Moritz Lohmüller (in schwarz), eines der Urgesteine des TSV Deizisau, hält dagegen. Die Niederlage beim EZ-Pokal gegen den TB Ruit – und letztlich auch das Aus seines Teams nach der Vorrunde – konnte aber auch der Routinier nicht verhindern. Foto: Robin Rudel

Die Fußballer des TSV Deizisau wolle sich in der Kreisliga A erst mal zurechtfinden. Neu-Trainer Felix Luz setzt auf die familiäre Atmosphäre im Verein -und auf den Leistungswillen.

Die Stimmung in Reihen der Fußballer des TSV Deizisau war – vorsichtig formuliert – nicht gut: am Mittwochabend nach dem 1:3 gegen den TB Ruit nicht und tags darauf nach einem 0:2 gegen den TSV Denkendorf noch weniger. Das Aus nach der Vorrunde des EZ-Pokal war für den Bezirksliga-Absteiger damit so gut wie besiegelt, stand am späten Donnerstagabend nach dem 2:1-Erfolg des TB Ruit gegen den TV Hochdorf endgültig fest.

Wer die beiden Partien der Deizisauer in Reichenbach gesehen hat, dem ist auch klar, dass die jüngste Aussage des neuen Trainers Felix Luz, dass man in der bevorstehenden Runde in der Kreisliga A nicht um den Titel und den Wiederaufstieg mitspielen werde, alles andere als ein Fall von klassischem Understatement ist. „Der Bezirksligaabstieg ist nicht einfach so gekommen, dafür gibt es Gründe“, sagt er. „Meine Aufgabe ist es, Lösungen zu finden und eine Entwicklung einzuleiten. Aber das ist ein Prozess“, stellt Luz klar. Vordringlich sei es, den Spaß am Fußball wieder zu wecken und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Lohmüller: Es ist unsere Verantwortung

Das mit dem Gemeinschaftsgefühl ist in Deizisau generell zwar kein Problem – von den Spielern, die dort sind oder waren, ist das immer wieder zu hören. Mit Erfolgserlebnissen fällt aber natürlich alles etwas leichter und sie lösen womöglich die zurzeit auf dem Platz in vielen Aktionen deutlich zu Tage tretenden Verkrampfungen. Alles andere als selbstverständlich ist es wiederum, dass gestandene Kicker, die schon in der Landesliga und zuletzt in der Bezirksliga aufgelaufen sind, dem TSV trotz der sportlichen Talfahrt die Treue gehalten haben.

Moritz Lohmüller ist einer von ihnen. Mehr als 350 Spiele hat der 30-Jährige für die Deizisauer – „in elf oder zwölf Jahren, so genau weiß ich das gar nicht“ – bereits absolviert und ist trotz Angeboten von anderen Clubs geblieben. „Wir Alten haben uns, als der Abstieg absehbar war, verständigt, dass wir ligaunabhängig zusammenbleiben wollen“, erklärt er. Und fügt hinzu: „Es ist unsere Verantwortung, den Karren gemeinsam wieder aus dem Dreck zu ziehen.“

Auch war Joscha Ganter war klar: „Ich bleibe in Deizisau.“ Foto: Robin Rudel

Das sieht sein Teamkollege Joscha Ganter, der in acht Jahren rund 250 Spiele für Deizisau absolviert hat, genau gleich: „Klar, ich mach’ das letztlich alles für den sportlichen Erfolg, aber viele von uns bleiben dem Verein treu, weil der eben etwas Einmaliges ist“, sagt der 27-Jährige. Die vergangene Saison sei ohne jeden Zweifel schlecht gelaufen. Die Atmosphäre und das Drumherum hätten aber trotzdem gestimmt, ergänzt er.

Lohmüller meint den Grund zu kennen, warum das so ist: „Viele von uns kommen aus dem Ort und betrachten den TSV als Teil ihrer Familie.“ Auch Spieler, die neu hinzustoßen, würden schnell merken, „dass das etwas anderes ist als anderswo“. Und dass jetzt mit Luz ein „Coach mit Stallgeruch“ das Sagen hat, „tut uns ebenfalls gut“, betont er. „Felix ist ebenfalls von hier und wird als ehemaliger Spieler den Spagat zwischen Kumpeltyp und Trainer sicherlich hinkriegen“, ist Lohmüller überzeugt.

Luz: Erst ein Reset und dann angreifen

Luz selbst, der viele Jahre Fußball-Profi war und die A-Lizenz innehat, spricht von einer „Gratwanderung“. Zwar funktioniere in Deizisau der Vereinsgedanke, aber er fordere von den Spielern dennoch Leistungswillen ein. „So wie hier beim EZ-Pokal war das gar nichts, weil die Einstellung nicht gestimmt hat“, stellt er klar. Für ihn zähle daher auch nicht in erster Linie das Siegen, sondern wie sich das Team präsentiere.

Dass er selbst dabei die Maßstäbe ab und an zu hoch ansetzen könnte, räumt Luz ein: „Ich weiß aber sehr wohl, dass die Situation gerade in Deizisau eine andere ist. Man kann bei uns nichts verdienen, weshalb unsere Zugänge für die neue Saison alle von unten kommen.“ Genau darin liege aber der Reiz, der ihn bewogen habe, sich der Traineraufgabe zu stellen. „Wir sind uns einig, dass wir die erste Saison für einen Reset brauchen, um dann in der zweiten wieder angreifen zu können“, sagt er und setzt auf Geduld.

Damit könnte es klappen, denn in Familien hat man die ja für gewöhnlich.