Lebhafte Diskussionen über Wunsch und Wirklichkeit. Foto: Tom Weller - Tom Weller

Standortfaktor für die Schulen und Wohlfühlfaktor für die Bürger - die meisten Besucher der EZ-Sommerredaktion meinen: Plochingen braucht wieder ein Bad.

PlochingenSeit vier Jahren ist das asbestbelastete Stadtbad am Burgplatz zu, der Abriss ist beschlossene Sache. Doch Harald Schmidt, Klaus Hink und Andreas Ortz hatten die Diskussion über ein neues Stadtbad wenige Monate vor der Kommunalwahl 2019 wieder eröffnet. Demnächst wollen sie dem Bürgermeister rund 1200 Unterschriften für ein Bürgerbegehren übergeben. Der warnt davor, sich in Zeiten großer Aufgaben und unsicherer Haushaltsjahre wieder eine so teure Freiwilligkeitsleistung ans Bein zu binden. Doch die allermeisten Gäste der EZ-Sommerredaktion am Montag auf dem Fischbrunnenplatz waren sich einig: Plochingen braucht wieder ein Bad.

Gottfried Leibbrand, 69, Plochingen: Schwimmen ist eine Kulturtechnik, die jeder beherrschen sollte. Deshalb muss Plochingen auch ein eigenes Bad haben. Jetzt muss erst einmal die Schulsanierung angegangen werden. Denn muss ein neues Bad gebaut werden. Dass jetzt alles auf einmal kommt, liegt daran, dass über Jahre nichts gemacht wurde. Vielleicht können wir uns mit den benachbarten Kommunen zusammentun, um die Investition gemeinsam zu stemmen.

Angelika Fischer, 60, Angestellte aus Plochingen: Wir brauchen ein eigenes Hallenbad. Allein schon für die Kinder, damit sie schwimmen lernen können. Wenn man sie zum Schwimmunterricht mit dem Bus anderswohin fahren muss, ist nichts gespart. Da geht es mir aber auch um das Selbstverständnis: Eine Stadt von der Größe Plochingens braucht ein Bad. Ich höre immer von Geldnot. Da muss die Stadt eben Prioritäten setzen. Die für die Fußgängerzone angedachten Verschönerungen halte ich für absoluten Humbug.

Inge Baier, 76, aus Plochingen: Das Bad hätte man schon lange wieder aufmachen müssen. Unsere Schüler müssen zum Schwimmen nach auswärts fahren. Das sind viel zu weite Wege. Engpässe sind für mich kein Argument. Geld fehlt immer, aber dafür muss welches da sein.

Silvia Wittwar, 57, Beamtin aus Wernau: Sehr viele Kinder können schlecht oder gar nicht schwimmen. Das finde ich erschreckend. Schulschwimmen fällt leider überall oft aus. Dabei ist es elementar wichtig, sich sicher im Wasser bewegen zu können. Deshalb braucht Plochingen wieder ein Hallenbad.

Angela Sivaz, 41, Hausfrau und Mutter aus Plochingen: Für alles ist Geld da, nur nicht für ein Bad. Das finde ich nicht in Ordnung. Wir brauchen definitiv ein Hallenbad. In der Burgschule fällt das Schwimmen aus, weil es kein Bad mehr in der Stadt gibt.

Gisela Leonhard, 81, aus Plochingen: Ich wohne gleich in der Nähe des alten Hallenbads. Für mich war es praktisch, schnell schwimmen zu gehen. Das fehlt mir jetzt wahnsinnig. Schwimmen ist für mich Lebenselixier. Ich finde es schlimm, wenn die Kinder an ihrem Wohnort nicht schwimmen lernen können.

Uwe Holz, 75, aus Plochingen: Es war grottenfalsch, das Hallenbad zu schließen. Ein Bad halte ich für ein Elementarbedürfnis. Es gehört zu einer Stadt wie eine Grundschule. Es ist ja nicht so, dass die Stadt kein Geld hat. Die Frage ist immer, wofür man es ausgibt. Bei uns stimmen einfach die Prioritäten nicht. Wenn man den Willen hat, wieder ein Hallenbad zu bauen, geht das.

