Ein Mann aus Stuttgart stellt seinen Mercedes SL 280, Baujahr 2000, auf einen öffentlichen Parkplatz in Sindelfingen ab. Sechs Wochen nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub hat die Stadt das Auto erst abgeschleppt und dann sogar verschrottet.
Es klingt wie der Albtraum eines jeden Autobesitzers: Man parkt sein Auto an einem öffentlichen Parkplatz. Dann fährt man in den Urlaub. Einige Wochen später kommt man zurück und das Auto ist weg. Es ist nicht gestohlen, sondern abgeschleppt. Und trotz Gesprächen mit dem Ordnungsamt bekommt man den Wagen nicht wieder. Stattdessen wandert das Gefährt in die Schrottpresse. Diese Geschichte ist einem 63-jährigen Autobesitzer am Anfang des Jahres in Sindelfingen passiert.
Wie die Bildzeitung zuerst berichtete, hatte der Mann im vergangenen September seinen 25 Jahre alten Mercedes SL 280 in Sindelfingen auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt. Im Anschluss fuhr er für sechs Wochen in den Urlaub. Was sich der Stuttgarter vermutlich nicht vorstellen konnte: In der Zwischenzeit lässt die Stadt Sindelfingen den dunkelblauen Mercedes abschleppen. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage erklärt, weil das Auto Öl verlor: „Das Fahrzeug wurde im September 2024 aufgrund des Austritts von Betriebsflüssigkeit durch den städtischen Vollzugsdienst abgeschleppt. Der Austritt stellte eine Gefahr für die Umwelt und die öffentliche Sicherheit dar, sodass ein sofortiges Tätigwerden zur Gefahrenabwehr erforderlich war.“
Auto hatte Kennzeichen aus Großbritannien
Eine Kontaktaufnahme mit dem Halter sei gescheitert, sagt die Stadt weiter: „Zudem konnte der Fahrzeughalter unter dem augenscheinlich ausländischen Kennzeichen nicht ermittelt werden, eine direkte Benachrichtigung war daher nicht möglich.“ Der alte Mercedes hatte eine britische Zulassung. Er wird daraufhin auf das Betriebsgelände eines Abschleppunternehmens gestellt. Der Autobesitzer versucht, das Auto wiederzubekommen – vergeblich. Auch ein Anwalt scheitert. Stattdessen erhält der 63-Jährige für die Tag für Tag steigende Standgebühr eine Rechnung von rund 1000 Euro vom von der Stadt beauftragten Abschleppunternehmen. Auch hiergegen wehrt sich der Fahrzeughalter rechtlich – ebenfalls ohne Erfolg.
Vier Monate steht das Auto letztlich dort. Der Abschleppdienst soll Einzelteile wie Rückleuchten, Kühlergrill und Außenspiegel abgebaut haben. Nachdem ein Gutachter im Januar 2025 feststellt, dass das Auto keinen Restwert mehr habe, wird der Mercedes verschrottet. Die Stadt schreibt hierzu: „Laut Gutachten war ein verwertbarer Restwert wirtschaftlich nicht mehr gegeben. Angesichts dieser Umstände und der weiterhin fehlenden Kontaktaufnahme wurde das Fahrzeug schließlich verschrottet.“ Die drastische Maßnahme begründet die Stadt damit, dass Restwert und zu erwartende Kosten das Vorgehen gerechtfertigt hätten.
Juristisches Nachspiel möglich
Für den Autobesitzer bedeute das laut Sindelfinger Stadtverwaltung: „Die Forderungen an den Betroffenen betreffen die Kosten für das Abschleppen sowie die Folgekosten.“ Ob der Stuttgarter wegen der Verschrottung seines 25 Jahre alten Mercedes SL 280 juristisch gegen die Stadtverwaltung vorgehen will, ist nicht bekannt.