Rundum zufriedene Gesichter bei der Siegerehrung, von links: EZ-Sportchef Sigor Paesler, Fabian Stuckstedde und Mathias Wichary von Leos Sportmarketing, Aleksandar Mojasevic vom FC Esslingen, Lucas Gehret vom FV Plochingen, Alassane Braun vom TSV Deizisau, Sebastian Franken vom TSV Berkheim, Irene Grimme von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, Baltmannsweilers Bürgermeister Simon Schmid und Stephan Bender vom TSV Baltmannsweiler. Foto: /Herbert Rudel

Der Ball ist rund – und es lief rund beim 45. EZ-Fußballpokal in Baltmannsweiler. Bei dem Traditionsturnier geht es entspannter und familiärer zu als während der Punktspielrunde. Die Szene trifft sich, man tauscht sich aus – und nimmt sich auch mal gegenseitig auf die Schippe. Rund um das Spielgeschehen herum gibt es jedenfalls einiges zu entdecken.

Auf dem Rasen und auf dem Kunstrasen wird Fußball gespielt, aber auch rund um den EZ-Pokal ereignet sich eine Menge. Keiner kann alles mitbekommen – manches aber kriegt man doch mit.

Das Wetter hält – fast

Dreieinhalb Turniertage lang herrschte in Baltmannsweiler allerbestes Fußballwetter. Am Finaltag gab es dann zuerst ein paar Tropfen, während des Endspiels regnete es richtig. Aber als schlechtes Fußballwetter kann man das ja auch nicht bezeichnen. Die Zuschauer fanden derweil Schutz unterm erweiterten Dach der Sporthalle. Alles gut also. Zwischenzeitlich fiel durch den Regen zwar die Sprecheranlage aus, doch die hatten Stephan Bender und seine Helfer vom TSV schnell wieder in Gang gesetzt.

Und draußen die Blaue Bande

Allein gelassen werden die Fußballer des TSV Berkheim nur selten. Wenn die Blau-Weißen kicken, tobt draußen die BBB, die Blaue Bande Berkheim. Beim EZ-Pokal war das nicht anders. Mit Pauken, Fahnen und Megafon feuern die Fans im Teenager-Alter das Team an. „Normalerweise sind wir 15 bis 20 Leute“, erzählt Cem Spadavecchia, „hier fehlen zwar ein paar, aber dafür schreien wir anderen noch lauter“. Mit dem 2:0-Sieg gegen die SG Schurwald in der Gruppenphase war der 13-Jährige zufrieden und analysierte die Partie fernsehexpertengerecht: „Wir haben es richtig toll gemacht und viele Chancen gehabt, aber der SG-Torwart ist echt ein Guter.“ Das 2:1 in der letzten Vorrundenpartie gegen den Türk SV Ebersbach sowie das glatte 5:0 im Viertelfinale gegen den TSV Scharnhausen stellte die Blaue Bande dann ebenfalls sehr zufrieden. Und auch nach dem respektablen 0:1 in der Vorschlussrunde gegen den FC Esslingen gab es gebührenden Applaus für die TSV-Kicker.

Party unterm Dächle

Wenn man in Baltmannsweiler und der näheren Umgebung hört, dass „unterm Tennis-Dächle“ was los ist, dann geht man da hin – denn es spricht für Party. Für gute Party. Beim EZ-Pokal hatten unterm Tennis-Dächle die Fußball-Frauen des TSV Baltmannsweiler am Freitagabend die After-Soccer-Party unter dem Motto „Carpe diem“ organisiert. Petra Böhme, die Betreuerin der Fußballerinnen, wirkte am nächsten Tag angesichts des Geleisteten und der kurzen Nacht erstaunlich frisch und war bester Laune. „Bis um halb Fünfe“ sei es gegangen und gut besucht gewesen. Viele kamen direkt vom unterhaltsamen Abschlussspiel der Baltmannsweilerer gegen den FC Esslingen rüber zur Party. Caipirinha, Aperol und „alle möglichen Wodka-Mischgetränke“ seien der Renner gewesen, erklärte Böhme – und machte sich weiter ans Aufräumen.

Taktisch variabler Goalgetter

Für die beeindruckend aufspielenden Berkheimer reichte es am Ende zwar „nur“ zu Platz vier. Dafür sicherte sich TSV-Spieler Obaidullah Sadat – in einem ebenfalls engen Rennen – mit vier Treffern den Titel des Torschützenkönigs. Kurios: Der 27-Jährige ist eigentlich Abwehrspieler und verteidigte auch im Halbfinale gegen den FC Esslingen in der Fünferkette. In anderen Partien wurde er jedoch in der Sturmspitze aufgestellt, unter anderem im Viertelfinale gegen den TSV Scharnhausen, als ihm ein Dreierpack gelang – ein taktisch variabler Goalgetter.

