Das Redaktionsteam „Junges Forum & Kulturgeschichte Neuhausen“ mit ihrem Mentor Markus Dewald (Dritter von rechts). Foto: Petra Bail - Petra Bail

Schüler und ehemalige Schüler des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim haben mit Unterstützung die Vor- und Frühgeschichte Neuhausens aufgearbeitet. Jetzt wurde die Publikation vorgestellt.

NeuhausenMit Band 3 der „Edition Kulturgeschichte“ hat sich das Redaktionsteam „Junges Forum & Kulturgeschichte Neuhausen“ bei den Forschungen der lokalen Kulturgeschichte der Gemeinde und deren Aufarbeitung in neue Dimensionen vorgewagt. Sechs Schüler und ehemalige Schüler des Paracelsus-Gymnasiums-Hohenheim haben gemeinsam mit ihrem Mentor Markus Dewald die Vor- und Frühgeschichte des Ortes auf den Fildern aufgearbeitet. Jetzt wurde die knapp 240 Seiten umfassende Publikation mit Aufsätzen namhafter Autoren im Rahmen einer kleinen Feier im katholischen Gemeindehaus in Neuhausen vorgestellt.

Der dritte Band umfasst eine große historische Epoche vom 9. Jahrtausend vor Christus bis Mitte des 12. Jahrhunderts. Der erste Band mit Studien zu ikonografischen und kartografischen Quellen erschien vor zwei Jahren, Band 2, der 2018 folgte, befasst sich mit angesehenen Persönlichkeiten aus Neuhausen. Für den jüngsten Band sind die Autoren in den Untergrund gegangen, denn die wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen in tieferen Bodenschichten verborgen. Nur durch Ausgrabungen und Zufallsfunde kommen Keramik, Metall, Holz, Steinartefakte, Siedlungen, Grabhügel und Wohnanlagen zum Vorschein. Was das bedeutet, erläuterte Dorothee Brenner vom Landesamt für Denkmalpflege in ihrem Vortrag. Interessant, der Hinweis, dass die Dokumentation der Funde vom jeweiligen Bauherrn bezahlt werden muss. „Das kann teuer werden“, so die Gebietsreferentin. Da streikt natürlich die Schwabenseele, weiß auch Markus Dewald. Die Kosten werden dann gerne auf den Grundstückspreis draufgeschlagen. Derzeit finden in der Klosterstraße Ausgrabungen statt. Zu den Funden schweigt sich die Expertin aus. Die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Obwohl die archäologische Denkmalpflege ein umstrittenes Thema sei, betont Brenner: „Der Auftrag ist die Erhaltung“.

Nun haben Redaktionsteam und Autoren in insgesamt sechs Beiträgen nicht nur genauere Erkenntnisse zu den einzelnen Epochen der Frühzeit ermöglicht, sondern auch ein Bild vermittelt, wie Menschen damals gelebt haben. Dafür wurden auch die umliegenden Gemarkungen genau beleuchtet. In der Einleitung unternimmt Dieter Planck, ehemaliger Präsident des Landesdenkmalamts, einen Streifzug durch die archäologischen Forschungen seit Ende des 18. Jahrhunderts.

Jörg Bofinger, Referatsleiter am Landesamt für Denkmalpflege, widmete sich der Mittelsteinzeit und verschafft den Lesern einen Eindruck, wie Siedlungen damals ausgesehen haben könnten. Die Grabungen im Horber Wald wurden 1966 von dem inzwischen verstorbenen Eduard M. Neuffer geleitet. Dieser Forschungsbericht sowie der über die Bodensondierung im Sauhag finden sich im Band. Das Dorf und Kastell Grinario in Köngen sind von überregionaler Bedeutung und sie geben auch Aufschluss über römische Siedlungsspuren in Neuhausen. In seinem Beitrag stellt Martin Luik die Aufgaben von Dorf und Kastell vor. Das Waldhauser Schloss ist Gegenstand der Forschungen von Martin Luik und Dieter Müller. Einen Streifzug durch die Siedlungsgeschichte vom 7. bis ins 12. Jahrhundert haben Markus Dewald und der ehrenamtliche Beauftrage des Landesamts für Denkmalpflege, Martin Hoch, unternommen. Der letzte Aufsatz stammt von den Redaktionsmitgliedern Tobias Maier und Felix Ziemann, die sich gemeinsam den archäologischen Wanderweg vorgenommen haben und keltische und römische Funde im Sauhag sowie im Horber Wald vorstellen.

In dem jungen Team um Markus Dewald ist Stefanie Krüger das einzig weibliche Mitglied und nach wie vor begeistert von dieser besonderen Freizeitbeschäftigung. „Das Thema ist spannend“, sagt die 18-Jährige, die inzwischen Ethnologie studiert. Sie wohnt in der Nähe des Keltengrabs und sagt: „Man denkt nicht, dass da solche Schätze schlummern.“

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