Ein Jahr ist es her: Marcel Killat (links) und seine Kameraden bejubeln den Sieg beim EZ-Pokal. Foto: /Herbert Rudel

Der TSV-Kapitän vermisst den EZ-Pokal und hofft, dass er mit dem Team bald an den starken Saisonstart anknüpfen kann.

Deizisau - Für mich persönlich war es toll, weil ich den EZ-Pokal noch nie gewonnen hatte. Und für die Mannschaft war es wichtig, weil das Turnier für den Verein aus der Historie heraus sehr prestigeträchtig ist und uns der Sieg einen Schub für die Rückrunde gegeben hat.“ Marcel Killat gerät ins Schwärmen, wenn er an die ersten Januartage des Jahres 2020 denkt. Der 27-Jährige ist Rückraumspieler des Handball-Württembergligisten TSV Deizisau, seit dieser Saison ist er der Kapitän der Mannschaft. Er erinnert sich mit Freude daran, wie das Team vor einem Jahr den EZ-Pokal gewonnen hat – zum ersten Mal nach elf Jahren wieder und insgesamt zum elften Mal, wodurch der Club seine Position als Rekordsieger ausgebaut hat. Killat wurde zudem von den Lesern der Eßlinger Zeitung zum „EZ-Pokal-Star“ gewählt. „Das war die Krönung“, sagt er.

Und jetzt? Killat ist zu Hause. Der Finanzberater der Kreissparkasse hat noch ein paar Tage Urlaub. Zum Schlitten- oder gar Skifahren zieht es ihn nicht. Und vor allem: Der EZ-Pokal fällt zum ersten Mal in seiner 27-jährigen Geschichte aus. Zumindest am traditionellen Zeitpunkt um den Dreikönigstag.

„Es ist schon komisch“, erklärt Killat. „Normalerweise ist es jedes Jahr so: Man feiert Silvester, dann trifft man sich zu einem Training – und am 4. Januar steht man beim EZ-Pokal in der Halle.“ Form testen, andere Sportler treffen – und so weit wie möglich kommen. Die Idee, das Turnier kurz vor dem Neustart nach der Corona-Pause im kleineren Rahmen als Testspiel-EZ-Pokal beim diesjährigen Ausrichter TSV Denkendorf nachzuholen, findet Killat gut: „Wenn es in diesem Rahmen stattfinden könnte, wäre es nicht verkehrt – das ist schon anders, als nur zu trainieren.“ Wobei der Rückraumspieler schon froh wäre, bald zumindest wieder zu Übungseinheiten in die Halle zu dürfen. Er hält sich mit den Online-Einheiten von Trainer Stefan Eidt fit, nutzt den Kraftraum eines Nachbarn und geht mit seiner Freundin Stephanie Nüßle, die beim Landesligisten SG Hegensberg/Liebersbronn spielt, joggen. „Es klappt ganz gut“, sagt Killat. „Aber die Pause ist jetzt schon lang.“

Den zuvor letzten EZ-Pokalsieg der Deizisauer hatte Killat einigermaßen knapp verpasst. Das war im Januar 2009 durch einen Finalsieg gegen den TSV Wolfschlugen. Als 17-Jähriger schaffte er es im Sommer 2010 in die erste Mannschaft, zuvor war er bei der JSG Deizisau/Denkendorf ausgebildet worden. Bei seinem ersten Turnier spielte er gleich das Finale gegen den TSV Neuhausen – gegen den es auch im vergangenen Jahr ging: „Wir standen so oft im Endspiel und mussten immer den anderen beim Jubeln zusehen – da hat es vor einem Jahr natürlich viel mehr Spaß gemacht, zu gewinnen.“

Killat ist mittlerweile der Dauerbrenner bei den Deizisauern. Und stets ein erfolgreicher Torschütze. Vom A-Jugendlichen, der bei der ersten Mannschaft mitspielen durfte, bis zum Kapitän reicht die Entwicklung. Eine fast logische Entwicklung. „Als ich angefangen habe, gab es noch viele erfahrene Spieler wie Dennis Prinz, Patrick Kleefeld, Timo Rapp oder Fabian Freiwald“, erzählt er. Irgendwann rückte die Generation mit ihm und etwa Frieder Gänzle und Moritz Eisele in den Vordergrund. Gänzle und Eisele sind mittlerweile zu ihrem Heimatverein TSV Köngen zurückgekehrt. Killat ist übrig geblieben und trotz des einen oder anderen erfahrenen Zugangs der Kopf der Mannschaft geworden. „Es war ein Prozess. Es hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr dahin entwickelt, dass ich Verantwortung übernommen und etwa einen engen Kontakt mit dem jeweiligen Trainer habe – schon bevor ich Kapitän war“, erklärt er.

Natürlich gab es die eine oder andere Anfrage. Und auch „war die Entwicklung in den vergangenen Jahren sehr holprig“, wie Killat erklärt. Aber er ist froh, dass er jedem Lockruf widerstanden hat. „Ich fühle mich wohl“, sagt er, „ich weiß, was ich in Deizisau habe.“ Gemerkt hat er das auch vor zwei Jahren, als er sich eine schwere und langwierige Sprunggelenkverletzung mit Wadenbeinbruch zugezogen hatte. „Der Verein hat mir alle Zeit gegeben, wieder fit zu werden. Das hatte ich so nicht erwartet“, sagt er.

Jetzt ist er topfit. Und findet es schade, dass die Saison nach nur zwei – siegreichen – Spielen für die Deizisauer unterbrochen wurde. „Einen Plan hat der Verein schon länger. Aber jetzt hat man gemerkt, dass es mit dem neuen Trainer einen Ruck gegeben hat“, erklärt er. „Der Saisonstart hat sich sehr gut angefühlt.“

Nun hofft er, dass es irgendwann weitergeht und zumindest der im Moment angepeilte Re-Start-Termin Mitte März gehalten werden – und die Mannschaft dann an die Leistungen vor der Unterbrechung anknüpfen kann. Deizisau-Dauerbrenner Marcel Killat ist bereit. So, wie er es auch für einen EZ-Pokal in diesen Tagen gewesen wäre. Als Wechselbörse, als die das Turnier auch gilt, hätte er ihn allerdings nicht gebraucht.

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