Das alte ZOB-Gelände ist ein Stein des Anstoßes. Im Moment lagert dort Baumaterial – am zentralen Stadteingang. Foto: Bulgrin - Bulgrin

Eine Brache mit Bauzaun empfängt Besucher in Esslingen: Viele sehen den ehemaligen Zentralen Busbahnhof deshalb als Schandfleck für die Stadt. Die EZ-Redaktion möchte die Meinung der Bürger dazu hören und ist am Freitag mit ihrer Sommerredaktion vor Ort.

EsslingenFür viele Esslinger Bürgerinnen und Bürger ist er einfach nur ein Ärgernis: der alte Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) vor dem Parkhaus an der Berliner Straße. Seit gut zwei Jahren ist die exponierte Fläche am Stadteingang Brachland und empfängt Einwohner und Besucher mit einem Zaun, hinter dem Baumaterial gelagert ist, das für die Kanalsanierung in der Fleischmannstraße verwendet wird. „Ein Schandfleck“, urteilen die meisten Menschen in der Stadt und haben kein Verständnis dafür, dass die öde Brache schon so lange den ersten Eindruck prägt, wenn man vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt geht. Und so steht der alte ZOB morgen von 11 bis 13 Uhr im Mittelpunkt der EZ-Sommerredaktion auf dem Esslinger Bahnhofplatz. Wer eine Meinung zu diesem Thema hat, ist herzlich eingeladen, am morgigen Freitag mit der Redaktion ins Gespräch zu kommen. Die Redakteurinnen und Redakteure werden die Stimmen aufnehmen und ausführlich darüber berichten: in der gedruckten EZ und online.

Hängepartie

Mit gelungenem Stadtmarketing hat der Zustand des alten ZOB nichts zu tun. Darüber sind sich die Bürger und Gäste der Stadt schon lange einig. Trotzdem sah sich die Verwaltung nicht veranlasst, wenigstens bis zum Beginn der anstehenden Bauarbeiten für eine Zwischennutzung zu sorgen, die den Platz nicht gar so trostlos erscheinen lässt. Jetzt, nach mehr als zwei Jahren, drückt eine Mehrheit des Gemeinderats aufs Tempo und fordert ein Ende der Hängepartie (die EZ berichtete). Dabei scheint die Frage, was auf dem Filetstück letztendlich entstehen soll, weitgehend beantwortet zu sein, auch wenn man von den ursprünglichen Plänen bereits ein ganzes Stück weit abgerückt ist. Ein Intercity-Hotel mit 160 Betten, wie es der erste Investor, die Dietz AG, geplant hatte, ist längst vom Tisch, und auch von einem Fitnessstudio ist keine Rede mehr. Steten Bekundungen der Firma Dietz, das Projekt befände sich auf einem guten Weg, folgte schließlich der Verkauf des Bahnhof-Parkhauses und damit eines zentralen Bausteins des Gesamtvorhabens an die LBBW Immobilien-Gruppe. Jetzt geht es um 140 sogenannte Mikro-Appartments, die Erweiterung des REWE vom Parkhaus in den Neubau hinein, um weitere Geschäfte, Gastronomie, Büros, Wohnungen und um eine Mobilitätszentrale.

Letzterer Punkt hat vor allem bei denn Grünen im Gemeinderat Kopfschütteln ausgelöst, weil die Mobilitätszentrale im ersten Stock des neuen Komplexes angesiedelt werden soll.

Nach der Sommerpause steht im Gemeinderat ein städtebaulicher Vertrag über das Vorhaben auf der Tagesordnung, und es soll über den Verkauf des alten ZOB-Areals an die LBBW entschieden werden. Denn noch gehört das Grundstück der Stadt. Läuft zumindest von jetzt an alles nach Plan, dann ist im Frühjahr 2019 Baubeginn und das Projekt soll anderthalb Jahre später fertig sein. Der alte ZOB wird also noch einige Zeit Brachland bleiben. Sollte sich das Vorhaben weiter verzögern, sieht man im Rathaus die Gefahr, dass die LBBW das Interesse daran verlieren könnte. Immerhin hatten einige Stadträte durch den Investorenwechsel die Chance gewittert, das Vorhaben noch einmal ganz neu aufzurollen.

Was jetzt auf dem ZOB-Gelände geplant ist, entspricht vom Grundsatz her einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb aus dem Jahr 2016. Durchaus umstritten war die Zukunft des alten ZOB von Anfang an. So gab es viele Stimmen aus der Bevölkerung, die sich dort einen Park gewünscht haben. Auch als Standort für eine neue Stadtbücherei war das Grundstück im Gespräch. Andere Vorschläge gingen in die Richtung, das Areal wie früher für den öffentlichen Nahverkehr oder für Fernbusse zu nutzen, nachdem der neue ZOB rund um den Bahnhof schon heute nicht mehr in der Lage sei, die täglich anfallenden Verkehrsmengen zu bewältigen.

Die Sommerredaktion ist am Freitag, 17. August, von 11 bis 13 Uhr auf dem Esslinger Bahnhofplatz zu Gast. Dabei geht es um die Zukunft des alten ZOB-Geländes.

Die nächste Sommerredaktion gibt es am Dienstag, 21. August, von 11 bis 13 Uhr am Marktbrunnen vor dem Rathaus in Plochingen. Thema ist die Umgestaltung des Bahnhofareals.

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