Viele Jahre lang verbrachten Plochinger Kinder ihre Sommerferien bei der Stadtranderholung auf dem Pfostenberg. Foto: Roberto Bulgrin

Dass das Sommerferienprogramm dieses Jahr nicht im Wald, sondern in der Stadtmitte stattfindet, hat in Plochingen Wellen geschlagen. Die Verwaltung soll Lösungen für die Zukunft suchen.

Die Stadtranderholung auf dem Pfostenberg hat eine lange Tradition, manch einer verbindet eigene Erinnerungen damit. Entsprechend emotional diskutierte der Verwaltungsausschuss im April, als klar wurde, dass das Ferienprogramm in diesem Sommer in der Innenstadt bei der Stadthalle geplant war. Das Team der offenen Kinder- und Jugendarbeit möge den Pfostenberg nicht, es habe sogar potenzielle Ehrenamtliche beeinflusst, sodass sich die nicht mehr dort engagieren möchten: Solche Vorwürfe wurden laut und gelangten auch an die Öffentlichkeit.

Michael Burbach als Leiter des Personalpools für Kinder- und Jugendförderung schüttelt darüber den Kopf. Dass die Gewinnung Ehrenamtlicher eher schleppend verlief, räumt er ein. Aber die eigentliche Problematik auf dem Pfostenberg sei eine andere. „Wir hatten in den vergangenen Jahren immer die höchste Alarmstufe in Sachen Waldbrandgefahr“, nennt er einen Grund. Außerdem habe man auf dem Pfostenberg „ein Riesenproblem mit Eichenprozessionsspinnern“. Dessen Raupen können mit ihren Brennhaaren starke allergische Reaktionen verursachen. Laut dem Kreisforstamt sind Unternehmungen im Wald mit Kinder- und Jugendgruppen zwar weiterhin möglich, er weist aber auf eine weitere Gefahr durch die mehrjährige Trockenheit hin: „Totäste im Kronenbereich, vor allem bei geschädigten Altbuchen, sind auf jeden Fall ein Problem.“ Die Verantwortlichen müssten das im Blick haben.

Im Wald fehlt die nötige Infrastruktur

Die Stadtranderholung hat aber laut ihrer Organisatoren auch an der fehlenden Infrastruktur im Wald gelitten. Sie hat dort kein festes Gebäude zur Verfügung, Essen gab’s im teilweise stark überhitzten Zelt. In den aufgestellten Toilettenwagen sei es immer wieder zu Verstopfungen gekommen, weshalb die Betreuer teilweise, wenn der Service nicht kam, bis zum Ellbogen in den Lokus fassen mussten. Seit einigen Jahren kann der Bus zudem nicht mehr bis oben fahren, weil die Straße das nicht verkraftet.

Bei der Suche nach Ehrenamtlichen hätten zwei Jahre Corona ihre Spur hinterlassen, sagt Michael Burbach. Abgesehen davon „brauchen wir zuerst ein verlässliches Konzept, dann kann man nach Freiwilligen gucken“. Dieses Alternativkonzept für die Innenstadt habe das Team frühzeitig entwickelt, „das lag im Januar vor“. Aber das sei bei der Stadt nicht gleich aufgegriffen worden, dann sei die entsprechende VA-Sitzung verschoben worden – und ihm habe man dann im April Kurzfristigkeit vorgeworfen.

Auch die Bezahlung muss aus Sicht Burbachs angehoben und mehr als ein Taschengeld werden. Rund 15 Freiwillige, die meisten neu, sind nun beim reduzierten Alternativprogramm in Plochingen dabei. Auch Jugendbegleiter helfen mit, darunter zwei russischsprachige, die sich besonders um die neun ukrainischen Kinder kümmern können. Insgesamt werden rund 60 Kinder teilnehmen, was deutlich weniger ist als in früheren Jahren. Weniger Teilnehmer und weniger Ehrenamtliche haben aber auch andere Ferienprogramme zu verzeichnen.

Die Stadtverwaltung soll eine Lösung suchen

Man müsse nicht nur die Werbetrommel rühren, sondern den Freiwilligen, vor allem den jungen, etwas bieten: Schulungen oder dass sie während der Freizeit abends zusammensitzen können, sagt Holger Kaufhold vom Wernauer Jugendhaus Kiwi. Aktuell sei die Wernauer „Stara“, die auf dem Antoniusgelände neben ihrer „Pavillon-Burg“ auch feste Räume zur Verfügung hat, aber mit rund 25 Ehrenamtlichen gut aufgestellt. „Wir versuchen, unseren Ehrenamtlichen das ganze Jahr über etwas zu bieten“, sagt Charly Schwahr, einer der Organisatoren des Abenteuerspielplatzes in Köngen, der dieses Jahr – allerdings ohne Mittagessen – von rund 230 Kindern besucht wird. Schwahr freut sich, dass neben den Altgedienten eine Gruppe Neuer ab 14 Jahren dabei ist, die in die Aufgabe reinwachsen können.

Der Plochinger Gemeinderat möchte grundsätzlich die Stadtranderholung auf dem Pfostenberg erhalten und hat die Verwaltung beauftragt, eine Lösung zu suchen. Die ist aus Michael Burbachs Sicht klar: „Dann muss man das eben weiterentwickeln und richtig Geld in die Hand nehmen“, sagt er. Vieles könne man heute einfach nicht mehr so locker handhaben, wie man das früher getan habe.

Für heiße Tage wird ein Pool aufgestellt

Gartendusche
 Das „zentrale Sommerferienprogramm“ in Plochingen findet in den ersten beiden Augustwoche im Bereich der Stadthalle und des Jugendzentrums statt. Für heiße Tage sind ein Pool und eine Gartendusche aufgebaut, außerdem gibt es ein Trampolin, ein Mini-Fußballfeld und das Spielmobil ist vor Ort.

Stadthalle
Bei entsprechendem Wetter könne man, so Burbach, die Stadthalle nutzen. Gegessen wird im ehemaligen „Käsloible“, in dessen Küche erstmals selbst gekocht wird. Im Garten und in Räumen des Jugendhauses sind verschiedene Werkstätten geplant.

Bürgermeister
Er wünsche den Kindern viel Spaß, sagt Plochingens Bürgermeister Frank Buß, und den Organisatoren, dass ihr Programm Akzeptanz in der Stadt finde.

Angebote
Auch andere Plochinger Einrichtungen machen in den Sommerferien Angebote: „Die Farm“ bietet Sonderöffnungszeiten, außerdem ein Programm der Erziehungshilfestelle und ihr eigenes Sommerferienprogramm am Ende der Ferien. Der Place2B in den Lettenäckern hat geöffnet. Auch der CVJM Plochingen stellt zwei Wochen lang ein Ferienprogramm auf die Beine.