Tausende Besucher und närrische Hästräger haben am Sonntag in Weil der Stadt die Fasnet gefeiert – mit dabei waren auch wieder die eigens für den Umzug gebauten Festwagen.
Das Fasnet in Weil der Stadt ist, erkennt man auch daran, dass in Bussen und S-Bahnen, auf Parkplätzen und rund um die Altstadt plötzlich ausgefallene Kopfbedeckungen Einzug halten: Weißgepunktete, rote Pilzhauben erspäht man da etwa, knallbunte Perücken, Biker-Kopftücher, hohe Zylinder, Sombreros, schwarze Katzenohren, Rehgeweihe aus Filz oder – macht man es wie der Erste Beigeordnete der Stadt, Jürgen Katz – einen mit Münzen vollgeklebten Hut, der die ansonsten leeren Stadtkassen wohl kräftig aufbessern dürfte.
Beim großen Fasnetsumzug in Weil der Stadt am Sonntag, höchster Feiertag der hiesigen Narrenzunft AHA, müssen Vereinsmitglieder und Besucher zugleich aber aufpassen, dass die närrische Kopfbedeckung sich beim ein oder anderen Windstoß nicht verabschiedet. Und obwohl es den ganzen Tag – anders als befürchtet – trocken bleibt, herrschen eisige Temperaturen.
Die schaffen es sogar ins vorläufige Resümee des AHA-Chefs Frank Gann: Das Wetter hat gehalten, nur sei es „saukalt“, sagt der am Sonntagnachmittag. Die Narren hat das zum Glück nicht von der Feierei abgehalten: Knapp 28 000 Besucher seien nach einer aktuellen Schätzung gekommen, sagt Gann. Auch sonst ist er zufrieden: „Stimmung war sehr gut“, meint er.
Wie immer sind zahlreiche Festwagen beim Umzug in Weil der Stadt dabei
Und Recht hat er: Der Umzug verläuft unter bester Laune der Zuschauer und in geregelten Bahnen. 64 Gruppen und Wagen sind es, etwas weniger also sonst. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Dafür sorgen nicht nur die zahllosen Gugga-Gruppen und die Kapellen. Die meisten von ihnen sind Stammgäste bei der AHA. Ein Schiff ist auch diesmal dabei. Nein, nicht „das“ Schiff aus Leonberg, das am Sonntag schon wieder im hessischen Bruchköbel im närrischen Einsatz war. Die Weiler haben ihr eigenes Wassergefährt mitgebracht, einen Kutter.
Und auch sonst rollen beim großen Umzug wie gewohnt zahlreiche spektakuläre Wagen durch die Weiler Altstadt. Etwa eine eierlegende Wollmilchsau, die den Weilern trotz aller Pleiten ab sofort Milch und Eier in rauen Mengen spendet. In einem fahrenden Schloss haben es sich die Königinnen der Nacht mit ihren beeindruckenden, dunklen Hörnern gemütlich gemacht. Und sogar ein großes Huhn schwebt über den Köpfen der Besuchern auf und ab.
Internationales Flair holen derweil gleich zwei Wagen ins beschauliche Weil der Stadt: Auf einem wird Carneval de Rio – halt nein, de Weil – gefeiert, mitsamt beeindruckenden Federkostümen. Der andere träumt sich nach Mexiko, am Rande wird natürlich Mexikaner ausgeschenkt, also Schnaps mit Tabasco und Tomatensaft. Und der brennt auch ordentlich auf dem Weg in den Magen.
Der Bürgermeister landet im Stroh
Deutlich rustikaler geht es zu, wenn etwa die Weiler Hexen ihre Opfer durch ein Strohkarussell drehen. Dem Bürgermeister ergeht es so, da ist der Zug schon fast vorbei. Christian Walter ist in Gedanken wohl schon bei seinem Rundgang durch die Lokalitäten der Altstadt, wo er nach eigenem Bekunden noch „ein, zwei Sprudel“ trinken will, da gerät er in die Fänge der Hexen.
Gut dass seine Frau Geneviève in der Nähe ist und ihren Gemahl vom Stroh in den Klamotten befreien kann. Den Weiler Narren kann er das verzeihen – die Fasnet sei auch in diesem Jahr „super und schee und glückselig wie immer“, sagt er ins Mikrofon von Moderator Tobias Reim. Seinen Stellvertreter erwischt es nicht ganz so arg. Jürgen Katz bekommt lediglich ein paar Schubkarrenfahrten spendiert, „Altersgerecht“, wie er grinst.