Hoteldirektor Elbl und seine Belegschaft geben sich fröhlich und unschuldig. Am ende müssen sich doch Laugen-Wela verteilen. Foto: Roberto Bulgrin

Am ruaßigen Freitig wird der Wernauer Stadtrat vors Narrengericht gezerrt. Nach der Urteilsverkündung beginnt die Alemannische Nacht mit Hexentanz und Teufelsgebrüll.

Wernau - Als ob hinterm Quadrium ein Grandhotel von Weltruf entstünde! So führt sich der Gemeinderat auf. Zu Recht wurde die Ratsherren und Ratsdamen mitsamt ihrem Schultes vom Büttel vors Wernauer Narrengericht gezerrt. Vor den versammelten Bürgern wurde sie vor ihrem rostigen Beratungspalast zur Rechenschaft gezogen. „Ihr planed doch ohne Verstand – ond setzad de Wernauer ihr Geld en da Sand!“ So eröffnete Zunftmeister Marcel Reith die Klagelitanei.

Mit ihrer künftigen Rolle haben sich Ratsrunde und Bürgermeister offenbar schon voll identifiziert. Zylinder und Frack – schon fühlt sich Schultes Armin Elbl als Hoteldirektor und behauptet dreist: „I bee dr Hotelier, der rechna koo“. Und sein Portier, die Pagen und Zimmermädchen, der Koch und der Chauffeur, ja sogar der Gärtner halten reimend und singend zu ihm. Mehr oder weniger. Zimmermädchen Sabine Dack-Ommeln macht die größte Wette: „der Kerl isch meine Marionette!“

Parkplatz-Not – der Till versteht da keinen Spaß – „des isch der Verwaltungs-Tod“. Sie bräuchten nur mal nach Kirchheim rüber gucken, die oberschlauen Volksvertreter. Doch die fühlen sich ein Jahr nach Wahl fest im Sattel und singen frohgelaunt: „Dass die Planung halt nix taugt, Tschuldigung, das habt Ihr uns erlaubt, eo eoeo.“

Bei Hallenbad und Parkhaus gelten die Oberen schon als Wiederholungstäter. Kaum ist das Bad offen, sind schon Wartungsarbeiten fällig. Und das Parkhaus, so schimpft Ehrenzunftmeisterin Rita Zink, ist eine unendliche Geschichte. Schon wieder sind 600 000 Euro fällig. Vielleicht könne man es den Touristen als Millionengrab präsentieren- wenn man man schon nicht drin parken könne. Schuldgefühle? Von wegen, trotzig reimt Hoteldiener Gereon Trabold: „Da setztat mir Tourismussteuer no oba drauf!“

Da muss das Hohe Gericht schon mit den schwer wiegendsten Anklagepunkten kontern: Die Ampelschaltung an Alis Eck der Kirchheimer Straße, es wird immer schlimmer, funktionieren eure Gehirnzellen nimmer? Wenn einem Stadtrat nichts mehr einfällt, dann schiebt er die Schuld halt auf den Landrat.

So kommt eine Sünde nach der anderen zur Sprache. Die Dauerbaustelle in der Bergstraße, die knappen Kindergartenplätze der teure Sportpark, die gelben Säcke auf den Straßen und nicht zuletzt das fehlende Klo am Bahnhofsplatz. Da ist Rita gar nicht lovely, sondern wünscht der Ratsbagasche Dünnschiss und ein schwaches Bläsle, dass sie „sprengat wie’s Häsle“. Das fühlt sich Portier Jürgen ganz schön auf den Schlips getreten: „I benn an Haas ond han a Blaas“. Saubere Diagnose, Herr Doktor!

An einer Stelle scheint der Rat ratlos. Da gibt es in Wernaus Mitte ein Weible, das partout ihr Häusle nicht verkaufen will. „S’isch fast an Witz, dass so a alts Weible am längre Hebel sitzt“, freut sich Anklägerin Rita Zink. Zimmermädchen Birgit Gottwald gönnt der Frau das Haus und den neuen Drogeriemarkt dazu: „Jetzt kann se en de Hausschuh ihre Loggawickler hola“. Als das Hohe Gericht aber Verständnis für die Plochinger andeutet, die wollen Geld für die Sanierung des Gymnasiums, hört bei Pfeffers Uwe der Spaß auf: „Du narreder Advokat, wenn Ploching ed plana ko, ischs nedd onser Problem.“

Aber es kommt’s wie’s kommen muss. Wie jedes Jahr lassen die Fasnetsnarren die Narren auf dem Rathaus nochmal laufen: „Auf, auf‚ Ihr arme Seela, ganget onders Volk, verdoilet Wela. Ond send en Zukunft statt Schlawiner endlich echte Volkesdiener!“

Kaum ist das Urteil gesprochen, schon kommt des Spektakels gruseliger Teil. Vom Balkon des Alten Rathauses dröhnt das dreckige Lachen des Geesgass-Deifls. Das Signal für die Alemannische Nacht. Die Laichleshexen fahren mit der Oberhex im Käfig vors Quadrium. Sie tanzen mit ihren Besen ums funkenstiebende Feuer. Dramatische Musik und Donnergrollen lassen den Platz und die Besucher erbeben. Nur eines schaffen die meisten der Zuschauer noch: Das Handy zücken und alles auf Video festhalten. Selbst Hoteldirektor Elbl filmt das schaurige Schauspiel. Im kleinen Park am Hang spucken Flammenwerfer ihre Feuerbälle in die Nacht. Der Oberdeifl zündet bengalische Lichter auf dem Balkon und dann beginnen auch noch die Besen der Laichleshexen Funken zu sprühen. Der ruaßige Freitig hat seinen Höhepunkt erreicht. Oder? Wer weiß, was im Laufe der Nacht unter dem harmlosen Titel „Friends live“ noch alles in der Stadthalle passiert.

An diesem Samstag startet um 14 Uhr der Umzug. Mehr als 3000 Hästräger und Guggamusiker sind unterwegs.

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