Schrecksekunde

Die Spiele beim EZ-Pokal waren insgesamt sehr fair. Eine Schrecksekunde aber gab es, allerdings fiel das Ganze keinesfalls in die Kategorie Foul. Kurz vor dem Ende des Spiels zwischen dem FV Neuhausen und dem TV Unterboihingen II war Unterboihingens Christian Scheiffele bei einem Kopfballduell unglücklich mit dem Neuhausener Luis Herzog zusammengeprallt und zog sich eine kräftig blutende Platzwunde am Kopf zu. Minutenlang wurde Scheiffele von den Ersthelfern Ralf Heber und Markus Wien behandelt. Dann aber stand er, mit einen dicken, rot gefärbten Verbandsturban am Kopf, wieder – und konnte sogar schon wieder lachen. „Mir geht es einigermaßen. Ich habe keine Kopfschmerzen, aber ich merke schon, dass da was ist“, sagte Scheiffele, ließ sich zur Sicherheit aber zur Untersuchung ins Krankenhaus fahren. Neuhausens Herzog setzte, ebenfalls zur Sicherheit, am Finalsamstag aus. Beim FVN stand derweil Ugur Yilmaz am Spielfeldrand und musste das Wort „Spieler“ aus dem Begriff „Spielertrainer“ streichen. Er hatte sich am Vortag eine Verletzung am Mittelfuß und am Knie zugezogen. Wie schlimm es ist, wird er bei einem Arztbesuch am Montag klären.

Den Referee fair korrigiert

Dass es immer wieder mal zur Sache und auf die Socken geht, gehört im Fußball dazu. Dass Spieler den Schiedsrichter kritisieren ebenfalls. Eher selten hingegen korrigieren Akteure Fehlentscheidungen des Referees, die zu ihren Gunsten ausfallen. Athanasios Ketsemenidis hat es getan. Der Außenbahnspieler des FC Esslingen wollte einen Strafstoß, der keiner war, auch nicht haben. In der EZ-Pokal-Partie gegen den VfB Oberesslingen/Zell war Ketsemenidis hart angegangen, aber nach eigenem Bekunden eben nicht am Schienbein getroffen worden. Das hatte der Unparteiische Alexander Amann anders gesehen – und beim Stand von 0:0 Strafstoß gepfiffen. Ketsemenidis suchte das Gespräch und schilderte seine Sicht der Dinge. Amann bedankte sich, nahm den Elfer zurück und setzte die Partie mit einem Schiri-Ball fort.

Trainieren oder schlafen?

Mannschaften und Vereinshelfer bekommen beim EZ-Pokal traditionell T-Shirts. Während die diesmal grauen der Helfer traditionell aus Baumwolle hergestellt wurden, bekamen die Spieler zum ersten Mal gelbe aus Funktionsstoff, die sich besser für das Training eignen. Die kamen gut an. Nur einer meinte, ihm seien die aus Baumwolle lieber gewesen: „Das sind traditionell meine Schlafshirts.“ Da hilft nur eins: Den EZ-Pokal in den kommenden Jahren mal ausrichten und mithelfen, dann gibt es wieder eins aus Baumwolle – in Wunschfarbe dazu.

Trefferflut an der Torwand

Regelmäßige Sportstudio-Gucker wissen: Torwandschießen ist nicht so einfach. Drei oder mehr Treffer gibt es nicht allzu oft. Das war beim EZ-Pokal anders: Von 70 Schützen trafen gleich 16 dreimal oder noch öfter. Die besten waren Nicklas Grimme und Henrik Blase, die das Runde jeweils fünfmal ins Runde setzten. Zum notwendigen Shoot-Out am Samstagabend war Blase allerdings nicht mehr da, sodass der zwölfjährige Nicklas als Hauptpreis einen vom Bundesliga-Team des 1. FC Heidenheim signierten Spielball „kampflos“ vom Preistisch nehmen durfte. Leer gingen aber auch die anderen erfolgreiche – und anwesenden – Schützen nicht aus.

2025 in Reichenbach

Wie immer gilt: Nach dem EZ-Pokal ist vor dem EZ-Pokal. Die Ausgabe 2025 wird beim VfB Reichenbach ausgerichtet. „Wir möchten in unserem Verein etwas entwickeln. Der EZ-Pokal soll ein Zeichen für die Zukunft sein“, erklärte der neue Fußballabteilungsleiter Ioannis Fotarellis. „Wir haben schon mit allen gesprochen, der ganze Verein wird mit anpacken“, erklärte er weiter. So war das auch diesmal beim TSV Baltmannsweiler.