Der Kreis rechtfertigt seine Entscheidung für die CAF-Fahrzeuge auf der Schönbuchbahn-Strecke – die Argumente sind nicht überzeugend und wenig hilfreich, kommentiert unser Redakteur.
Zugegeben, man könnte folgende These aufstellen, um das Fiasko der Schönbuchbahn zu erklären: Landkreise können halt keine Eisenbahn. Doch ist das zu kurz gesprungen. Denn angesichts des Glücksspielautomaten, den die Deutsche Bahn „Fahrplan“ nennt, müsste man ja auch sagen, nicht mal die Deutsche Bahn kann Eisenbahn.
Um das neuerliche Versagen der Schönbuchbahn zu erklären, die voraussichtlich bis 23. Februar im Depot steht, hat das Landratsamt Böblingen neulich eine dreiseitige Pressemitteilung verfasst, in der das Amt die Entscheidungen des Kreises für die Pannenfahrzeuge der CAF begründet.
Fehlentscheidung für CAF – Fiasko bei Schönbuchbahn nicht alternativlos
Verständlich, dass der Kreistag seine Fehlentscheidung rechtfertigen will. Doch unternimmt das Landratsamt in dieser Mitteilung den Versuch, die Entscheidung für den spanischen Hersteller CAF als unausweichliche und einzig vernünftige darzustellen. Doch dem spricht allein schon die Realität von zwei Jahren Verspätung bei der Einführung der Züge und die jetzigen ständigen Pannen Hohn. Die Entscheidung war falsch und die Argumente dafür sind wacklig. Eine Politik, die Dinge als alternativlos darstellt, zeigt nur, dass sie fantasielos ist, nicht dass es keine Alternativen gegeben hätte.
Schon mit Dampfloks unterwegs – auch auf der Schönbuchbahn-Strecke
Beispielsweise schreibt das Landratsamt, die Strecke zwischen Dettenhausen und Böblingen sei in ihren Anforderungen etwas so Besonderes, dass man eben nur mit Spezialfahrzeugen wie denen von der CAF darauf fahren könnte, die so nicht auf dem Markt gewesen seien. Nein: Die Schönbuchbahn ist eine ganz normale Eisenbahnstrecke, auf der die Schwäb’sche Eisenbahn anno 1911 schon mit Dampflokomotiven unterwegs war, mit dem einzigen Unterschied, dass die Eisenbahner damals ihr Geschäft noch verstanden.
Wenn man in der besagten Presse-Mitteilung mit Argumenten kommt, wie besonderen Bahnsteighöhen, mit fehlender Beschleunigung oder sonst noch was: Die Schönbuchstrecke wurde komplett saniert. Man hätte alles anpassen können auf alternative Fahrzeuge. Man hätte sogar versuchen können, die S 1 von Böblingen bis Dettenhausen zu verlängern, oder gleich mit S-Bahn-Triebwagen zu fahren, oder tatsächlich eine Straßenbahn verkehren lassen.
Schönbuchbahn hätte Dieselloks noch laufen lassen können
Doch das soll angeblich rechtlich nicht möglich gewesen sein. Dann hätte man sich um das Recht bemühen müssen. Dazu sei gesagt, dass die Stuttgarter U-Bahn auf breiten Gleisen Wege und Höhen zurücklegt, gegen die die Strecke nach Dettenhausen wie eine Spielzeug-Eisenbahn wirkt.
Dann wird gesagt, man hätte der CAF in der Ausschreibung den Zuschlag geben müssen. Wer aber weiß, wie Ausschreibungen laufen, der weiß auch, dass es sicherlich einen Spielraum gegeben hätte, um auch anderen Anbietern den Zuschlag zu ermöglichen, vor allem, weil die CAF auf dem deutschen Markt unerfahren war.
Ferner wird in der Mitteilung behauptet, die alten Dieselfahrzeuge wären am Ende gewesen: Waren sie nicht, sie fahren noch munter für die Rurtalbahn bei Düren, und die Schönbuchbahn hätte die alten Diesel noch zehn Jahre laufen lassen können.
Die Diskussion um die CAF-Fahrzeuge bei der Schönbuchbahn ist rückwärtsgerichtet
So geht es in dieser Pressemitteilung seitenlang. Und wie alle rückwärtsgerichteten Diskussionen ist das völlig sinnlos. Die Entscheidung ist eben gefallen, man hat sich für die CAF entschieden und jetzt geht es allein darum, wie man die Fahrzeuge wieder zum Laufen bringt.
Der Landrat hatte noch im Jahr 2020 gesagt: „Wir schreiben ein Stück weit Geschichte.“ Das ist sicher wahr. Nur ist es keine Erfolgsgeschichte. Aber vielleicht wird es ja noch eine. Andere Länder mit anderen Eisenbahnunternehmen schaffen das, selbst mit CAF-Fahrzeugen.