Albrecht Schumacher und Marion Siebert vom Reha-Verein sind stolz auf den geplanten Neubau. Foto: /Ines Rudel

Der Reha-Verein sammelt Spenden für einen Neubau in Plochingen. Dort sollen Menschen, die an einer Doppeldiagnose leiden, betreut und rehabilitiert werden.

Plochingen - Ausgrenzung, Stigmatisierung, Scham: Menschen mit psychischen Erkrankungen haben einen schweren Stand in der Gesellschaft. Dabei nimmt die Anzahl psychischer Erkrankungen in Deutschland weiter zu. Umso wichtiger ist es, dass die Betroffenen eine gute Therapie oder Betreuung bekommen.

Der Reha-Verein mit Sitz in Denkendorf hat es sich zum Ziel gesetzt, psychisch kranke Menschen zu begleiten, zu beraten und zu rehabilitieren. Er betreibt mehrere Einrichtungen im Landkreis, unter anderem ein Wohnheim in Wernau. Da dieses den Anforderungen nicht mehr gerecht wird, hat sich der Verein nach einem neuem Standort umgeschaut und baut jetzt in Plochingen ein neues Heim. In der Bergstraße entsteht eine Einrichtung mit 16 stationären und vier ambulant betreuten Wohnplätzen, erzählt Albrecht Schumacher, der Geschäftsführer des Reha-Vereins. Im Juli sollen dort die ersten Bewohner und Bewohnerinnen einziehen.

Klimafreundliche Bauweise

Dem Verein war es wichtig, das Wohnheim mit einer ökologisch vertretbaren Bauweise zu errichten. Da Beton der drittgrößte CO2-Produzent weltweit sei, habe man sich für Holz entschieden. Doch im Frühjahr seien die Preise exorbitant in die Höhe geschossen, so der Geschäftsführer. Grund dafür sei unter anderem, dass die USA massiv Holz aus Deutschland einkaufe, da sie ein Handelsabkommen mit Kanada gekündigt hätten. Das habe den Preis nach oben getrieben. Dadurch haben natürlich auch die Kosten für den Neubau zugenommen, um mehrere Hunderttausend Euro. Daher bittet der Verein um Spenden, die unter anderem für die Bewohnerzimmer und den Beschäftigungsbereich genutzt werden.

In dem Heim werden Menschen mit einer sogenannten Doppeldiagnose, die an einer psychischen sowie an einer Suchterkrankung leiden, behandelt. Für sie gebe es nur wenige Einrichtungen, sagt Marion Siebert, die Leiterin des Wohnheims Krone in Wernau. Und die Plätze seien begehrt, erzählt Siebert. Das Ziel sei es, die Bewohner und Bewohnerinnen wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die meisten der Patienten oder Patientinnen hätten keinen Beruf und es fehle ihnen daher an einer Tagesstruktur, sagt Schumacher. Es sei wichtig, ihnen einen geregelten Ablauf anzubieten.

Großes Therapieangebot

Daneben arbeitet die Einrichtung im Bereich der Förderung und Betreuung viel mit Kunst, Ergo- und Arbeitstherapie. Doch für diese Angebote reiche der Platz in dem alten Heim in Wernau nicht aus. Die Werkstatt, die man im ehemaligen Wäschebereich eingerichtet hat, sei viel zu eng. Auch Bewegung sei ein wichtiger Bestandteil des Therapieplans, doch auch hier gebe es nicht genügend Kapazitäten.

Im Alltagstraining lernen die Bewohner und Bewohnerinnen, wieder selbstständig zu leben. In einer Gruppe zu agieren, sich selber zu versorgen, mit Geld umzugehen – all diese Fähigkeiten sollen dort erworben werden. Einige der Bewohner und Bewohnerinnen hätten davor unter der Brücke gelebt und müssten von ganz vorne anfangen, erzählt Siebert. Die Leiterin nimmt sich in Einzelgesprächen Zeit für alle Patienten. Bei Suchterkrankten sei es wichtig, dass man einen engen Kontakt pflege. Auch in der Nacht sei immer einer der Mitarbeitenden erreichbar.

Mehr Männer als Frauen

Die meisten Bewohner und Bewohnerinnen seien Männer, so Siebert. Das liege wahrscheinlich daran, dass Frauen oft noch Familie hätten. Männer ständen nach einer Trennung meistens alleine da. Die Altersspanne reiche von 30 bis 60 Jahren, die meisten Bewohner und Bewohnerinnen seien um die 50 Jahre alt. Der Vorteil bei dieser Einrichtung sei, dass die Bewohner und Bewohnerinnen keinen Zeitdruck hätten, so Siebert. Sie habe selber in einer Tagesklinik die Erfahrung gemacht, dass es Patienten und Patientinnen nach der Entlassung zwar besser ginge, sie aber noch nicht stabil seien. Doch nach einer gewissen Zeit übernehme die Krankenversicherung die Bezahlung nicht mehr. Da die Einrichtung nicht über die Krankenkasse, sondern den Landkreis läuft, können sich die Bewohner und Bewohnerinnen die Zeit nehmen, die sie für ihre Rehabilitierung brauchen.

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