wichtigen Situationen im Spiel einschalten, beispielsweise einen Elfmeter selber ausführen. Außerdem können Spieler ausgeklügelter trainiert werden. So kann ein Kicker auf einer anderen Position geschult werden, die Nachwuchs-Kicker entwickeln sich zudem realistischer als in den Spielen zuvor.

Nun zum Gameplay: Ja, es hat sich etwas getan auf dem Platz. Wirklich schneller ist das Spiel zwar nicht geworden, das macht den Spielfluss jedoch realistisch. EA hat in diesem Jahr an vielen kleinen Stellschrauben gedreht. So ist es jetzt möglich, die Sprintrichtung der KI-Kollegen mit einem Schnipps über den rechten Stick zu steuern. Im Jahr davor liefen die Mitspieler immer stumpf nach vorne. Nun kann nach einem Doppelpass der Stick beispielsweise nach hinten gedrückt werden, der Spieler setzt sich also ab. Oder der Spieler kann per Schnipp zum Hinterlaufen nach links oder rechts geschickt werden. Die kreativen Läufe eröffnet jede Menge Möglichkeiten, um die Abwehrreihe zu verwirren – das bedarf allerdings Übung. Außerdem ist es möglich wieder Tore mit dem Kopf zu erzielen, was beim Vorgänger ein Ding der Unmöglichkeit war.

Übung ist mittlerweile auch beim Verteidigen gefragt. In Fifa 21 gewinnt die Abwehr Spiele – das ist wie im realen Fußball und deswegen auch für eine Simulation unabdingbar. Die Verteidiger muss sein Stellungsspiel beherrschen, Passwege zumachen und Tacklings perfekt ansetzen. Geht das daneben, fallen die Partien deutlich torreicher aus. Das Gameplay ist also anspruchsvoller geworden, was mehr Feingefühl beim Spieler fordert – aber auch zahlreiche neue Möglichkeiten auf dem Platz eröffnet.

Schwächen

Volta vermittelt zwar den schönen Gedanke des Straßenfußballs, doch bleibt nur schnödes Beiwerk. Mit verrückten Tricks läuft nichts – es fühlt sich nie an wie „Fifa Street“. Es ist eher das Gefühl des Großfeld-Spiels auf kleinen Bolzplätzen ohne Grätschen.

Was deutlich auffällt: Die Torhüter halten nicht mehr so gut. Das führt neben der schwierigen Verteidigung, die oftmals beim Timing noch Lücken offenbart, zu Torfestivals und lässt damit das Spiel auf der Anzeigetafel unrealistisch erscheinen.

Etwas merkwürdig fallen auch einige Ratings der Spieler aus, siehe Ailton vom VfB Stuttgart. Der Linksverteidiger ist mit einer 74 zusammen mit Marc-Oliver Kempf der beste Verteidiger der Schwaben. Beim VfB spielte er in den vergangenen drei Jahren allerdings keine Rolle, absolvierte fünf Pflichtspiele und wurde zweimal ausgeliehen. Natürlich können sich die Bewertungen noch ändern, ein EA-Diamantenauge sieht allerdings anders aus.

Lesen Sie hier: Diese Ratings erhalten die VfB-Spieler bei Fifa 21

Während die Corona-Pandemie das Leben der Menschen im realen Leben bestimmt, verzichtet EA darauf, die aktuelle Krise in irgendeiner Form zu erwähnen. Die Stadien sind voll, Masken überall Fehlanzeige – die fehlende Aktualität wirkt dann doch befremdlich für ein Spiel dieser Größenordnung.

Fazit

Ganz grundsätzlich liefert Fifa 21 Qualität ab. Der Kritik am Vorgänger wurde sich angenommen. Im Gameplay sind mehr Möglichkeiten (enges Dribbling, kreative Läufe) vorhanden, die auch langfristig Spielspaß bringen. Außerdem wird der Karriere-Modus durch den Liveradar und die verbesserten Trainingseinheiten interessanter. Die Entwickler hätte sich jedoch den Modus Volta sparen können und die Ressourcen lieber in das Hauptspiel einfließen lassen können. So bleibt Fifa 21 ein deutlich besseres Spiel als sein Vorgänger, der große Knall bleibt aus. Ob es für diese Entwicklung jedoch ein Vollspiel für rund 60 Euro braucht oder nur einen großen Patch, bleibt den Diskussionen der Fifa-Community überlassen.

Fifa 21 ist für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich und ohne Altersfreigabe. Für Nintendo Switch gibt es lediglich eine „Fifa 21 Legacy Edition“. Dies bedeutet, dass es sich um das nahezu gleiche Spiel wie Fifa 19 handelt, bei dem einzig die Kader aktualisiert wurden.

Wertung:

Grafik: 4 von 5

Spielspaß: 4,5 von 5

Atmosphäre: 4 von 5

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