Konditor Stefan Pauly isst selbst gern Süßes. Sein Können zeigt er jetzt in der Fernseh-Show „Das große Backen – die Profis“ Foto: Roberto Bulgrin

Ein Esslinger Konditormeister ist bei der Show „Das große Backen – die Profis“ als Kandidat dabei. Für ihn ist das auch Werbung für seinen Beruf.

Auf Schokolade, Sahnetorte oder Gebäck verzichten? Kommt für Stefan Pauly nicht in Frage. „Ich esse jeden Tag Süßes“, sagt der Konditormeister. Schon als Jugendlicher, als sich seine Freunde im Supermarkt mit Chips eindeckten, hat er sich sein Taschengeld lieber für Schokoladen-Meeresfrüchte zusammengespart. Anzusehen ist ihm diese Lust auf leckere Kalorienbomben nicht. Der 51-Jährige ist schlank und hochgewachsen. „Das ist einfach meine Veranlagung“, sagt er und lacht. Seinen Beruf übt er mit voller Leidenschaft aus. Das war auch ein Grund, weshalb er bei der Show „Das große Backen – die Profis“ mitmacht, denn solche Sendungen seien auch Werbung für seine Branche. „Mir geht es nicht zuletzt darum, den Beruf attraktiver für den Nachwuchs zu machen und zu zeigen, wie kreativ er ist und welche ausgefallenen Dinge man machen kann“, sagt der Konditormeister, der bei der Esslinger Bäckerei Dieringer arbeitet und nebenher als Schokoladen-Sommelier noch seine eigene Schokolade herstellt und Tastingkurse anbietet.

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Die Show hat er schon immer gerne geschaut, in der er jetzt selbst mit Katrin Naas auftritt. „In unseren Adern fließt Schokolade“, sagt die Konditormeisterin aus Ehingen in der Sendung. Sie hat mit Stefan Pauly früher in einer Berufs-WG zusammengewohnt. Um sich als Kandidaten zu qualifizieren, mussten die beiden ein Bewerbungsvideo drehen, um nicht zuletzt ihre Kameratauglichkeit unter Beweis zu stellen, und Fotos ihrer Konditorarbeiten einschicken. Anfang des Jahres wurde die Sendung in Berlin aufgezeichnet, damals noch mit strengen Corona-Auflagen.

Trainieren auf den Konditoren-Konkurrenzkampf

Stefan Pauly und Katrin Naas, die in der Sendung als „Team blau“ antreten, haben rund acht Wochen vorher mit dem Training begonnen. Immer an den Wochenenden haben sie gebacken, probiert, dekoriert und Rezepte ausgetauscht. Die letzten zwei Wochen haben sie ihr Pensum gesteigert und fast täglich an der perfekten Kreation gearbeitet und auch ihre Zeitpläne optimiert. Immer wieder ging es um die Frage, welche Zutat ein Gebäck noch raffinierter machen könnte, welche Deko noch ausgefallener ist und wie weit man gehen kann, ohne dass etwas misslingt. „Es muss ja alles exklusiv sein, perfekt im Geschmack und schön arrangiert, um die Jury zu überzeugen“, sagt Pauly. In der Sendung gibt es Aufgaben, die vorher bekannt sind und auf die sich die Kandidaten vorbereiten können. In der ersten Folge etwa sollte das Thema Sternzeichen umgesetzt werden: Team blau konnte mit Pralinen mit Himbeer- und Lavendelfüllung und einem Wassermann überzeugen. Der war acht Kilo schwer, ein Meter hoch und bekam einen handmodellierten Kopf. Damit möglichst alles so gelingt, wie geplant, bringen viele Teilnehmer ihre speziellen Zutaten von daheim mit. Es gibt aber auch Überraschungsaufgaben. Für die unterschiedlichen Aufgaben sind vier bis fünf Stunden Zeit, manche haben sich aber auch bis zu neun Stunden gezogen. Alle Teams arbeiten in der Studioküche zeitgleich nebeneinander. Nichts darf vorbereitet werden, jedes Detail muss vor Ort gefertigt werden.

Auch die Profis können noch etwas lernen

„Dass man in einer ungewohnten Umgebung arbeitet, ist durchaus eine Schwierigkeit“, erzählt Stefan Pauly. Ständig werde gefilmt, auch das sei ein Stressfaktor. „Wenn mal etwas schief geht, was auch bei Profis vorkommt, kann man das vor der Kamera kaum verheimlichen“, erzählt Pauly. Da ist es wichtig, dass die Back-Partner miteinander harmonieren. „Es war gut, dass wir uns schon vorher kannten“, erzählt der Konditormeister. Die Jury-Mitglieder Bettina Schliephake-Burchardt, Christian Hümbs und Günther Koerffer – alles selbst Profis im süßen Metier – sind die ganze Zeit mit in der Küche und geben Tipps. „Vieles war sehr hilfreich“, berichtet Stefan Pauly, „ich habe selbst noch jede Menge dazugelernt“. Die Jury nascht auch schon mal vom Teig oder einer Crème. „Da kann man dann schon eine Tendenz feststellen“, erzählt er.

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Sobald die Zeit für eine Aufgabe abgelaufen ist, sagt Enie van de Meiklokjes, das ist die Moderatorin mit den rotblonden Haaren und den geschminkten Apfelbäckchen, ihren legendären Spruch: „Hände weg vom Gebäck“. Dann kann nichts mehr repariert werden. Im Fernsehen ist später zu sehen, wie die Jurymitglieder dezent ein oder zwei Gäbelchen von den opulenten Gebäcken verkosten. Doch das täuscht. Sie würden durchaus ihr Stück auch mal aufessen oder sich etwas für daheim einpacken lassen, verrät Pauly. Nicht zuletzt sei auch das ein großes Lob. Durchfuttern durfte sich auch das ganze Set. Pauly war ebenfalls neugierig auf die Kreationen der Mitbewerber. „Oft waren so verrückte Sachen dabei, das musste man einfach probieren“, sagt er. Abends nach den Dreharbeiten war aber selbst sein Hunger auf Süßes gestillt. Dann hat er sich beim Asia-Imbiss etwas bestellt – extrascharf.

In jeder Runde scheidet ein Team aus

Sendung
Zwölf Profis treten in vier Runden gegeneinander an. Die Zweier-Teams müssen gleichzeitig in einer Studio-Küche pro Folge zwei Aufgaben lösen und ein bestimmtes Gebäck, Torten oder andere Zuckerkreationen herstellen. Moderiert wird die Show, die es auch in einer Version für Hobbybäcker und für Prominente gibt, von Enie van de Meiklokjes. Sie läuft sonntags auf SAT1 um 17.40 Uhr.

Jury Wer in die nächste Runde kommt, darüber entscheidet eine dreiköpfige Jury: Bettina Schliephake-Burchardt ist ausgebildete Konditormeisterin, Schokoladensommelière und Sugar Artistin. Ihr zur Seite steht Christian Hümbs, der mehrfach als „Patissier des Jahres“ ausgezeichnet. Der dritte Juror ist Günther Koerffer, Hofkonditor des schwedischen Königshauses. In jeder Runde scheidet ein Team aus. Die Sieger gewinnen 10 000 Euro.