Pyrotechniker Bernd Kaiser erklärt den Leserinnen und Lesern der EZ, wie ein Feuerwerk entsteht. Foto: Katja Eisenhardt - Katja Eisenhardt

Was hinter den Kulissen der Flammenden Sterne passiert durften einige EZ-Leserinnen und Leser aus erster Hand von Profi Bernd Kaiser lernen.

OstfildernEs ist viertel vor sieben am Freitagabend. Vor dem großen weißen VIP-Zelt auf dem Gelände der Flammenden Sterne im Scharnhauser Park hat sich eine Gruppe sehr gespannter Leserinnen und Leser der Eßlinger Zeitung versammelt. In der 17. Veranstaltungsrunde sorgen diesmal Pyrotechnik-Teams aus Indien, Singapur und Schweden für ein buntes Spektakel am Nachthimmel. Die Besuchergruppe erfährt im Vorfeld, was die Pyrotechniker hinter den Kulissen leisten.

Den Auftakt bestreitet an diesem Freitagabend das indische Team um Jitu Desai, dass sich zur musikalischen Untermalung seines Feuerwerks für typische Bollywood-Filmmusik entschieden hat. „Ein indisches Team hatten wir in den 17 Jahren seither noch nie hier, da darf man gespannt sein“, sagt Elke Cosmo von MPS – der Gesellschaft für Marketing- und Presseservice aus Leinfelden-Echterdingen, die die Flammenden Sterne organisiert.

Bevor die Feuerwerkskörper am späteren Abend in den Nachthimmel steigen, wartet auf die EZ-Leser ein besonderer Blick hinter die Kulissen: Gemeinsam mit Pyrotechniker Bernd Kaiser vom Unternehmen IP Innovative Pyrotechnik mit Sitz in Ehningen (Kreis Böblingen), dessen Chef der zweifache Pyrotechnik-Weltmeister Joachim Berner ist, geht es für die Gruppe in die ansonsten für Besucher abgesperrte Abschusszone.

Gestuftes Gesamtbild

„Wir waren schon öfter bei den Flammenden Sternen, so ein Blick hinter die Kulissen vorab ist aber wirklich mal spannend“, finden Christel und Walter Seyerle aus Esslingen. Dann geht es auch schon los. Die Abschussrampen sind in drei Bereiche aufgeteilt, erklärt Bernd Kaiser. Jene im oberen Bereich des Felds, die den Zuschauern auf dem Festgelände am nächsten sind, sind für die Raketen mit geringerer Flughöhe reserviert: „Das ist sozusagen das Bodenfeuerwerk mit den kleineren Effekten. Die erreichen etwa eine Höhe von 30 bis 40 Metern. Die zweite Reihe davor dann schon bis zu 75 Meter und die so genannten Feuerwerks-Bomben im unteren Bereich der Abschusszone werden aus Rohren bis auf 150 Meter hoch geschossen.“ Das ergebe dann ein schönes abgestuftes Gesamtbild, so Kaiser.

Eben das ist aus der Sicht des Experten eine der großen Herausforderungen für die Pyrotechnik-Teams. Denn für sie gelte es, bei den Flammenden Sternen eine gut 150 Meter breite „Leinwand“ zu bespielen. Im Gegensatz zu den Feuerwerksraketen, die einen eigenen Antrieb haben, – wie jene an Silvester – bekommen die bis zu zwei Kilo schweren Feuerwerksbomben laut Kaiser den notwendigen „Pulverstoß“ mittels elektrischem Zünder aus den Abschussrohren. Die Anordnung der Abschussvorrichtungen, die ein 15-köpfiges Team von IP Innovative Pyrotechnik aufgebaut hat, sei für alle drei Teams dieselbe. Mit Material befüllt werden sie dann aber für jedes Feuerwerk individuell. „Sie wissen vorab genau, wie viele Abschussvorrichtungen ihnen zur Verfügung stehen und wie diese angeordnet sind. Entsprechend können die Teams dann ihre Musikfeuerwerke planen“, erklärt Kaiser.

Vier Wochen auf Schiffscontainern

Und wie ist das mit dem Material? Das wollen einige EZ-Leserinnen und Leser wissen. Das bringe in der Regel jedes Team selbst mit. So seien die Feuerwerkskörper für das diesjährige indische Feuerwerk etwa vier Wochen mit dem Schiffscontainer unterwegs gewesen. Bis kurz vor Start bleiben die Rampen samt Material mit Planen abgedeckt und so vor möglichem Regen geschützt. „Wenn alles trocken bleibt, kann das Feuerwerk auch bei Regen problemlos geschossen werden. Das wird bei den Flammenden Sternen auch gemacht“, so Kaiser.

Seit 26 Jahren ist er selbst begeisterter Pyrotechniker: „Mich fasziniert daran, dass man das Feuer als eigentlich wildes, ungezähmtes Element mit einem Feuerwerk in Form und Farbe gießen kann und das mit zig unterschiedlichen Möglichkeiten.“ Das sei ein sehr kreatives Arbeiten, denn Pyrotechniker müssen sich ihre gesamte Show vorab allein im Kopf und als Komposition auf dem Computer vorstellen können. „Wie es am Ende dann live aussieht, ist immer wieder spannend“, sagt der Profi. Bei den Flammenden Sternen stehen den Pyrotechnikern insgesamt gut 2500 so genannte Adressen, also Zündpunkte, zur Verfügung. Über diese werden dann aus der Regie die Choreografien gesteuert. Erzeugt werden können bis zu 6000 Effekte, erfahren die Besucher.

Laurin Sautter ist nach der Tour in die Abschusszone begeistert. Der 18-Jährige kommt jedes Jahr mit seiner Familie aus Durach im Allgäu zu den Flammenden Sternen und ist ein großer Fan der internationalen Musikfeuerwerke. „Ich interessiere mich seit ich sechs Jahre alt bin sehr für Feuerwerke, das ging an Silvester los, als man selbst Raketen geschossen hat. Seither ist das ein großes Hobby, über das ich mir viel angeeignet habe.“

Auch seine Begleiterin Christel Luppa aus dem Esslinger Stadtteil Krummenacker ist großer Feuerwerksfan. Sie hat von dem Rundgang mit dem Experten viele neue spannende Infos mitgenommen. „Ich komme hier seit dem ersten Jahr jeweils an allen drei Abenden zu den Flammenden Sternen. Jetzt nach der Tour hinter den Kulissen schaue ich sie mir künftig noch genauer an“, sagt sie.

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