Ehrliche Kommunikation ist für Freelancer die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Foto: dpa-tmn/Giorgio Fochesato - dpa-tmn/Giorgio Fochesato

Sich unvorbereitet selbstständig machen, kann eigentlich nur schiefgehen. Wer bestimmte Grundregeln befolgt, entgeht aber den größten Fallstricken.

München/NürnbergDas Leben als Freelancer stellt sich so mancher viel schöner vor als das Angestelltenverhältnis. Als Illustrator, Gestalter oder Programmierer etwa hat man ja alle Freiheiten, oder? Zu Hause in Jogginghose gemütlich ein paar Aufträge bearbeiten, dann mit Freunden zum Kaffee treffen und zu Feierabend noch ein paar Mails beantworten. Wer sich als Freiberufler behaupten will, muss aber sich und seinen Arbeitsalltag besonders gut organisieren. Diese Punkte sollten Freelancer dabei beachten:

Nur mit Konzept und Businessplan

Vor dem Leben als Freelancer heißt es erst einmal: eine Geschäftsidee entwickeln und einen Business-Plan erstellen. Grundlegende Fragen sind etwa: Gibt es eine Nachfrage? Habe ich mit meiner Geschäftsidee ein Alleinstellungsmerkmal, oder gibt es Mitbewerber? Welche finanziellen Investitionen muss ich tätigen, um meine Pläne realisieren zu können – und wie komme ich an das Geld?

Sowohl Geschäftsidee wie auch Business-Plan sollten mit einem Gründungsberater diskutiert werden. „So kann ich Feedback erhalten, ob die eigene Geschäftsidee tatsächlich tragfähig ist“, sagt Andreas Lutz. Er ist Vorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) mit Sitz in München. In vielen Bundesländern wird eine Gründungsberatung bezuschusst. Wer Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, kann einen Gründungszuschuss beantragen.

Geld im Blick behalten

Wer sich selbstständig macht, benötigt in aller Regel in der Anfangsphase Geld. Kapitalgeber können zum Beispiel Banken sein. Grundlage für das Gespräch mit einem Bankberater ist ein Finanzplan, in dem angehende Selbstständige detailliert ihre voraussichtlichen Einnahmen und Ausgaben sowie ihren Finanzbedarf auflisten. „Oft bietet es sich an, erst einmal im Nebenerwerb mit der Selbstständigkeit zu starten“, rät Hamid Rezai vom Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Für Selbstständige kann es Sinn machen, neben einem privaten Girokonto auch ein Geschäftskonto einzurichten. Darauf sollte sich eine größere Summe befinden – mindestens drei der im Businessplan kalkulierten Monatsnettoverdienste. Der Grund: „Man muss immer damit rechnen, dass der Kunde nicht sofort zahlt“, sagt Sebastian Baum vom Fachverband Gründung, Entwicklung und Nachfolge im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Auch im Fall einer Auftragsflaute ist es gut, wenn Selbstständige über finanzielle Reserven verfügen, um ihre Unkosten zu bestreiten.

Rechtzeitig Auftraggeber suchen

„Mit der Akquise von Aufträgen sollte so früh wie möglich begonnen werden“, rät Lutz. Nicht selten sei der letzte Arbeitgeber der erste größere Auftraggeber. In einem solchen Fall heißt es aber: Aufpassen und sich noch weitere Auftraggeber ins Boot holen. Sonst könnte ein Gründer auf Dauer als arbeitnehmerähnlich und damit scheinselbstständig gelten.

Um Auftraggeber zu finden, kann es hilfreich sein, Branchenveranstaltungen zu besuchen und auf Messen zu gehen. „Ein Vorteil ist auch, wenn Selbstständige über ein großes Netzwerk verfügen“, sagt Rezai. Ebenfalls wichtig ist ein eigener Online-Auftritt, um für potenzielle Kunden auffindbar zu sein. „Für einige Berufe gibt es auch Plattformen im Internet, über die Aufträge akquiriert werden können“, so Rezai.

Fristen halten und keine Ausreden

„Eine To-do-Liste für jeden Tag, welche Vorhaben konkret Priorität haben und welche nur bei einem Zeitüberhang angegangen werden, ist das A und O für jeden Selbstständigen“, erklärt Baum.

Zeichnet sich ab, dass sich die Abgabe oder Fertigstellung eines Projekts verzögert und damit Terminabsprachen mit dem Kunden nicht eingehalten werden können, sollten Selbstständige umgehend handeln. Sie können zum Beispiel prüfen, ob mit Überstunden, zusätzlicher Wochenendarbeit oder mit Unterstützung von befreundeten Kollegen eventuell doch noch eine fristgerechte Abgabe oder Fertigstellung möglich ist.

Eine andere Option: Dem Kunden so früh wie möglich Bescheid sagen, dass man einige Zeit länger braucht als geplant. Dabei sollte man durchaus ehrlich die Gründe für die Verspätung benennen. „Allzu oft sollte man allerdings fest vereinbarte Abgabe- oder Fertigstellungstermine nicht verschieben“, rät Baum. Sonst wirkt ein Selbstständiger schnell unglaubwürdig und unseriös – und verliert so vielleicht einen wichtigen Auftraggeber.

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