Mitte August brannte ein Auto im Engelbergtunnel. Rauch steigt nach oben. Foto: KS-Images.de / Andreas Rometsch

Ein Fahrzeugbrand im Engelbergtunnel hat vor Kurzem einen Großeinsatz ausgelöst. Verletzt wurde niemand. Was im Ernstfall zu tun ist, erklärt ein Experte von der Autobahn GmbH.

Wer durch einen langen Tunnel fährt, empfindet dies meist als alltäglich und unspektakulär. An mögliche Gefahren denkt kaum jemand – schließlich sorgen Notausgänge, Notrufsäulen und moderne Sicherheitstechnik für ein Gefühl der Sicherheit. Doch Ausnahmesituationen können jederzeit eintreten. So wie vor gut zwei Wochen im 2,5 Kilometer langen Leonberger Engelbergtunnel, als ein Fahrzeug in Brand geriet.

Alle Beteiligten bleiben unverletzt, der Schreck sitzt tief

Binnen kürzester Zeit rückten zahlreiche Einsatzkräfte an: 49 Feuerwehrfahrzeuge mit 250 Feuerwehrleuten, dazu Polizeikräfte, das Technische Hilfswerk mit 31 Helfenden und das Deutsche Rote Kreuz mit 26 Fahrzeugen und 65 Einsatzkräften aus mehreren Ortsvereinen. Glücklicherweise blieben alle Beteiligten unverletzt – der Schreck saß dennoch tief. Gerade solche Ereignisse werfen wichtige Fragen auf: Wie verhalte ich mich richtig, wenn es im Tunnel zu einem Brand kommt? Was kann jeder Verkehrsteilnehmer tun, um Risiken schon im Vorfeld zu verringern? Und welche Schritte sind im Ernstfall entscheidend?

Der Kornwestheimer Alexander Fromm hat den Brand direkt miterlebt. Als er in Fahrtrichtung Stuttgart in den Engelbergtunnel eingefahren sei, habe er eine sehr laute Durchsage über die Lautsprecher gehört: „Hier spricht die Tunnelleitstelle. Es brennt im Tunnel. Bitte bleiben sie sofort stehen und bilden eine Rettungsgasse. Verlassen Sie das Fahrzeug, es besteht Lebensgefahr!“

In diesem Augenblick seien dem 35-Jährigen schon Autos mit Lichthupe entgegengekommen. „Erst war ich verwundert, bin aber stehen geblieben. An Aussteigen war noch nicht zu denken, denn viele haben sich über die Rettungsgasse mit höchster Geschwindigkeit noch durch den Tunnel gedrückt.“ Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, habe er den Fluchtweg genommen, der ihn in die andere Tunnelseite geleitet hat, und habe die Röhre zu Fuß mit anderen Personen verlassen. „Zu diesen Zeitpunkt war kein Auto mehr in beiden Richtungen unterwegs.“ Beim Verlassen des Fahrzeuges habe er nur sein Handy und ein Getränk mitgenommen.

Nicht nur im Notfall gilt: Aufmerksam bleiben

Alexander Fromm habe alles richtig gemacht, sagt Thomas Bräuner, der Abteilungsleiter für Betriebstechnik bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest. „Im Notfall ist es wichtig, als Verkehrsteilnehmer aufmerksam zu bleiben und einige Regeln zu beachten“. Dass beim kürzlichen Brand am Ende alles glimpflich ausgegangen ist, sei auch der Technik im Engelbergtunnel zu verdanken.

Der Tunnel ist mit Sicherheitstechnik wie Thermoscannern für Gefahrguttransporte, die Fahrzeuge auf überhitzte Teile prüfen sowie automatischen Brandmelde- und Absperreinrichtungen ausgestattet, die bei einem Brand automatisch den Tunnel sperren können. „Wenn die Ampeln am Tunnel auf Rot schalten, heißt das, die Verkehrsteilnehmer müssen unbedingt stehenbleiben“, so Bräuner. Fahrlässig sei es, wenn manch einer noch schnell durchfahre, um einem möglichen Stau zu entgehen. „Wichtig ist es, eine Rettungsgasse zu bilden und den Anweisungen der automatischen Tunnelansage über Lautsprecher zu folgen“, sagt Thomas Bräuner. Verkehrsnachrichten würden im Radio durchgegeben. Um in einem bereits gebildeten Stau Platz für Rettungskräfte zu schaffen, sollte man immer einen gewissen Abstand zum vorderen Fahrzeug halten. So können sich die Einsatzfahrzeuge auch in engen Situationen durchschlängeln.

Im Falle eines Brandes im Tunnel stehen der Verkehrsleitzentrale der Autobahn GmbH Südwest verschiedene Alarmwege zur Verfügung, erklärt Thomas Bräuner. Die Zentrale hat ihren Sitz am Stuttgarter Pragsattel und steuert von dort unter anderem den Verkehr im Leonberger Engelbergtunnel. Sicherheitseinrichtungen sind in beiden Röhren zahlreich vorhanden: Alle 300 Meter gibt es Notrufsäulen sowie gegenüberliegende Notausgänge, die in die jeweils andere, baulich getrennte Tunnelröhre führen. „Sobald ein Feuerlöscher entnommen wird, löst das automatisch einen Alarm bei der Feuerwehrleitstelle aus – genauso wie beim Drücken des Notfallknopfes“, so Bräuner. Auch die an der Tunneldecke installierten Brandmeldekabel reagieren sofort auf Hitzeentwicklung. Ob ein Feuer noch eigenständig bekämpft werden kann oder ob die Flucht Vorrang hat, müsse stets im Einzelfall entschieden werden. Orientierung bieten dabei beleuchtete Notrufzeichen, die den kürzesten Weg ins Freie weisen. „Wichtig ist dabei auch, dass man andere Personen nicht allein lässt und ihnen hilft“, betont Petra Hentschel, Pressesprecherin der Autobahn GmbH. Für die Sicherheit gehandicapter Menschen sei ebenfalls gesorgt: Die Randsteine seien so niedrig, dass auch Rollstuhlfahrende problemlos auf den Fluchtweg gelangen können. Zusätzlich erleichtern Durchgänge zwischen den Fahrbahntrennwänden das Ausweichen in die andere Tunnelröhre.

Lüftungsanlage beschädigt

Reparatur
Nach dem Fahrzeugbrand am 13. August im Engelbergtunnel wurde die Lüftungsanlage der Weströhre beschädigt. Die Autobahn GmbH Südwest prüft derzeit alle sicherheitsrelevanten Bauteile und repariert die betroffenen Komponenten. Der Tunnel ist in beide Richtungen befahrbar.

Verkehrsführung
Bis zum Abschluss der Arbeiten gilt in den nächsten Wochen folgende Verkehrsführung: Verkehr aus Karlsruhe in Richtung Heilbronn wird über die Anschlussstelle Leonberg-Ost in die Oströhre geleitet, die Lichtsignalanlage dort wird angepasst. Der Verkehr aus Heilbronn Richtung München/Karlsruhe (drei Fahrstreifen) sowie aus München Richtung Heilbronn (zwei Fahrstreifen) bleibt unbeeinträchtigt. Auch nachts bleibt die Oströhre für den Verkehr geöffnet.