Felix Brych steht unter Strom – hier im Bundesliga-Spiel des VfB Stuttgart (Wataru Endo/li., Enzo Millot) gegen den VfL Wolfsburg im März 2023. Foto: Baumann

Felix Brych (48) pfeift das Duell zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart: Es ist die 344. Bundesliga-Partie des Schiedsrichters, der viele denkwürdige Auftritte hatte.

Felix Brych hat schon einige denkwürdige Spiele des VfB Stuttgart gepfiffen, eines davon wird er sicherlich nie vergessen: Im August 2007 siegte der Bundesligist durch zwei Elfmetertore von Roberto Hilbert in der ersten Pokal-Runde beim SV Wehen Wiesbaden mit 2:1, der Schiedsrichter verteilte sechs Gelbe, eine Gelb-Rote und drei Rote Karten, unter anderem für die VfB-Innenverteidiger Gledson und Fernando Meira – es ist bis heute der persönliche Strafenrekord von Brych, der an diesem Samstag eine weitere Bestmarke erreichen wird. Und wieder ist der VfB mit im Spiel.

Der Unparteiische aus München leitet die Partie des Tabellendritten bei Eintracht Frankfurt (18.30 Uhr). Es ist der 344. Bundesliga-Auftritt von Felix Brych (48), der damit Wolfgang Stark einholt – und schon bald einen Rekord für die Ewigkeit aufstellen wird. Meint zumindest die bisherige Nummer eins. „Die Zahl von Felix“, sagt Wolfgang Stark (54), „wird kein anderer Schiedsrichter mehr erreichen.“ Was Brych nicht groß stören würde: „Der Rekord hat für mich eine große Bedeutung. Denn besonders stolz bin ich in meiner Karriere auf die Langlebigkeit.“

Premiere vor mehr als 19 Jahren

Den ersten Auftritt in der Bundesliga hatte Felix Brych am 28. August 2004 im Berliner Olympiastadion, beim Duell zwischen Hertha BSC und dem FSV Mainz 05 (1:1) standen unter anderem Fredi Bobic sowie die heutigen Profitrainer Niko Kovac, Marco Rose und Pal Dardai auf dem Platz. Seither? Hat sich nicht nur der Fußball verändert, sondern auch der Blick von Felix Brych auf sich selbst. „Das erste Spiel ist für mich das Allergrößte gewesen. Ich war im Fernsehen, habe mich sehr bedeutsam gefühlt“, sagt der promovierte Jurist, der für den Bayerischen Fußball-Verband arbeitet, „heute sehe ich mich ganz entspannt als Teil der Bundesliga. Es geht für mich nicht mehr so sehr um meine Person, sondern darum, das Spiel für die Mannschaften gut zu leiten.“ Ohne Ehrgeiz geht es trotzdem nicht.

Knut Kircher (54/Rottenburg), mit 244 Spielen Siebter der Bestenliste und heute als Beobachter in der Bundesliga unterwegs, fand schon immer die Zielstrebigkeit des früheren Kollegen besonders bemerkenswert. „Felix Brych war der Erste von uns, der die Schiedsrichterei sehr professionell angegangen ist und dies bis heute noch tut“, sagt Kircher, „er hatte schon immer eine enorme Fitness, die ihm eine gute Positionierung auf dem Platz ermöglicht, und er war immer konsequent beim Treffen von Entscheidungen. Im Lauf der Jahre hat er zudem an Empathie und Nahbarkeit hinzugewonnen, das steht ihm bei der Art, wie er auf dem Feld Entscheidungen vermittelt, sehr gut zu Gesicht.“ Dazu kommt, das liegt in der Natur der Sache, eine enorme Erfahrung.

Fünf Spiele bei einer EM – auch das ist ein Rekord

Felix Brych hat als Münchner zwar nie ein Pflichtspiel des FC Bayern pfeifen dürfen, in seiner Karriere aber trotzdem viel erlebt. Er war international lange unumstritten der deutsche Topmann, bei der EM 2021 leitete er fünf Spiele, das hatte es zuvor noch nie gegeben. Brych war bei zwei WM-Turnieren, Olympischen Spielen und etlichen Finalduellen im Einsatz, er schaute beim berühmten Phantomtor von Stefan Kießling, dessen Kopfball durch ein Loch im Netz ging, nicht richtig hin, er gab die schnellste Rote Karte der Bundesliga (nach 87 Sekunden für den Kölner Youssef Mohamad) und behielt die Ruhe, als zuletzt in Augsburg ein Feuerwerkskörper nahe der Eckfahne explodierte. Einen besonders hohen Stellenwert genießt Brych, der in Deutschland sechsmal als Unparteiischer des Jahres ausgezeichnet wurde, bei der International Federation of Football for History & Statistics (IFFHS). Die IFFHS ernannte ihn nicht nur zweimal zum Weltschiedsrichter, für sie ist Felix Brych hinter dem Italiener Pierluigi Collina und Markus Merk, Zahnmediziner aus Kaiserslautern, auch der drittbeste Pfeifenmann der Fußballgeschichte. Mehr geht kaum. Oder doch?

Weil Ex-Kollege Manuel Gräfe vor Gericht erstritten hat, dass die Altersbeschränkung für Bundesliga-Schiedsrichter aufgehoben wird, muss Brych noch nicht über das Ende seiner Laufbahn nachdenken. Körperlich und mental fühlt er sich fit genug, über die nötige Resilienz verfügt er schon lange, über genügend Ehrgeiz ebenfalls. Deshalb gibt es Experten, die ihm zutrauen, als erster Unparteiischer auch noch nach dem 50. Geburtstag Spiele im deutschen Oberhaus zu leiten. „Ich kann mir das sehr gut vorstellen“, sagt Knut Kircher, „auf jeden Fall hat er es sich verdient, den Zeitpunkt seines Abschieds selbst bestimmen zu dürfen.“ Vielleicht ist dann ja erneut der VfB Stuttgart mit im Spiel.

Rekord-Schiedsrichter

Meiste Einsätze in der Fußball-Bundesliga

344 Spiele: Wolfgang Stark (Ergolding)343 Spiele: Felix Brych (München)338 Spiele: Markus Merk (Otterbach)289 Spiele: Manuel Gräfe (Berlin)287 Spiele: Florian Meyer (Burgdorf)247 Spiele: Herbert Fandel (Kyllburg)244 Spiele: Knut Kircher (Rottenburg)240 Spiele: Hellmut Krug (Gelsenkirchen)238 Spiele: Michael Weiner (Hasede)224 Spiele: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Karriere-Höhepunkte von Felix Brych
Turniere
Olympische Sommerspiele 2012Konföderationen-Pokal 2013Weltmeisterschaften 2014, 2018Europameisterschaften 2016, 2021Club-WM 2017 Endspiele
Europa League 2014DFB-Pokal 2015, 2021 Champions League 2017 Auszeichnungen
Deutschlands bester Schiedsrichter 2013, 2015, 2016, 2018, 2021, 2023Weltschiedsrichter 2017, 2021

Die VfB-Bilanz von Felix Brych in der Bundesliga
58 Spiele (keinen Club hat er öfter gepfiffen) 106 Gelbe, zwei Gelb-Rote und sechs Rote Karten für VfB-Profis18 VfB-Siege, 16 Remis, 24 Niederlagen