Manfred Brenner, 60, Planungsingenieur in Altersteilzeit: Trotz aller finanzieller Probleme ist es unheimlich wichtig, dass Plochingen ein eigenes Hallenbad hat. Die Schulen, die alten Menschen, alle Bürger brauchen so eine Einrichtung. Wir hatten ein Bad der kurzen Wege, das war so praktisch. Ich finde es nur peinlich, wenn wir jetzt zum Schwimmen nach Wernau oder Esslingen fahren müssen.

Ingrid Römer, 51, aus Plochingen: Ich finde die Schließung des Bads skandalös. Man muss doch in junge Leute investieren. Es kann doch nicht sein, dass man die Schüler zum Schwimmen irgendwohin karrt, ganz abgesehen von der CO2-Belastung. Die Sicherheit der Kinder muss uns diese Investition wert sein. Es ist aber auch eine Frage der Lebensqualität, dass sich Plochingen ein eigenes Bad leistet.

Harald Schmidt, Jahrgang 1960, Diplom-Kaufmann, Stadtrat der ULP und Mitinitiator des Bürgerbegehrens für eine neues Stadtbad, aus Plochingen: Als Schulstadt kann Plochingen nicht auf ein Hallenbad verzichten. Zweites Argument: Jedes Kind muss vor Ort schwimmen lernen können. Was viele nicht bedenken: Auch für das ungenutzte Hallenbad zahlt die Stadt jedes Jahr 125 000 Euro. Man hätte viel früher mit den benachbarten Kommunen verhandeln und mit ihnen ein Gesamtpaket schnüren müssen. Fakt ist, die Stadt Plochingen braucht ein eigenes Hallenbad.

Dietmar Kern, 61, Flugtankwart aus Plochingen: Ich habe meinen Kindern im Hallenbad das Schwimmen beigebracht. Es ist absolut lebensnotwendig, dass man sich sicher im Wasser bewegen kann. Deswegen braucht Plochingen auf jeden Fall ein Hallenbad. Es gab bis vor zwei Jahren einen Sponsor. Der ist aber abgesprungen, weil die Stadt es abgelehnt hat, dem Bad seinen Namen zu geben. Auch beim Krankenhaus wollte er einsteigen, aber man hat ihn vor den Kopf gestoßen. Beim Hallenbad liegen die Versäumnisse lange zurück. Man hätte die Sanierung viel früher angehen müssen.

Manfred Zoller, 70, aus Plochingen: Die Wernauer können sich zwei Bäder leisten. Und wir nicht einmal eines? Das kann doch nicht sein. Die Kinder müssen schwimmen lernen. Ich war in der Wasserwacht und weiß, wie wichtig das ist.

Günter Brand, 75, aus Plochingen: Plochingen braucht kein neues Hallenbad. Die Stadt muss bis 2026 das Gymnasium sanieren. Wenn ganz am Ende noch Geld übrig bleibt, kann die Stadt ein Lehrschwimmbecken bauen. Aber erst einmal braucht die Stadt Geld für die Sanierung des Gymnasiums.

Volker Busch, 75, aus Plochingen: Ich bin mit dem Hallenbad aufgewachsen. Ein Bad ist eine nette Sache. Aber wer bezahlt es? Plochingen hat nicht so viel Geld wie die Stadt Biberach, die nicht weiß, wo sie mit ihrem Geld hin soll. Wenn man sieht, was die Stadt Plochingen heute für die Kinderbetreuung ausgeben muss ...

Günter Schlabschi, 66, aus Deizisau: Kinder sind unsere Zukunft. Und Kinder müssen schwimmen lernen. Das ist so wichtig wie lesen und rechnen lernen. Ein Schulzentrum braucht ein Bad. Ich wäre auch dafür, das sich die Nachbarkommunen an der Sanierung des Gymnasiums beteiligen.

Helmut Schober, 76, aus Plochingen: Ich kenne keinen Plochinger, der kein Hallenbad will. Und ein Sportbad ist ein Hallenbad. Im Gesamtkomplex für das Untere Schulzentrum und den Burgplatz ist ja wieder ein Hallenbad vorgesehen. Doch das muss man in diesem Gesamtzusammenhang sehen, da kann man das Bad nicht einfach herauslösen. Das Hallenbad kann auch nur an den Platz hin, an dem das alte steht. Und das passiert nicht in den nächsten vier Jahren. Wer das nicht realisiert, der träumt. Daran kann auch kein Bürgerbegehren etwas ändern, das nur sehr viel Geld kostet.

