Beim Sommernachtsfest am Waldsee in Murrhardt und dem Aktionstag „Ebnisee für alle“ kamen die Besucher auf ihre Kosten – trotz grauer Wolken.
Die Stoßgebete von Bürgermeister Armin Mößner wurden erhört: Petrus hatte ein Einsehen – wenngleich nur vorübergehend. Kurz bevor der Murrhardter Schultes zum Schlegel griff und mit vier strammen Schlägen den Hahn ins 56-Liter-Freibierfass trieb, um das viertägige Sommernachtsfest am Waldsee zu eröffnen, riss der Himmel auf. Statt Regen fielen Sonnenstrahlen auf die Besucher. Feuchtfröhlich wurde es dann trotzdem – das gehört sich so, wenn in Murrhardt gefeiert wird.
Traditioneller Auftakt am Freitagabend war der Jux-Triathlon, bei dem sich rund ein Dutzend Zweierteams in den kalten See wagten, um in drei ungewöhnlichen Disziplinen gegeneinander anzutreten. Eine davon: Mit verbundenen Augen und Schwimmflossen an den Händen eine Wassermelone halten und dabei möglichst schnell einen Slalom um Bojen laufen – angeleitet allein durch die Rufe des Teampartners und angefeuert vom Publikum. Und das alles unter den aufmerksamen Blicken von DLRG-Einsatzleiter Markus Mulfinger und seinem Team der Wasserrettung, das für Sicherheit sorgte.
Kegeln mit einem Strumpfhosenbein
Im Anschluss mussten sich die durchnässten Teilnehmer auf einer aufgeblasenen Schildkröte liegend per Seil und Muskelkraft durchs Wasser bewegen. Den Abschluss bildet eine Aufgabe an Land: Mit einer langen Strumpfhose auf dem Kopf, deren eines Bein mit Sand gefüllt war, sollten Flaschen umgekegelt werden – keine einfache Übung. „Unmöglich so etwas zu trainieren und sich darauf vorzubereiten“, sagt Tamara Braun, die mit ihrem Bruder Domenic antrat. Für den 24-Jährigen zählte bei dem Spektakel vor allem der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles. „Es macht Riesenlaune – der Spaßfaktor steht im Vordergrund“, sagt er.
Dieses Motto galt an allen vier Festtagen – beim Diamantfeuerwerk am Samstagabend, dem Frühschoppen am Sonntag oder dem Kindertag am Montag. „Das war schon immer so“, bestätigt Moderator Mario Brenner, der das Fest seit Jahrzehnten mitorganisiert und – neben Kulturamtsleiter Uwe Matti – von einem großen Helferteam unterstützt wird.
Ein großes Jubiläum steht im Jahr 2029 an: Dann feiert man am Waldsee bei Fornsbach das hundertjährige Bestehen des Sees. Bis dahin, so versprach Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner, werde man auch Geld in die Hand nehmen und in die Infrastruktur investieren, um den Waldsee und die Anlagen instand zu halten.
Inklusive Mitmachangebote locken am Ebnisee
Der elf Kilometer entfernte Ebnisee wurde am Sonntag erneut zu einem besonderen Erlebnisort. Von morgens bis nachmittags verwandelte sich das Ufer beim Erlebnistag „Ebnisee für alle“ in ein waldpädagogisches Mitmachgelände mit zahlreichen, inklusiven Stationen für Menschen mit und ohne Einschränkungen – liebevoll organisiert vom Ebnisee-Verein in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Seit nunmehr 15 Jahren gibt es diese Veranstaltung, berichtet der Vereinsvorsitzende Konrad Jelden.
Naturparkführer und Waldpädagogen luden die Kinder und Jugendlichen zum Werkeln, Schnitzen, Basteln und Forschen ein – und vermittelten spielerisch Wissen über Fauna und Flora. So entstanden bei Beate Siegel bunte Traumfänger, bei Walter Hieber Schiffchen aus Holz, deren Seetauglichkeit direkt im Ebnisee getestet wurde.
Die Hände dürfen schmutzig werden
Tonfiguren formten die Kinder unter Anleitung von Edith Noack: Häschen, Mäuse und Männle wurden mit Kirschkernen, Zapfen und anderen Naturfunden aus dem Wald verziert. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – und bei mir darf man sich die Hände schmutzig machen. Der Brunnen ist ja gleich nebenan“, sagte Noack.
Präparierte Tiere von der Maus bis zum Bussard
Waldpädagoge Bernd Tochtermann hatte seine schwarze Jurte bereits am Vorabend aufgebaut und dort auch übernachtet – mit offizieller Ausnahmegenehmigung, wie er erklärte. „Ich bin auch Lehrer und mache das gern mit Schulklassen – das ist für die Kinder immer ein besonderes Erlebnis.“ In der barrierefrei zugänglichen Jurte präsentierte Tochtermann rund 30 präparierte Tiere – von der Maus über Fuchs, Hase und Eichelhäher bis hin zu Keiler und Mäusebussard.
Der vierjährige Levi zögerte zunächst, das dunkle Zelt zu betreten. Gemeinsam mit seiner Mutter Sabrina Ehmann und seiner Großmutter Sylvia traute er sich schließlich doch – und betrachtete die Tiere aus nächster Nähe. „Ich erlebe es oft, dass Menschen mit und ohne Einschränkungen zunächst Berührungsängste haben – und es ist schön zu sehen, wie sich ihr Gesicht dann aufhellt und sie vor Freude strahlen“, sagte Tochtermann. Nebenbei gab’s auch eine kleine Unterrichtseinheit in Sachen Tierkunde. „Das samtige Fell des Maulwurfs hat keine Wuchsrichtung – so kommt er gut vorwärts und rückwärts durch die engen Röhren unter der Erde.“
Rolli-Parcours erhöht Aufmerksamkeit
Wie anspruchsvoll schon kleine Stufen und Schrägen sein können, wenn man in einem Rollstuhl sitzt, konnten Besucherinnen und Besucher am Stand des Kreisjugendrings erleben. Simon Maier, Melike Weber-Nüßle und Jonas Augustin betreuten den Rolli-Parcours, den auch Sarah und Tobias Alznauer mit ihren drei Kindern ausprobierten. Für Marie, Aaron und Lotte wartete zur Belohnung – auch für die lange Wanderung, die sie zum Ebnisee führte – ein Besuch bei den Ponys und das versprochene Eis.