GES-Vorstandsmitglied Richard Wunderlich im Führerhaus der Lok 50 2273. Foto: Simon Granville

Bald wird der Feurige Elias zwischen Weissach und Korntal das erste Mal vom „Käthchen von Heilbronn“, angeführt. Ein Jahrzehnt haben ehrenamtliche Tüftler darauf hin gearbeitet.

Wenn man im Führerhaus der Dampflokomotive mit der Nummer 50 2273 über die dunklen Oberflächen streicht, dann werden die Fingerkuppen schwarz vom Ruß. Der dunkle Staub haftet an Vorhängen, an kleinen und großen Hebeln, Ventilen und Griffen, er zeugt von der rund 80-jährigen Geschichte der historischen Lok. Es riecht nach Metall, Maschinenöl und der Kohle, die schon auf ihren Einsatz wartet. Denn die Lok 50 2273 wird bald das erste Mal als „Feuriger Elias“ zwischen Weissach und Korntal unterwegs sein – für den betreibenden Verein eine große Premiere, denn die Ehrenamtlichen haben rund zwei Jahre an der Lokomotive gearbeitet, um sie für den Personenverkehr zu ertüchtigen.

In der Lok 50 2273 stecken mehr als zehn Jahre Arbeit

Richard Wunderlich, Vorstandsmitglied der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen Stuttgart, kurz GES, weiß ganz genau, wie viel Arbeit das war. „Es gab kein Teil, das wir nicht in der Hand hatten“, berichtet er auf die Frage, was genau man an der Lok denn reparieren musste. Rund zehn Tüftler arbeiteten in der Endphase an der Lok, direkt in den Hallen der GES in Weissach, wo sie auch gerade auf ihre Jungfernfahrt auf der Strecke nach Korntal wartet. Angefangen haben die Arbeiten an der Lok aber eigentlich schon viel früher.

Denn: Sie ist eine Leihgabe und gehört den Unterländer Eisenbahnfreunden Heilbronn. Und die tüftelten, so berichtet es Richard Wunderlich, schon vor zehn Jahren an der Lok mit dem passenden Spitznamen „Käthchen von Heilbronn“. Übernommen hatten die Heilbronner die Lok in einem schlechten Zustand, so der 23-jährige Wunderlich. Vor zwei Jahren wurde das „Käthchen“ dann schließlich nach Weissach überführt, die GES stieg unterstützend in das Projekt ein.

„Wir mussten die Lok zerlegen und uns jedes Teil genau anschauen“, erzählt Richard Wunderlich von dieser Zeit. Denn der Einsatz der Loks ist auch mit großer Verantwortung verbunden. „Man fährt ja Leute durch die Gegend“, so Wunderlich. Ersatzteile für die Lok, die Anfang der 1940er-Jahre gebaut wurde, gibt es längst keine mehr – und mussten deshalb selbst angefertigt werden. Auch größere optische Veränderungen haben die Ehrenamtlichen vorgenommen, um die Lok wieder so erstrahlen zu lassen, wie sie einst unterwegs war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie in den Osten überführt, dort bekamen, so erklärt es Wunderlich, die Loks dieser Baureihe neue Kessel. In Weissach wurde der Kessel der 50 2273 wieder um 13 Zentimeter gekürzt. Und auch der sogenannte „Mischvorwärmer“, den man bei der Reichsbahn einsetzte, wurde wieder mit einem Oberflächenvorwärmer ersetzt – dieser liegt quer vor dem Schornstein auf dem Kessel.

Für die Jungfernfahrt ist das Interesse groß

Eine Probefahrt hat das „Käthchen von Heilbronn“ bereits vor wenigen Wochen erfolgreich absolviert. Das zu sehen, sei ein „tolles Gefühl“ gewesen, sagt Wunderlich. „Man sieht die Lok jahrelang kalt und zum Teil zerlegt in der Halle stehen“, erzählt er. „Der erste Moment war dann sehr bewegend.“ Am Ostermontag zieht die Lok 50 2273 den Feurigen Elias, bestehend aus fünf Personen- und einem Packwagen, dann auch mit Passagieren. Noch begehrter als sonst seien die Tickets für die Fahrten an diesem Tag gewesen, sagt Wunderlich. Online sind sie fast ausverkauft, für Kurzentschlossene wird sogar noch ein Nachlösewagen eingesetzt. Das Interesse auch aus der kleinen Welt der Bahnbegeisterten ist groß – dort wurden die Arbeiten an der Lok 50 2273 sehr aufmerksam verfolgt, so Wunderlich. Eine Sache muss bis zum großen Tag aber noch geregelt werden: Das „Käthchen“ ziert aktuell eine andere Seriennummer, nämlich das Geburtsjahr des Werkstattleiters, der vergangenes Jahr 50 Jahre alt wurde.

Dieses und kommendes Jahr wird die neue, alte Lok den Feurigen Elias ziehen, wenn der historische Zug auf der Strecke der Strohgäubahn unterwegs ist. Danach soll sie wieder zurück nach Heilbronn gehen. Die eigentliche Stammlok der GES, die Lok 16 der Hohenzollerische Landesbahn, ist gerade nicht in Betrieb – der Kessel muss repariert werden. In den Hallen der GES schlummern derweil noch andere Schätze: Etwa ein Zug der Hohenzollerischen Landesbahn, der einst genauso in der Region unterwegs war, wie er heute in Weissach steht. Die Wagen sind zum Großteil über hundert Jahre alt.

Eine Zugreise in die Vergangenheit

Wenn die historischen Züge auf den Schienen unterwegs sind, wenn sich der Feurige Elias vor den Bahnübergängen mit zweifachem Pfeifen ankündigt und Dampf und Rauch aus dem Schornstein quillen, dann ist das für Richard Wunderlich auch eine kleine Zeitreise, es ist Lokgeschichte zum Anfassen. „Man sieht hier etwas, was man sonst nur von alten Bildern kennt“, sagt der 23-Jährige zu seiner Faszination historischer Züge. Er ist seit Herbst im Vorstand, aber schon als Jugendlicher zur GES gekommen. „Das Interesse an Eisenbahnen war schon immer da“, sagt er. „Ich will meinen Teil dazu beitragen, dass so etwas erhalten bleibt.“

Das bedeutet hin und wieder: harte Arbeit. „Ich bin schmutzige Hände gewöhnt“, kommentiert er lachend. In den Semesterferien verbringt der Student manchmal ganze Tage in den Hallen der GES. Ob er bei der ersten Fahrt der 50 2273 als Personal dabei ist, weiß er noch nicht – vor Ort will er aber auf jeden Fall sein. „Ich werde es mir nicht entgehen lassen.“