Wolfgang Nesselmann, 80, aus Plochingen: Ich habe schon Verständnis dafür, dass das Bad geschlossen wurde. Aber ich war dort regelmäßiger Nutzer, schwimme heute nur noch im Urlaub. Ich wünsche mir ein neues Bad, das nicht nur der Schul- und Vereinssport, sondern auch die Öffentlichkeit nutzen kann. Aber man muss ehrlich sagen, dass das alte Bad nicht so ausgelastet war. Aber ich beobachte, dass auch Geld für Dinge ausgegeben wird, die ich nicht so wichtig finde. Die Stadt sollte auf jeden Fall versuchen, die Nachbargemeinden an den Sanierungskosten des Gymnasiums zu beteiligen.

Helmut Letzfuß, 81, aus Plochingen: Als Schulzentrum muss man für Schüler wieder das Schwimmen anbieten. 60 Prozent der Grundschüler können nicht schwimmen, habe ich irgendwo gelesen. Man sollte die Schüler nicht nach Wernau schicken. Das kostet doch alles Zeit.

Daniel Nußbaum, 34, Messtechniker, aus Plochingen: Plochingen braucht kein neues Bad, weil wir momentan andere Probleme haben. Wir müssen die Schulen, die Infrastruktur, die Schafhausäckerhalle und die Sportanlagen sanieren. Das steht im Vordergrund. Alle Bäder haben Probleme mit der Kostendeckung. Es gibt in der Nachbarschaft genügend Angebote. Mehrere Kommunen sollten sich zusammenschließen und sich die Kosten teilen.

Hildegard Munk, 82, aus Plochingen: Wir brauchen wieder ein Bad. Die Kinder müssen nach Altbach fahren – und wir können uns kein Bad leisten. Für alle gibt es Geld, nur für uns nicht. Wir brauchen noch viel mehr hier.

Günter Dieterle, 53, Bauingenieur, aus Plochingen: Auf jeden Fall braucht Plochingen wieder ein Bad. Ich habe schon vor Jahren für den Erhalt des alten Hallenbads mitgekämpft. Ich habe hier schwimmen gelernt. Diese Chance sollten wir auch allen Jugendlichen hier wieder geben. Es ist ein Riesenaufwand für die Schüler, dafür in die Nachbargemeinden zu fahren. Das geht ja alles von der Schulzeit ab. Die Stadt hat ihre Liegenschaften über Jahre hinweg vernachlässigt, sonst hätten wir all diese Probleme hier jetzt nicht.

Joachim Hahn, 64, Pfarrer und SPD-Stadtrat aus Plochingen: Wir sind zu 150 Prozent immer hinter dem Hallenbad gestanden. Schon gleich nach der Schließung hatten wir Anträge gestellt, um möglichst bald wieder ein Bad zu haben. Schwimmen ist der gesündeste Sport überhaupt, und ein Bad ist ein Standortfaktor für unser Schulzentrum. Zumal Wernau auch in die Jahre kommt. Wir setzen deshalb auf eine kombinierte neue Sporthalle über einem Bad im Erdgeschoss. Das könnte mit dem Verkauf der Grundstücke für die dann nicht mehr benötigten Hallen in der Esslinger und Bismarkstraße finanziert werden. In erster Linie brauchen wir ein Sport- und Vereinsbad. Wenn ein öffentlicher Betrieb darüber hinaus möglich wäre, wäre das wunderbar.

Dagmar Bluthardt, 50, Sozialpädagogin und SPD-Stadträtin, aus Plochingen: Plochingen braucht ein Sport- und Vereinsbad, aber kein Spaßbad. Würde das Bad auch öffentlich betrieben, bräuchte man einen Bademeister, und das geht ehrenamtlich nicht. Wichtig ist, dass mit dem Bau angefangen wird. Wie der Betrieb aussehen wird, muss man sehen. Die Finanzierung ist schwierig. Aber da wir eine Sporthalle brauchen, könnte man das Dach und die Außenwände über die Sporthalle und die Zuschüsse dafür finanzieren. Zudem könnte man die Hallengrundstücke in der Bismark- und Esslinger Straße zweckgebunden verkaufen. Im übrigen brauchen wir ja auch jetzt bereits Geld für den Schülertransport und den Eintritt in den Nachbargemeinden. Und Wernau kämpft auch mit seinem Bad.

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