Für Wohnungslose ist ein Leben in Würde oft schwer. Der Verein Heimstatt Esslingen unterstützt im Alltag und hilft bei Wohnungssuche.
Weihnachten gilt als Inbegriff der Besinnlichkeit. Gleichzeitig ist kaum eine andere Zeit im Jahr so stark mit Konsum verknüpft. Für Geringverdiener und Bürgergeldempfänger stellt der Dezember mit all seinen Erwartungen und Verlockungen oft eine besondere Herausforderung dar. Allein der Wunsch, den Kindern ein paar Geschenke zu machen, sprengt oft das Budget. Steigende Energie- und Lebensmittelkosten verschärfen die Lage zusätzlich. Während sich andere voller Vorfreude Gedanken über Festmenüs oder passende Geschenke machen, beschäftigt Menschen mit wenig Einkommen eher die Frage, wie sie das alles bezahlen sollen. Es geht dabei nicht nur um materielle Not, sondern auch um eine gefühlte Ausgrenzung, die rund um die Feiertage meistens noch schwerer wiegt als sonst.
Die Heimstatt Esslingen versucht, dies aufzufangen. So veranstaltet der Verein, der ein Spendenziel der diesjährigen EZ-Weihnachtsspendenaktion ist, jedes Jahr ein besonderes Weihnachtsessen. Es hat Tradition, dass die rund 90 Klientinnen und Klienten gemeinsam in ein Lokal eingeladen werden. In diesem Jahr geht es ins „Poseidon“ in der Pliensauvorstadt. Die meisten von ihnen können sich sonst keinen Restaurantbesuch leisten. „Für diese Menschen ist es immer etwas ganz Besonderes, wenn sie einmal bedient werden“, weiß Janina Baaken, Geschäftsführerin von Heimstatt. Es geht nicht um Mitleid. Sie sollen ein Stück Normalität erleben und Würde spüren.
Bürgergeldempfänger zu Unrecht an den Pranger gestellt
Gut die Hälfte ihrer Klientel bezieht Bürgergeld. Einige von ihnen arbeiten, verdienen aber so wenig, dass sie aufstocken müssen. Die Sozialarbeiterin ärgert sich, dass die Empfänger von Bürgergeld vor allem in letzter Zeit pauschal an den Pranger gestellt werden. „Die Leute werden zu Unrecht stigmatisiert“, sagt Baaken. Die Bundesregierung plant drastische Verschärfungen beim Bürgergeld, das bald Grundsicherung für Arbeitssuchende heißen und Menschen schneller in Jobs vermitteln soll. Werden Termine nicht wahrgenommen, kann ihm schlimmsten Fall die Unterstützung ganz gestrichen werden. „Das wird die Menschen nur tiefer in die Not treiben. Sie werden keine Arbeit finden, wenn man ihnen das Existenzminimum streicht. Sie werden obdachlos“, warnt Janina Baaken vor den geplanten Sanktionen. „Es ist unmenschlich und auch gesellschaftlich kurzsichtig“, sagt sie.