Alleinerziehende, Wohnungslose, Opfer häuslicher Gewalt: Der Verein Gemeinsam helfen, der hinter der EZ-Weihnachtsspendenaktion steht, hat die ersten Spenden ausgezahlt.
Ein Blick in die Zeitung reicht, um es zu sehen: Wir leben in schwierigen Zeiten. Daran ändert auch die anstehende Weihnachtszeit nichts. Die hohen Kosten für Energie und Lebensmittel drücken auf das Portemonnaie vieler Menschen im Kreis Esslingen. „Uns wurden viele Fälle gemeldet, in denen den Leuten Dinge fehlen, die im Alltag benötigt werden, wie Möbel, aber auch warme Kleidung und Schuhe“, erzählt Carolin Bischoff, Abteilungsleiterin beim Amt für Soziales der Stadt Esslingen.
Sie und weitere Vertreterinnen und Vertreter von Esslinger Beratungsstellen und Wohlfahrtsorganisationen erhielten vor Kurzem Hilfe von der EZ-Weihnachtsspendenaktion. „Was mich besonders freut, ist dass es durch die Spendenaktion möglich ist, unmittelbar und auch unbürokratisch, zu helfen und zu unterstützen“, sagt Bischoff und erhält viel Zuspruch von ihren Kolleginnen und Kollegen.
Unterstützung für Alleinerziehende und Familien
Vielen Menschen habe es in diesem Jahr an grundlegenden Gegenständen gefehlt, sagen die Vertretenden. „Ich habe auch eine weinende Frau am Telefon gehabt, die von einem Staubsauger gesprochen hat. Ich bin froh, wenn ich ihr dieses Geld geben kann“, so Thomas Kubetschek, Diakon der katholischen Kirche. Gerade in der Weihnachtszeit würden sich viele Alleinerziehende melden, da sie sich keine Geschenke für ihre Kinder leisten können. Ähnliche Probleme gebe es auch über die Stadtgrenzen hinaus. Laut Carmen Melero vom Sozialamt des Landkreises Esslingen, hätten sich in diesem Jahr überwiegend Alleinerziehende beim Amt gemeldet, zum Beispiel für Winterklamotten.
Auch beim Kreisdiakonieverband haben sich in diesem Jahr viele Menschen gemeldet. „Es fehlt ganz viel im Bereich Alltagshilfe“, so Tanja Herbrik, Geschäftsführerin des Verbands. Die Lebenshaltungskosten seien zu hoch, sagt sie, wenn dann noch der Kühlschrank, die Waschmaschine oder der Herd kaputt gehe, werde es schwierig, besonders wenn Kinder im Haushalt leben würden. „Und da sind wir sehr dankbar, dass wir das Geld einfach haben und dann weitergeben können.“
Hilfe für Menschen in verschiedenen Situationen
Die Caritas Fils-Neckar-Alb wolle die Spendengelder für ihre Beratungsstelle „Orte des Zuhörens“ nutzen, sagt Petra Gauch, Leiterin des Esslinger Caritas-Zentrums. Die Orte des Zuhörens seien eine Anlaufstelle bei allen möglichen sozialen Problemen. „In letzter Zeit kommen allerdings häufiger ältere Menschen, die mit ihrer Rente gerade noch so über die Runden kommen“, so Gauch. Ihnen fehle zum Beispiel das Geld bei gesundheitlichen Problemen. „Diese Leute brauchen dann einfach finanzielle Unterstützung. Wir sind sehr froh über das Geld, weil es für uns wichtig ist, das wirklich auch unbedenklich weitergeben zu können.“
Auch der Verein Heimstatt Esslingen ist froh über die Spenden. Er vermittelt Wohnungen an wohnungslose Menschen und hilft ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme. „Die Leute, die zu uns kommen, waren schon ganz unten. Jetzt haben sie hoffentlich wenigstens eine Wohnung, aber es ist finanziell noch total knapp“, so Janina Baaken, Geschäftsführerin des Vereins. Häufig fehle es auch an Alltagsgegenständen, wie zum Beispiel Winterkleidung. Durch die Spendengelder könne ihr Verein in solchen Fällen nun helfen. Die Gelder ermöglichen auch eine Weihnachtsfeier: „Das ist immer ein Jahreshighlight. Weil die Leute dann mit uns in ein Restaurant gehen können“, sagt Baaken.
Spenden helfen Gewaltbetroffenen beim Neuanfang
Die Spenden helfen auch Menschen, die in der Vergangenheit Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt geworden sind. Der Verein Wildwasser ist eine Anlaufstelle für Letztere. Die Gelder sollen in die Erwachsenenberatung fließen. „Dort können sich Betroffene treffen, ohne etwas zu erklären“, erklärt Vorstandsfrau Ilona Blank. Für viele von ihnen sei dies das einzige therapeutische Angebot, das sie haben.
Der Verein Frauen helfen Frauen ist Träger des Esslinger Frauenhauses, wo Frauen, die häusliche Gewalt erlebt haben, Schutz finden. Viele von ihnen haben wenig finanzielle Mittel. „Wenn man an häusliche Gewalt denkt, denken viele an das klassische blaue Auge. Dabei vergisst man, dass dahinter viele andere Gewaltformen stecken, unter anderem eben auch ökonomische Gewalt“, so Sarah Seiboold, Mitarbeiterin des Vereins. Wichtig sei deswegen, die Frauen bei ihrem Neuanfang zu unterstützen, zum Beispiel mit dem Geld für Bus- oder Bahntickets oder einer Erstausstattung für die Wohnung nach dem Auszug aus dem Frauenhaus. „Das hat so einen Zauber, gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn man so etwas geben kann und dann strahlende Augen sieht“, fügt Seiboold hinzu. Die Weihnachtsspendenaktion der EZ läuft weiter und auch nach den Feiertagen kann noch gespendet werden, damit im Januar weitere Organisationen bedacht werden können.
EZ-Weihnachtsspendenaktion
Kampagne
Zum 59. Mal trommelt die EZ-Weihnachtsspendenaktion, hinter der der Verein „Gemeinsam helfen“steht, für den guten Zweck. Die Spenden kommen Familien und Einzelpersonen im Kreis Esslingen zugute, die in finanziellen, medizinischen oder sozialen Notlagen sind. Auch soziale Projekte werden unterstützt.
Spenden
Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, IBAN: DE38 6115 0020 0000 9020 36; BW Bank, IBAN: DE24 6005 0101 0008 4053 53; Volksbank Mittlerer Neckar, IBAN: DE89 6129 0120 0126 8880 00. Oder einfach im Internet auf der Spendenplattform www.wirwunder.de/projects/166077 . Sachspenden können nicht angenommen werden.