Immobilienprofi Joachim Ebner wollte bereits vor einem Vierteljahrhundert jenes Gelände entwickeln, auf dem er jetzt den Tower-Rohbau zu Ende führen soll.
Wenn’s mal wieder länger dauert – dann hilft, getreu der Werbung vergangener Zeiten, erst mal der Biss in den Schokoriegel. Oder man verfügt über eine Eselsgeduld, sitzt die Verzögerung einfach aus – und kommt, schwuppdiwupp, 22 Jahre danach irgendwie doch ans Ziel. So wie Joachim Ebner bei der „Bespielung“ des einstigen Fromm-Areals im Fellbacher Osten (Rems-Murr-Kreis) , auf dem mittlerweile der Rohbau des bundesweit bekannten Schwabenlandtowers steht.
Anfang des Jahrtausends war es nämlich, als der Immobilienfachmann schon mal ein Auge auf das Gebiet an der Friedrich-List-Straße, Ecke Schorndorfer Straße geworfen hatte. Wie der Blick ins Archiv unserer Zeitung offenbart, wurde damals kräftig gehirnt, wie man die offenbar nicht in den Griff zu kriegende Problemlage, weithin bekannt als „Fellbacher Schandfleck“, in eine tragfähige Zukunft führen könnte.
„Schandfleck“ am Fellbacher Ortsrand
Schon damals gab es eine Bauruine, weil Investoren das Geld ausging herrschte Stillstand auf dem Gelände. So schrieb 2002 der damalige Fellbacher Redaktionsleiters Lothar Putschky: „Seit etwa zehn Jahren dümpelt die Fromm-Ruine am Rande der alten B 14 am Ortsrand Fellbachs vor sich hin. Sie ist kein Aushängeschild für die Stadt. Angestrebte Firmenansiedlungen scheiterten schon zu Zeiten des ehemaligen Firmenchefs Ferdinand Fromm mehrmals am Veto der Stadt.“
Das erst nach vielen Anläufen genehmigte Hotelprojekt „Le Village“ konnte nicht realisiert werden, da dem Investor das Geld ausging – Ähnlichkeiten zur jüngeren Vergangenheit sind ebenso zu- wie auffällig. Das Ergebnis vor drei Jahrzehnten erinnert ebenfalls an die jetzige Situation: „Die Arbeiten wurden eingestellt, es blieben eine Bauruine und ein inzwischen ramponiertes ehemaliges Fabrikgebäude“, so der Artikel von Dezember 2002 in der Fellbacher Zeitung.
Nach dem Konkurs der Firma wurde das Fromm-Areal versteigert – ohne dass es irgendwie voranging auf dem Areal. Die Bauruine aus Beton kam immer weiter runter, wurde von Rattenkolonien als Domizil genutzt, gelegentlich übten Rettungskräfte Einsätze in der Weltuntergangskulisse.
Schon damals versuchte sich Joachim Ebner an der Rettung des Fromm-Areals. Er habe eine Studie ausgearbeitet, wie die Bebauung des Fromm-Geländes unter Nutzung der bestehenden Tiefgarage aussehen könnte, sagte der Immobilienkaufmann der Lokalzeitung. Auf der Grundlage einer zwei- bis dreigeschossigen Bebauung habe er bereits einen Investor an der Hand.
Die Firma Ebner und Bürkle verhandle mit einem Hotelbau-Interessenten, hieß in einem der damaligen Artikel. Mit den Grundeigentümern und dem Besitzer der ebenfalls auf dem Gelände stehenden türkischen Veranstaltungshalle Efsane sei er einig, so Ebner damals. Entsprechende Verträge seien unterschriftsreif. Was fehle, sei die Zustimmung der Fellbacher Stadtverwaltung. Diese habe ihm allerdings mitgeteilt, dass sie mit einem weiteren Interessenten im Gespräch sei.
2003 wurde Ebner ausgebremst
Schon in den Jahren davor hatte Ebner sich bemüht, auf dem Fromm-Areal ein Pflegeheim, später dann einen Aldi-Markt und einen Getränkemarkt anzusiedeln. Auch diese Ambitionen, so berichtete die Fellbacher Zeitung im Juni 2003, „wurden von der Stadtverwaltung bereits im Vorfeld abgeschmettert“.
Letztlich kam Ebner also mit seinen Ideen und Vorschlägen auf dem Fromm-Areal nicht zum Zug. Das Objekt sei im Zuge einer Versteigerung in andere Hände gegangen, erläutert Joachim Ebner selbst. Doch das Schicksal lässt sich manchmal viel Zeit und wählt erstaunliche Wege – und so wird der seinerzeit nicht erfolgreiche Immobilienmakler zweieinhalb Jahrzehnte später hoffentlich zu jenem Retter des Towers, auf den man in Fellbach schon gar nicht mehr zu hoffen wagte.