Waschen, schälen, garen: Die Verarbeitung von Kartoffelprodukten läuft in Perouse maschinell. Foto: Simon Granville

Mit ihrer Veranstaltung am Wochenende 6. und 7. September zeigen Perouser Landwirte, Jäger und Forstleute, wie vielfältig und hochwertig regionale Produkte sind.

Kartoffeln aus Spanien, Ägypten, Polen oder Tschechien? Für die Perouser Landwirte Rolf Vinçon und Tobias Fauser ist das keine Option. Fleisch vom Rind aus Argentinien oder Neuseeland? Davon hält Kreisjägermeister Achim Schätzler nicht viel. „Die besten Lebensmittel gibt es vor der eigenen Haustür, warum sollte man dann diese langen Importwege in Kauf nehmen?“, sagen die drei unisono.

Um Werbung für hochwertige regionale Produkte zu machen, veranstalten sie am Wochenende 6. und 7.September gemeinsam ihr Jäger-, Bauern- und Forstfest. Mit im Boot sind, wie es der Name verrät, auch Vertreter der Forstwirtschaft.

Bei der „Gläsernen Produktion“gibt es Einblicke in den Betrieb

„Der Wald ist nicht nur ein Erholungsort für die Menschen oder Lebensraum für das Wild, dort wird auch gearbeitet, daraus beziehen wir beispielsweise unser Brennholz“, sagt Alexandra Radlinger, die stellvertretende Leiterin des Amts für Forsten im Landratsamt Böblingen. Und so gesellt sich ihr Berufszweig am ersten Septemberwochenende mit einem Informationsstand hinzu.

Das Fest findet auf dem Kartoffelhof in der Heimsheimer Straße 11 im Rutesheimer Stadtteil Perouse statt. Die beiden Familien Vinçon und Fauser geben im Rahmen der „Gläsernen Produktion“, einer Initiative des Böblinger Landratsamtes, einen Einblick in ihren Betrieb. In einem Gespräch vorab erzählen Rolf Vinçon und Tobias Fauser, Vater und Sohn, nicht nur, dass sie auf einer Fläche von etwa 35 Hektar je nach Bedingungen etwa 1500 Tonnen Kartoffeln pro Jahr ernten. Auf dem Tisch im schattigen Hof präsentieren sie auch ihre Produkte, die aus den eigenen Knollen, die zu den Nachtschattengewächsen zählen, verarbeitet wurden. Sie sind quasi verzehrfertig und müssen nur noch erhitzt werden.

Da gibt es Bratkartoffelscheiben, Kartoffelsalatscheiben, Kartoffelwürfel, Ruck-Zuck-Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat inklusive der fertigen Brühe in einem kleinen Beutel, mit einem Handgriff ist es schnell zubereitet. Damit alles für eine gewisse Zeit haltbar ist, werden die rohen Kartoffeln nach dem Waschen und Schälen in der Maschine in spezielle Kochbeutel eingeschweißt und dann etwa eine Stunde im Ofen schonend gegart, damit die Nährstoffe erhalten bleiben. „Auf Konservierungsstoffe verzichten wir“, sagt Tobias Fauser.

Küchenfertige Kartoffelprodukte

Als die beiden Familien vor etwa zehn Jahren diese Produktion zu ihrem Hofladen in der Pinadelle, in dem sie zahlreiche regionale Produkte anbieten, um die küchenfertigen Kartoffelprodukte erweiterten, hatten sie zunächst Gastronomiebetriebe, Kantinen, Schulmensen oder Krankenhäuser beliefert. Doch mehr und mehr verkauften sie die Produkte auch in kleineren Mengen an Privathaushalte. „Damit hatte ich nie gerechnet“, sagt Tobias Fauser. Doch auch Familien hätten manchmal wenig Zeit zu kochen, oder ältere Menschen könnten aus gesundheitlichen Gründen Kartoffeln nicht mehr selbst schälen.

Schonend zubereitet: Allerlei Kartoffelprodukte kommen aus Perouse. Foto: Nathalie Mainka

Das Fest im September sei für die beiden Landwirte auch eine gute Gelegenheit, ihren Beruf vorzustellen. „Oft ist eine Distanz zum Endverbraucher da, und oft werden wir in der Öffentlichkeit angeprangert und als die Bösen dargestellt, weil wir Pestizide auf den Äckern versprühen“, sagt Rolf Vinçon. „Doch ganz ohne geht es eben nicht, weil es Krankheiten und Schädlinge gibt, die wir anders nicht bekämpfen können. Und wir müssen eben die Versorgungssicherheit gewährleisten.“ Weil Kartoffeln nur alle vier Jahre auf einem Feld gesteckt werden können, pflanzen die Perouser Landwirte auch andere Kulturen wie Winterweizen als Brotgetreide, Sommergerste zum Bierbrauen oder Senfpflanzen für die regionale Senfproduktion an. Auch diese Produkte – außer Alkohol – gibt es im Hofladen. Betriebsführungen geben interessante Einblicke in die Kartoffelverarbeitung auf dem Hof sowie die Lagertechnik.

Edelgulasch, Wildburger und Wildbratwurst

Die Jagdhornbläser der Kreisjägervereinigung kommen ebenfalls am Wochenende vorbei. Es gibt eine Jagdhunde-Rasseschau, eine Aktionsfläche Forst, einen Lernort Natur – und die Besucher erfahren, wie man Kitze mithilfe einer Drohne retten kann. Ein großes Fest muss auch für die Jäger, die unter anderem für die Bewirtung sorgen, gut organisiert sein. „Wir sind seit Januar dran, haben seitdem hundert Wildschweine geschossen und zerlegt“, sagt der Kreisjägermeister Achim Schätzler. Verarbeitet werden sie zu Edelgulasch, Wildburger oder Wildbratwurst. Aber auch Veggie Burger, Kartoffel-Twister, Pommes, der bekannte Kartoffelsalat des Hofladens Pinadelle, die traditionelle Rote Wurst oder das Steak vom Grill stehen auf der Speisekarte.

Bauern, Jäger und Forst

Samstag, 6. September
Die Jagdhornbläser eröffnen das Fest um 17 Uhr. Nach der offiziellen Begrüßung folgt der Fassanstich. Es gibt Livemusik, ab 21 Uhr öffnet der Barbetrieb.

Sonntag, 7. September
Mit einem ökumenischen Gottesdienst startet der Sonntag. Verschiedene Jagdhornbläser-Gruppen sowie auch Jörg Langer sorgen dann für die musikalische Unterhaltung. Am Nachmittag gibt es verschiedene Informationen zum Thema Jagd und Forst sowie einige Vorführungen.