„F1 – Der Film“ kommt am 26. Juni erstmals in Deutschland in die Kinos – mit dem Megastar Brad Pitt und Produzent Lewis Hamilton. Eine Vorab-Kritik.
In dem Augenblick, in dem der schwarze Rennwagen auf dem Display beschleunigt, beginnt das Telefon in der Hand ansteigend zu vibrieren, mit jedem Gang, den Sonny Hayes hochschaltet. So ist deutlich zu fühlen, dass hinter „F1 – Der Film“ der Tech-Konzern Apple steckt. Natürlich ist der Streifen, der am 26. Juni erstmals in Deutschland zu sehen sein wird, nicht für das I-Phone produziert worden, sondern vorrangig für die übergroßen Imax-Kinos. Aber allein der Aufwand, einen Werbetrailer Art haptisch zu machen, unterstreicht den Wunsch nach größtmöglicher Authentizität, dem sich die Produzenten verschrieben haben, um der Königsklasse des Motorsports zu entsprechen. Die Formel Hollywood.
Der Plot um den alternden Rennfahrer Hayes, gespielt von Megastar Brad Pitt, ist die Geschichte eines gescheiterten Talents. Eines Piloten, dem einerseits alles egal scheint, der aber auch immer wieder von Alpträumen eines Unfalls eingeholt wird. Jahrzehnte später bekommt der Glücksritter eine letzte Chance, noch einmal Formel 1 zu fahren. Beim schlechtesten Team im Feld, und mit der Aufgabe, einen Rookie auszubilden, der nur durch Arroganz glänzt. Allein im Generationenkonflikt ist schon reichlich Crash-Potenzial vorhanden, hinzu kommen Intrigen um den Rennstallchef – und eine obligatorische Lovestory. Der Underdog muss sich auf allen Ebenen und in der ganzen Komplexität des PS-Geschäfts beweisen.
In den Mittelpunkt hatte der versierte Geschichtenerzähler Jerry Bruckheimer („CSI“) nicht bloß eine rasende Underdog-Legende gestellt. Das, was in vielen Blicken hinter die Kulissen ehrlicher als bei der populären Netflix-Doku „Drive to survive“ als Kern der Sportart herausgearbeitet wird, ist der Erfolgsfaktor Teamwork. Das Scheinwerferlicht gilt den stillen Helden, die diesen Rennzirkus erst möglich machen. Plastisch wird so in einer der Szenen, warum in der so auf Gewinner fixierten Disziplin selbst ein einzelner Punkt bejubelt werden kann – nämlich als verdienter Gemeinschaftserfolg.
Authentische Einblicke hinter die Kulissen
„Bei uns kommt das Drama aus dem Renngeschehen“, sagt Erfolgsregisseur Joseph Kosinski. Der Blick hinter die Kulissen ist im Formel-1-Movie beinahe noch intensiver als in der Streaming-Doku, der Blick wird viel stärker auf Details gelenkt. Bei den Aktionen auf der Rennstrecke ist durch eine Vielzahl von Kameras kein Unterschied zu realen Formel-1-Übertragungen zu erkennen. Einige der bekennenden Egomanen im Fahrerlager muss es große Überwindung gekostet haben, statt Hauptdarsteller nur Statist zu sein, bestenfalls als Schulterklopfer oder als Überholopfer ins Bild zu rücken. Auch dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, gewinnt die Handlung zunehmend an Glaubwürdigkeit. „Keine andere Sportart ist in Bezug auf die Möglichkeiten bei den Dreharbeiten so fesselnd wie die Formel 1“, glaubt Rekordweltmeister Lewis Hamilton, der zur Riege der Produzenten zählt. Erst durch die Ambitionen des Briten öffneten sich alle Garagentore. Denn im Unterschied zu abstrakten Produktionen, die Rennbilder und Rennstreckenatmosphäre künstlich generieren, durfte die Crew um Kosinski und Bruckheimer über zwei Rennjahre hinweg mitten im tatsächlichen Formel-1-Betrieb drehen.
Ob bei der Einführungsrunde, bei Reifenwechseln, auf dem Podium oder bei den echten Siegerinterviews, je nach Szene mischten die Akteure des fiktiven elften Rennstalls namens APXGP parallel zur laufenden Weltmeisterschaft mit. Dafür wurde in der Boxengasse, standesgemäß zwischen Mercedes und Ferrari, sogar eigens eine Garage eingerichtet. Der deutsche Automobilkonzern präparierte zudem Formel-2-Autos für den Filmeinsatz. So vermischten sich Wirklichkeit und Fiktion nicht nur für den über zwei Stunden und 35 Minuten dauernden Epos, sondern auch im Fahrerlager. Da konnte es schon mal vorkommen, dass plötzlich Brad Pitt neben einem auftauchte. Lewis Hamilton verbindet mit diesem Projekt nicht nur seine Ambitionen aufs Showgeschäft.
Diversität im Fokus
Er wollte auf mehr als nur auf die richtigen Kameraeinstellungen in der richtigen Kurve Einfluss nehmen. Stark eingeflossen ins Skript ist sein Kampf für mehr Diversität. Davon zeugen ein schwarzer Hauptdarsteller als Gegner von Brad Pitt, eine Mechanikerin beim Boxenstopp und die erste weibliche Technikdirektorin in der Formel 1. Gefragt war ein engagierter Ferrari-Pilot aber auch beim Fahrunterricht für Brad Pitt. Die beiden beeindruckten sich offenbar gegenseitig. Hamilton fand, dass Pitt intuitiv die richtigen Linien auf der Rennstrecke wählte, Pitt wiederum schrieb dem PS-Profi nach den Selbstversuchen eine SMS: „Jetzt habe ich noch mehr Respekt vor dem, was ihr Fahrer leistet, als ich es ohnehin schon hatte.“
Intrigen auf der Leinwand
Auch im aktuellen Formel-1-Film gibt es Sequenzen und Szenen, die vermutlich nicht in die heile Welt der Marketingleute oder Funktionäre passen. Genau diese lassen das Werk lebendig und glaubhaft erscheinen. Gefahr und Geld, Provokationen und Intrigen sind untrennbar mit der Formel 1 verbunden. Umso bemerkenswerter, dass das Serien-Management den Wünschen der Filmemacher kaum Grenzen setzte. Formel-1-Chef Stefano Domenicali sieht die große Chance, nicht das Risiko der Kleinkarierten: „Wir wollten keinen Fake. Denn dieser Film wird uns weitere Zielgruppen erschließen, die uns möglichst lange erhalten bleiben sollen.“ Zugleich sollte sich aber auch die gewaltig große Stammkundschaft im Filmgeschehen wiederfinden, wovon die Garnierung mit beinahe zu vielen Fachbegriffen zeugt.
Doch wenn die Rennfahrer-Mimen hoch emotional vom Flow einer fliegenden Runde schwärmen, dann haben sie alle wieder eingefangen, Laien wie Fans. Nach hintenraus gewinnt der Film deutlich an Tempo. Dass es beim Finale in Abu Dhabi dann zum großen Knall kommt – auch das hatten wir doch schon mal. Aber nun eben abendfüllend.