Corona macht’s notwendig. Die Wernauer Narren weichen von den Straßen ins Internet aus. In der Fasnetshochburg wollen sie’s dennoch bunt treiben.

Wernau - Seit dem Jahr 2010 hat in Wernau mit dem traditionellen Dreiklang aus Krawattenfalten, Häsabstauben und Kneipentour am 6. Januar die närrische Zeit begonnen. Corona-bedingt wird die Eröffnung der schwäbisch-alemannischen Fasnetssaison heuer allerdings ebenso ausfallen wie alle anderen Veranstaltungen, die von den Wernauer Narren schon seit Jahrzehnten mit viel ehrenamtlichem Engagement für unzählige Besucher organisiert werden. Im Oktober hatte der Zunftrat dem bunten Treiben schweren Herzens eine Komplettabsage erteilt, nachdem lange darauf gehofft worden war, wenigstens noch eine „Fasnet light“ durchziehen zu können. Doch selbst das ließ die pandemische Realität einfach nicht zu.

Die Laichleshexa und die Geesgassdeifl, die Heckarutscher und die Baura, die Brotloibla und die Bodenbachsymphoniker – als ortseigene Guggamusik – wollten es dabei aber nicht bewenden lassen und so gibt es nun zumindest eine „Fasnet online“, um das angestammte und nicht minder lieb gewonnene Brauchtum hoch zu halten. Am nächsten Mittwoch beginnt also – termingerecht – die närrische Kampagne im Internet. „Uns war schnell bewusst, dass wir etwas machen wollen und so wurde im Zunftrat die Idee entwickelt, die Saison virtuell zu begehen“, sagt Marcel Reith, der Zunftmeister der Wernauer Narren. Schnell und unkompliziert hätten die Arbeitsgruppen Fasnet/Feste und Social Media/Öffentlichkeitsarbeit die Sache dann angepackt, ergänzt er.

„Uns ging es darum, ein Zeichen zu setzen, die Stadt zu beleben und die Fasnet für die Bevölkerung trotz Corona ein Stück weit erlebbar zu machen – alles natürlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygienemaßnahmen“, erklärt Toni Baumann, Leiter der Bodenbachsymphoniker und Kopf der Arbeitsgruppe Fasnet und Feste. Es sei zwar jammerschade, dass nichts in der gewohnten Form stattfinden könne, aber die Gesundheit der mehr als 550 Vereinsmitglieder, der Bürger sowie der Gäste gehe selbstverständlich vor, fügt er hinzu. Vom 6. Januar an bis Aschermittwoch am 17. Februar wird es daher bei Facebook und auf Instagram regelmäßige Posts mit historischen Rückblenden, interessanten Hintergrundinformationen und lustigen Anekdoten rund um die Fasnet in Wernau zu finden geben. „Wir werden versuchen, möglichst jeden Tag etwas zu posten“, betont der Pressesprecher der Wernauer Narren, Frederick Weiß. Das könnten mal Bilder, eine kurze Geschichte aber auch ein Video sein, fährt Toni Baumann fort. „Da ergibt sich aber bestimmt auch spontan noch das eine oder andere.“

Kurzfilme sind vom Schmotziga Doschdig an zu sehen

So richtig Gas geben will man dann vom Schmotziga Doschdig an. Ab dem 11. Februar werden auf den beiden Social-Media-Plattformen unterhaltsame Kurzfilme zur Entstehung der einzelnen Narrengruppen gezeigt. „Diese Filme, für die teilweise lange Dreharbeiten erforderlich gewesen sind, gibt es zwar schon seit einiger Zeit. Bislang waren diese aber nur intern zu sehen, weil nicht alle unsere Leute damit nach außen gehen wollten“, sagt Marcel Reith. Inzwischen sei das allerdings abgeklärt worden, so dass man dem Zunftmeister zufolge der Öffentlichkeit spannende Einblicke gewähren könne.

Die Häuser in Wernau sollen fasnachtlich geschmückt werden

Doch die Öffentlichkeit, und das ist eine weitere Idee der Narrenzünfte, soll in Wernau nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen. Unter dem Motto „Zeig Flagge – Schmück dein Haus“ wird die Bevölkerung aufgerufen, ihre Häuser fasnachtlich zu schmücken. „Wir wollen die Leute mitnehmen und zum Mitmachen motivieren. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Da kann sich jeder austoben“, sagt Marcel Reith. Über den genauen Starttermin werde auf der Vereins-Website (www.wernauer-narren.com) noch rechtzeitig informiert.

„Dort kündigen wir auch weitere Aktivitäten an, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Wernauer Einrichtungen und unseren treuen Sponsoren bereits in Planung sind“, ergänzt Frederick Weiß. „Wir haben immer gesagt, dass man zwar die Veranstaltungen absagen kann, aber nicht die Fasnet an sich, die für uns ein fest definierter Zeitraum ist. Ich freue mich, dass wir Wege gefunden haben, die Fasnet zu den Leuten nach Hause zu bringen“, sagt Marcel Reith und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Denn 2022 soll der Narrenruf „Hecka, Heala! – Hoi, hoi, hoi!“ dann auch wieder auf den Straßen und nicht nur im Netz erschallen.

Die virtuelle Kampagne der Wernauer Narren läuft vom 6. Januar bis zum 17. Februar. Zu finden sind die Posts auf Facebook und Instagram.

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