Textil-Test: Felipe Soteras Merz (Mitte) hat im Finale etwas dagegen, dass Nik Wittke ein Tor wirft. Foto: /Herbert Rudel

Der Drittligist gewinnt zum zehnten Mal den EZ-Pokal durch einen knappen 15:14-Finalsieg gegen die HSG Ostfildern. Die Zuschauer strömen in die Halle.

Der Favorit und Titelverteidiger hat gewankt, aber er ist nicht gefallen. Die Drittliga-Handballer des TSV Neuhausen haben das spannende Finale des 28. EZ-Handballpokals gegen die HSG Ostfildern mit 15:14 (7:9) gewonnen und sind mit nunmehr zehn Gewinnen dem Rekordsieger TSV Deizisau dicht auf den Fersen. Die Deizisauer, die bei elf Triumphen bleiben, gewannen das Spiel um Platz drei mit 14:12 (11:11; 5:9) im Siebenmeterschießen gegen die Bundesliga-A-Jugend von Frisch Auf Göppingen, die zum ersten Mal teilnahm und das Turnier mit frischem Handball belebte.

Überhaupt war das Turnier, das von Kaufland sowie der Volksbank Mittlerer Neckar unterstützt wird, nach all dem Hin und Her um Vorfeld mit einem kleineren Teilnehmerfeld, zwei Absagen, dem Einspringen von Frisch Auf sowie der Reduzierung von drei auf zwei Turniertage ein spannendes und stimmungsvolles Ereignis. Die Ränge waren bereits beim ersten Spiel zwischen dem Team Esslingen und der SG Hegensberg/Liebersbronn rappelvoll, insgesamt kamen 2500 Zuschauer in die Halle des Sportparks Weil, wo der EZ-Pokal zum zweiten Mal zu Gast war. Ein hervorragender Gast-Geber war der ausrichtende TSV Denkendorf.

HSG hat lange Oberwasser

„Wenn man den Pokal in den Händen hat, dann spielt es keine Rolle, wie man vorher gespielt hat. Das will man einfach“, sagte Neuhausens Kapitän Hannes Grundler nach dem Final-Krimi. Trainer Tobias Klisch haderte mit der Fußverletzung von Leistungsträger Timo Durst und sah „aus Trainersicht mit Ausnahme des Finales einen eingeschränkten sportlichen Wert“, was seiner Meinung nach auch an der Abwesenheit einiger Mannschaften lag. Aber ansonsten fand er den EZ-Pokal bei seiner Premiere ein „geiles Turnier“ und zog ebenfalls den imaginären Hut vor dem Ausrichter aus Denkendorf. Im letzten Spiel wurden die Neuhausener von der HSG, die es zum ersten Mal ins Finale geschafft hatte, tatsächlich stark gefordert. Das Team aus der Baden-Württemberg Oberliga hatte noch genug Körner, um seinen Jugend-Spielgemeinschaftspartner zu ärgern – und lange Oberwasser. Mit 9:6 führten die Ostfilderner. Erst in der 20. Minute gelang Neuhausens Julian Reinhardt der Treffer zum 11:11-Ausgleich, Patrik Letzgus und Philipp Keppeler sorgten für die 13:11-Führung. Die Vorentscheidung war aber erst mit Keppelers Tor zum 15:12 drei Minuten vor dem Ende der zwei Mal 15-minütigen Spielzeit gefallen.

„Ich bin einfach nur stolz“, überwog bei HSG-Coach Marco Gaßmann die Freude über die starke Leistung, obwohl auch er in Raul Preisser einen – am Knie – Verletzten zu beklagen hatte. „Die Vorzeichen waren nicht so gut und wir haben uns ein bisschen durch die Partien geschleppt“, erklärte Gaßmann, „aber im Finale haben wir unsere stärkste Leistung gezeigt. Ich glaube, das war auch gut fürs Turnier.“ Die Zuschauer jedenfalls dankten es, indem sie von der ersten bis zur letzten Minute mitgingen.

Frisch-Auf-Talente begeistern

Freude hatten die Fans auch an Ex-Bundesliga-Profi Manuel Späth. Der war aus dem Urlaub kommend am Sonntag zum HSG-Team gestoßen. Er hatte einfach große Lust mitzuspielen. „Es war ein bisschen schade, dass wir das noch aus der Hand gegeben haben“, sagte er, „aber wir können zufrieden sein.“ Zuletzt, erinnerte sich Späth, hatte er im Jahr 2006 im Neuhausener Trikot mitgespielt: „Ich habe den EZ-Pokal noch nie gewonnen.“ Das aber kann ja noch werden.

Es fehlten zwar diesmal ein paar der üblichen Verdächtigen im Teilnehmerfeld. Aber die Mannschaften, die da waren, machten Spaß. Gerade auch die unterklassigen Teams HSG Ebersbach/Bünzwangen aus der Landes- und HSG Owen/Lenningen aus der Bezirksliga überraschten so manchen Zuschauer, der Höherklassigeres gewohnt ist. Geradezu für Begeisterung sorgte der talentierte Frisch-Auf-Nachwuchs. Dessen Coach Gerd Römer sah zwar wie alle seine Kollegen noch das eine oder andere, was es zu verbessern gibt, war aber insgesamt „sehr zufrieden“. Und es ist ja auch gut, wenn es einen Lerneffekt gibt. Im kleinen Finale gegen die Deizisauer spielten die Göppinger lange groß auf, führten mit 10:5 und zwei Minuten vor dem Spielende noch mit 11:10. Doch Yannik Taxis glich per Siebenmeter zum 11:11 aus und nach vergebenen Chancen auf beiden Seiten ging es ins Siebenmeterwerfen. Hier hatten die Deizisauer die besseren Nerven und Torhüter Alin Illi Hand oder Fuß an der richtigen Stelle.

„Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass man bei einer Führung nicht denken kann, dass es leicht einfach weitergeht – so ist Handball nicht“, erklärte Römer, und war dennoch guter Laune. Das war auch Dezisaus Coach Stefan Eidt, dessen Team ebenfalls dezimiert ins Turnier gestartet war, es aber über beide Tage sehr gut machte. „Am Ende können wir zufrieden sein. Zunächst waren die Göppinger spritziger und uns im Eins-gegen-Eins überlegen“, sagte er, „unsere Spieler aus der zweiten Mannschaft haben uns das Unentschieden gerettet – und dann war da Alin.“

Grinsend fügte Eidt noch hinzu: „Was wäre ein EZ-Pokal ohne ein Siebenmeterwerfen?“ Die Neuhausener ließen währenddessen den Sekt spritzen und auch Trainer Klisch eine entsprechende Dusche zukommen. Der EZ-Pokal erfahrene Kapitän Grundler dachte derweil schon an das nächste Jahr und an seine Abschiedssaison nicht nur bei den Neuhausenern: „Noch ein Mal den EZ-Pokal gewinnen, dann kann ich in Rente gehen.“ Wenn es so kommt, ist das dann eine neue Geschichte.

Vom EZ-Pokal berichten: Sigor Paesler, Robin Kern, Andreas Pflüger, Sandra Belschner, Kerstin Dannath, Max Bruns, Steffen Wahr (Text und Online), Herbert Rudel (Fotos).