Pyramidenkunst: Die Renninger Schdoibruch Hexa sind wieder voll in ihrem Element.                                                                                                                                                                                       Foto: Heinz Heiss Foto

Mit viel Krawall und Remmidemmi starten die Hexen in die fünfte Jahreszeit. Die Täuflinge müssen dabei ganz viel Mut beweisen.

Kaum sind die lieblichen Weihnachtsklänge verhallt, starten lautstarke Guggenmusik und fetzige Schlachtrufe: Es geht wieder los mit der Schwäbischen Fasnet. Den Auftakt machten am Sonntag die Renninger Schdoibruch Hexa, die Flachter Strudelbachhexen und die Gebersheimer Leicha-Hexa. Viele Zünfte folgten am 6. Januar traditionell in die Saison, darunter die Masken des FFC Gerlingen, die Gumpa-Hexa aus Rutesheim, die Warmbronner Beerlesklopfer, die 1. Narrenzunft Renningen, und auch die Leonberger Waldhexen und die Ditzinger Glemshexen tanzten zum Auftakt um den Hexenkessel.

Eklige Mutproben sind ein Muss

Es ist bekannt, dass die Taufen der Häs- und Maskenträger in der Fasnet mit reichlich ekligen Mutproben verbunden sind. Auf die Spitze trieben es die Renninger Schdoibruch Hexa vor großem Publikum auf dem Parkplatz der Mediathek. Heuschrecke am Spieß war dabei noch der harmloseste Snack für die drei Anwärter Tobi, Marvin und Janine. Ihr Lohn nach all der Mühe ist die Schärpe der Azubi-Hexen, die sie nun ein Jahr tragen dürfen. So lange dauert die Probezeit einer Schdoibruch Hex. Für die Besucher gab es dagegen reichlich leckere Würste vom Grill bei Lagerfeuerromantik. Doch auch das Publikum sollte nicht zu kurz kommen in Sachen Ekel-Snacks, wer wollte durfte probieren: Wackelpudding mit Sauerkrautsaft und Grillen kam nicht so gut an, aber die herumgereichten Heuschrecken am Spieß waren sehr beliebt. „Aber erst die Flügel abmachen“, riet die oberste Hexenmeisterin Alexandra Groth den Gästen.

Nach dem offiziellen Maskenabstauben per Staubwedel durch Hexenmeisterin Alex durften drei weitere Anwärterinnen nach ihrer Probezeit ihre Azubi-Schärpe ablegen und wurden nach einer Taufe in einem Ekel-Bottich zu echten Schdoibruch Hexa ernannt. Endlich dürfen sie Häs und Maske anlegen. „Bruchschdoi, Bruchschdoi!“ rufen sie jetzt mit ihrer Maske, das Gesicht ist zu einer Fratze erstarrt, die riesige Hakennase hat reichlich Warzen, die langen Rosshaare hängen ihnen ins Gesicht, die Gesichtshaut ist ein wahrer Steinbruch. Der Name der 2018 gegründeten Renninger Hexenzunft ist Programm. Vervollständigt wird das Häs mit einer hellgrauen Steinschürze und einer gehäkelten gelben Stola.

Nichts für Zartbesaitete: Die Gebersheimer Leicha-Hexa kennen keine Gnade mit ihren Täuflingen Foto: Heinz Heiss Fotojournalismus

Wer sich auf die Ekel-Taufe einlässt, der weiß was auf ihn zukommt, der hat es sich reichlich überlegt. Denn auch der Kauf der handgeschnitzten Maske und des Häs ist keine Kleinigkeit. „Rund 1500 Euro muss man für alles zusammen schon rechnen“, erklärt Alexandra Groth. „Das ist sozusagen auch eine Prüfung, ob das jemandem die Aufnahme wert ist.“ Ihr ist es wichtig, mit der Maske in einer andere Rolle zu schlüpfen und den Alltag zu vergessen. „Wir wollen Spaß haben, das ist das Wichtigste.“ Die Renninger Schdoibruch Hexa sind ein kleiner Verein, in dem es, anders als es die gruselige Taufe erwarten lassen würde, sehr familiär zugeht. Viele Familien gehören zum Hexenkreis und auch unter den Gästen an diesem Abend sind zahlreiche Eltern mit ihren Kindern.

Renningens Bürgermeisterin muss ihr Rathaus verteidigen

Auch bei den Flachter Strudelbachhexen wurde die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Die 120 Hexen starteten ihre Dorffasnet in der Festhalle ganz traditionell mit den Hochdorfer Fleggafetzern und den Schalmeien der Leonberger Feuerwehr. Erstmals mit dabei Lemmi Demmi, der Haus DJ und Entertainer der Flachter Profi Volleyballmannschaft. Mit zwölf Täuflingen können sie einen starken Mitgliederzuwachs verzeichnen. Außerdem gibt es sieben Anwärterinnen und Anwärter, die jetzt in ihre einjährige Hexen-Probezeit gehen.

Die Renninger Schlüsselgesellschaft ist am Wochenende mit zwei neuen Narren von der Maisenburg in den diesmal zehn Wochen langen Fasching gestartet. Für den Rathaussturm am 8. Februar konnten sie die neue Renninger Bürgermeisterin Melanie Hettmer gewinnen, die gleich zu Beginn ihrer Amtszeit das Rathaus verteidigen muss.

Zahlreiche weitere Termine stehen bei den Zünften in der Region auf dem Programm, darunter mit den Strudelbachhexen am 18. Januar die Hexanacht und am 27. Februar der Rathaussturm in Weissach. Am 11. Januar laden die Ditzingen Glemshexen zur Hexennacht ein und die Beerlesklopfer feiern am 18. Januar in Warmbronn ihre 30. Jubiläumsnacht.