Die Böllerschüsse aus der Konfettikanone gehören beim Fellbacher Rathaussturm dazu – doch bei den großen Umzügen sollen die bunten Schnipsel außen vor bleiben. Das sind die Gründe.
Sie wird wieder in Position gerückt: Die Konfettikanone beim Fellbacher Rathaussturm am Schmotzigen Donnerstag. Sie wird wieder lautstark den Startschuss für den Machtwechsel in der Verwaltungshochburg abgeben. Am heutigen 27. Februar von 12 Uhr an blasen die Weingeister des Fellbacher Carneval Clubs (FCC) zum großen Sturm. Die Konfettikanone ist selbst gemacht und wird aus dem Lager des FCC-Vereinsheims für die große Sause herausgeholt.
Jürgen Sperr, Sanitär-, Gas- und Wasserinstallateur aus Rommelshausen, hat sie in der eigenen Werkstatt konstruiert, kennt das Teil ganz genau und weiß, was zu tun ist, dass sie die Verwaltungstrutzburg kräftig befeuert. Aber auch Fellbachs Oberbürgermeisterin Gabriele Zull kann zurückböllern: Sie bietet mit einer anderen Konfettikanone Paroli, die dem Rathaus vom FCC vermacht wurde, wie Martin Thaler, der Pressereferent des Vereins, sagt. Gebaut hat diese der Fellbacher Flaschner Heinz Baum, der im vergangenen Herbst verstorben ist.
In der Halle und beim Rathaussturm fliegt der Konfettiregen
Wenn der große Sturm im Rathausinnenhof vorbei ist, sammelt die Kehrmaschine die bunten Schnipsel wieder ein. Der Rathausinnenhof ist eine überschaubare Fläche. Ganz anders würde es bei einem großen Umzug quer durch die Stadt aussehen, sagt Martin Thaler. Daher seien beim Jubiläumsfastnachtsumzug Anfang Februar wie auch bei früheren Umzügen Konfetti untersagt. „Die Papierschnipsel quellen auf und verstopfen den Kanal“, sagt Martin Thaler über die Gründe. Fünf, sechs Gruppen hätten beim Jubiläumsumzug des FCC vor Kurzem zwar Konfetti dabei gehabt, durften dieses dann aber erst bei der Narrenparty in der Alten Kelter in die Menge werfen.
„In der Halle ist das etwas anderes“, sagt Thaler. Und auch beim Kinderfasching in der Alten Kelter wird Konfetti geworfen. Der Kinderfasching ist so beliebt, dass er bereits ausverkauft ist, sagt Thaler.
Hier in der Region gebe es einige Gemeinden und Städte, die Konfetti nicht erlauben oder es möglichst außen vor lassen möchten, so Thaler. Auch in Waiblingen sind die bunten Schnipsel beim großen Fastnachtsumzug nicht erwünscht, sagt Jörg Knöllinger, der Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft. Gemeinsam mit der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft stemmen sie den Umzug am Samstag, 1. März, zu dem rund 10 000 Besucher erwartet werden. Wenn die Papierschnipsel verklumpten, könnten sich in den Rohrleitungen Verstopfungen bilden. Hinzu komme, dass sie sich in den Fugen des Kopfsteinpflasters festsetzten und die Reinigung aufwendig sei. Vor allem, wenn die Schnipsel massenhaft gestreut würden, sei das ein Problem. Daher gelte der Appell in Waiblingen beim Umzug: Auf das Konfetti bitte zu verzichten.
Der Aufwand der Reinigung mit dem Altstadtpflaster wäre zu hoch
Ganz anders würde es bei der Fastnacht in der Schweiz aussehen. „Da steht man teils knietief im Konfetti“, sagt Knöllinger. Das sei aber eine andere Konfetti-Variante, die entsprechend teurer sei. Auch beim Murrhardter Nachtumzug am 1. März sind die kleinen Schnipsel nicht erlaubt. Das sei schon seit einigen Jahren Usus, sagt Diana Spreu. Sie ist mit ihrem Bruder und Zunftmeister Matthias Schlichenmaier im Vorstand der Narrenzunft Murreder Henderwäldler und Zunftmeisterin. Der Aufwand der Reinigung mit dem Pflaster in der Murrhardter Altstadt sei sonst einfach sehr hoch.
Dass bei Umzügen auf Konfetti verzichtet werde, sei inzwischen fast Standard. Man könne es bei jenen Straßenumzügen erleben, wo es noch erlaubt sei, dass dann fast jeder Konfetti dabei habe und es massenweise durch die Luft wirbeln würde.
Die Sicherheitsvorkehrungen wurden beim Fasnetsumzug erhöht
Übrigens wurden die Sicherheitsvorkehrungen beim Murrhardter Nachtumzug nochmals nach dem Anschlag in Aschaffenburg Anfang dieses Jahres verschärft. Statt bisher drei Bauhoffahrzeugen würden nun sechs Fahrzeuge die große Zufahrt absperren. Auch in Waiblingen sei die Sicherheit hochgefahren worden, sagt Jörg Knöllinger. In anderen Gemeinden sei eigens eine externe Firma beauftragt worden, um für den Umzug ein Sicherheitskonzept zu erstellen. Das bedeute dann hohe zusätzliche Kosten. Knöllinger macht deutlich, dass die Stadt den Faschingsumzug, der nach dem Altstadtfest die größte Veranstaltung in Waiblingen ist, gut unterstütze. Doch es sei einiges zu stemmen – und daher hofft er auf das Verständnis der Besucher für den „Narrenbonus“ von drei Euro.
Laut dem Narrenlexikon (www.narrenlexikon.de.) entstehen die bunten Papierschnipsel als Abfallprodukt der Papierindustrie oder werden mit Stanzmaschinen angefertigt. Auf Umzügen wird spezielles Konfetti aus Folie oder Seidenpapier geworfen. Dieses habe den Vorteil, länger in der Luft zu schweben. Diese Schnipsel würden auch einige Nachteile mit sich bringen. Sie sorgten nicht nur für Mehrarbeit bei den Reinigungsarbeiten, sondern sie führten auch zu Verfärbungen und erhöhten die Rutschgefahr. Der Begriff Konfetti leitet sich vom italienischen Wort „confetti“ für Zuckerzeug ab. Hintergrund ist der einstige venezianische Faschingsbrauch, sich mit Konfekt und anderen Süßigkeiten zu bewerfen.
Dass die gute Laune offenbar nicht von der Masse an Konfetti abhängt, das zeigte sich jedenfalls beim Jubiläumsumzug in Fellbach. „Es war eine tolle Stimmung, und wir bekamen eine ganz tolle Resonanz“, sagt Fasnetsfan und FCC-Sprecher Martin Thaler.
Rathaussturm und Faschingsumzug
Termine
Der Rathaussturm in Fellbach steigt am Donnerstag, 27. Februar, um 12 Uhr. Am 28. Februar ist das FCC Buttenrennen an der Neuen Kelter in Fellbach. Der