Der Triumph des FC Bayern ist vor allem das Verdienst des anfangs unterschätzten Trainers Hansi Flick. Mit dem Sieg im Finale der Champions League ist Bayern München das Maß aller Fußballdinge in Europa, meint unser Redakteur Carlos Ubina.
Stuttgart - In der Stunde des Triumphs ist Hansi Flick ganz bei sich geblieben. Klar, er hat nach dem Sieg des FC Bayern im Finale der Champions League gegen Paris St. Germain ausgelassen gejubelt. Großspurige Gesten waren jedoch nicht zu sehen, und große Reden schwingt der 55-jährige Fußballlehrer ohnehin nicht. Das passt nicht zu Hans-Dieter Flick. Er ist ein bescheidener Typ mit viel Sachverstand, der dabei genau weiß, was er will.
Auf diese Weise hat er die Münchner auf den Gipfel geführt. Viele Fachleute hatten Flick genau diese Mission nicht zugetraut, als er im vergangenen November das Amt von Niko Kovac übernahm. Der ursprüngliche Co-Trainer wurde von Zweifeln begleitet und galt selbst den Bayern-Granden anfangs nur als Interimslösung. Sie suchten einen Chefcoach mit großem Namen, der eine neue Epoche begründen sollte – in der Tradition der jüngeren Vergangenheit, als Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola den bayerischen Stil prägten.
Den Gegner vom Platz gefegt
Gefunden wurde schließlich in Hansi Flick ein Trainer, der dem deutschen Rekordmeister zunächst Siege bringen sollte, damit die Verantwortlichen Zeit für das weitere Vorgehen gewinnen konnten. Flicks Team hat aber einfach nicht aufgehört, die Gegner vom Platz zu fegen. Denn der vermeintliche ewige Assistent von Bundestrainer Joachim Löw hat der Mannschaft wieder Struktur gegeben und die Stars hinter einer Spielidee vereint.
Nun hat der FC Bayern 21 Pflichtpartien hintereinander gewonnen – das ist nicht nur ein deutscher Bestwert, sondern vor allem Ausdruck eines vollzogenen Wandels innerhalb der Mannschaft. Ältere Spieler wie Thomas Müller sind mit neuem Selbstvertrauen über die Felder gestürmt. Dabei schienen sie im vergangenen Herbst bereits auf dem Weg auf das Abstellgleis. Jetzt hat gerade Müller die Münchner von innen heraus gepusht.
Hohe Kunst der Mannschaftsführung
Die hohe Kunst in Flicks Mannschaftsführung war es jedoch, der nachfolgenden Generation um Joshua Kimmich gleichzeitig genug Bedeutung in der Teamhierarchie einzuräumen, damit sie sich weiterentwickelt. Zusammen genommen hat das eine Einheit ergeben, der in den Finaltagen von Lissabon kein Gegner gewachsen war. Der FC Barcelona nicht, Olympique Lyon nicht und auch nicht Paris St. Germain – der FC Bayern ist wieder das Maß aller Fußballdinge in Europa.