Die Stadt baut mangels pädagogischem Fachpersonal den Einsatz der Malteser zur Kinderbetreuung aus. Der Gemeinderat meint: Das ist keine Dauerlösung.
Am Ende gab es nur eine Gegenstimme. Aber die Begeisterung im Ostfilderner Gemeinderat hielt sich in Grenzen. Die Zustimmung zum Antrag der Verwaltung, den Einsatz des Malteser-Hilfsdienstes zur Betreuung von Kita-Kindern auszuweiten, wurde von den meisten Fraktionen nur mit mehr oder weniger lauten Wenns und Abers erteilt.
Die Malteser erweitern seit September 2024 in der Nellinger Kita Kunterbunt das Betreuungsangebot um eine Spielzeitgruppe am Nachmittag. Damit wird für bis zu 20 Kinder die Öffnungszeit bis 15.30 Uhr erweitert. Drei Betreuerinnen und Betreuer kümmern sich um die Gruppe. Sie haben eine einmonatige Schulung absolviert. Hintergrund der Kooperation mit dem Hilfsdienst ist natürlich der Mangel an pädagogischen Fachkräften. Ohne Malteser wären die Öffnungszeiten noch weiter eingeschränkt. Inzwischen klappe die Zusammenarbeit mit den Profis gut, die „anfängliche Skepsis der Fachkräfte“ habe sich gelegt, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.
Die Stadt will den Malteser-Einsatz nun auf bis zu acht Betreuungsgruppen ausweiten und die bisher Ende des Jahres auslaufende Vereinbarung mit dem Hilfsdienst bis zum 31. Dezember 2027 verlängern. Eine der neuen Spielzeitgruppen soll schon im Juni in der Kita Kinderwelt starten, wo seit Dezember 2023 die maximale Betreuungszeit von 45 auf 35 Wochenstunden reduziert ist. Weiteren Bedarf sieht die Stadt in der Kita Parkspielerei, in der Kita am Baumhain, in den Häusern für Kinder im Scharnhauser Park und in der Fröbelstraße in Scharnhausen. Ob die Angebote angenommen werden, ist laut Stadtverwaltung offen: Eltern signalisierten, dass sie „eine Ganztagesbetreuung mit Fachkräften favorisieren“, räumt die Vorlage ein. Betont wird aber auch, dass trotz aller Anwerbeversuche weiterhin viele Stellen unbesetzt bleiben – namentlich im Ganztagesbereich, weil Erzieherinnen und Erzieher oftmals keinen ausreichenden Betreuungsplatz für den eigenen Nachwuchs haben.
Kostendeckung dank Personalmangel
Da ist es kein Trostpflaster, dass aufgrund „geringerer Personalaufwendungen im Kitabereich“ für das Jahr 2025 die Zusatzkosten für den Malteser-Einsatz gedeckt sind. Für 2026 rechnet die Stadt mit 540 000 Euro.
Im Gemeinderat bezogen Freie Wähler und Grüne die entgegengesetzten Positionen. Corina Raisch von den Freien Wählern erklärte, dass ihre Fraktion bereits im Jahr 2020 „auf alternative Angebote gedrängt“ habe. „Damals wurde jedoch stets der hohe Qualitätsanspruch in der Betreuung betont, und unsere Alternativen wurden weitgehend abgelehnt, sowohl vom Fachbereich als auch den Einrichtungen und den Eltern.“ In Offenburg sei man mutiger gewesen, deshalb heiße die Kooperation mit den Maltesern jetzt Offenburger und nicht Ostfilderner Modell – was Raisch ausdrücklich bedauert. Ermutigt fühlen sich die Freien Wähler durch die „positiven Erfahrungen“ in der Kita Kunterbunt, auch wenn man „weiterhin auf Fachpersonal“ setze, der Mangel aber wohl noch Jahre andauern werde.
„Kein Ersatz für ein pädagogisches Betreuungsangebot“
Oliver Werner-Blum (Grüne) verwies auf die kontroverse Diskussion in seiner Fraktion und betonte, das Modell könne „keine dauerhafte Lösung“ und „kein Ersatz für ein pädagogisches Betreuungsangebot“ sein – zumal Eltern und ihre Kinder „für dieselbe Gebühr nur eine Spielzeitbetreuung“ erhielten. Werner-Blum zog das Fazit: „Das Krisenmanagement im Kitabereich war in den letzten Jahren der Situation nicht angemessen und nicht ausreichend.“ Er hob die Qualitätsunterschiede bei der Betreuung hervor und forderte, „dass die Stadt deutlich aktiver als bisher versucht, Fachkräfte anzuwerben, auszubilden und zu halten“.
Jennifer Molner (CDU) und Joachim Werner (FDP) begrüßten zwar die „Offenheit“ für alternative Modelle und die Hilfe in der Akutsituation. Doch auch sie sehen darin keine Dauerlösung und keinen Ersatz für qualifiziertes Fachpersonal.