Armin Siglers Stil als Bezirksspielleiter kommt bei den Kickern der Region an. Er kennt die Vereinsarbeit von innen.
Sich mit Armin Sigler während des EZ-Fußballpokals zu unterhalten, ist gar nicht so einfach. Das Traditionsturnier ist der Treff der Szene und fast jeder kennt den 51-Jährigen. Entsprechend oft wird er angesprochen. „Die Spielpläne passen“- „Danke.“ – „Und, läuft alles?“ – „Muss.“ Zwischendurch gibt es auch kurze Fachgespräche zu Themen wie Bezirkspokal oder die geplante Einführung der Kreisliga C. Immer merkt man, wie viel Anerkennung Sigler entgegengebracht wird. Das hat er sich erworben, seit er vor drei Jahren das Amt des Bezirksspielleiters übernommen hat.
Siglers Stil kommt an. Zudem spüren die Fußballer des Bezirks Neckar/Fils, dass er nicht nur viel Herzblut, sondern auch viel Akribie in den Job steckt. Was rauskommt, soll passen. Für den Verband, aber vor allem für die Kicker. „Das positive Feedback der Vereine ist ein Antrieb“, erklärt er. Und: „Ich wollte die rote Linie durchbrechen, damit es nicht mehr wie früher heißt: Hier wir vom Bezirk und da die von den Vereinen.“ Natürlich klappt das nur, weil es auch seine Funktionärskollegen des Bezirks so sehen.
Vom Tor bis in den Angriff
Dass Sigler dieser Umgang so leicht fällt, liegt auch daran, dass er lange einer von „denen von den Vereinen“ war. Und wahrscheinlich auch, dass er eine ganze Reihe von Clubs von innen kennengelernt hat. Er ist ein Kind des Fußballs. Beim TSV Deizisau hat er in der Jugend mit dem Kicken angefangen, hat später beim TSV Wernau und dem TSV Berkheim gespielt. Dabei ist er vom Tor über die Libero-Position und den Vorstopper – ja, das gab es früher mal – bis in den Angriff vorgerückt. Trainer und Funktionär war er beim FV 09 Nürtingen, beim TSV Weilheim und bis zur Saison 2017/2018 beim TSV Wendlingen. Mittlerweile wohnt er mit seiner Frau Natalie in Hochdorf und ist Mitglied beim benachbarten TSV Notzingen.
Dass Sigler zum Funktionär wurde, lag vor allem an seiner Schiedsrichter-Tätigkeit, die ihn bis auf Landesligaplätze führte. Mit seinem Schiri-Kumpel Michael Lenz hat er lange das Hallen-Turnier der Gruppe Esslingen organisiert. Und da fiel sein Organisationstalent nicht nur Lenz, sondern auch Rainer Veit auf. Der damalige, im Jahr 2023 verstorbene, Bezirksvorsitzende machte ihn im Jahr 2018 zum Staffelleiter der Kreisliga B 2. „Machte“ passt als Begriff, denn Sigler erzählt lachend, wie ihm Veit damals eigentlich keine Wahl ließ.
Genauso war es auch, als im Jahr 2022 Johannes Veit als Bezirksspielleiter zurücktrat. „Wir brauchen einen Nachfolger“, sagte Rainer Veit zu Sigler. „Was hat das mit mir zu tun?“, fragte der – und wusste die Antwort schnell. Sigler machte es, und musste sich einiges erarbeiten. „Das Organisieren kannte ich von der Arbeit als Staffelleiter, aber vieles andere war neu, etwa die Anforderungen vom Württembergischen Fußballverband“, erklärt er und fügt lachend hinzu: „Mittlerweile weiß ich, was zu tun ist.“ Neu war für ihn etwa auch die zum Bezirk gehörende Region Göppingen. Das änderte er: „Ich bin in meinem ersten Jahr jedes Wochenende auf den Fußballplatz gegangen, vor allem Richtung Göppingen.“ Sich zeigen, mit den Leuten reden, für die Vereine da sein – das ist immer noch sein Credo.
2022 war insgesamt ein sehr prägendes Jahr für Sigler. Er heiratete seine Natalie, die er bei einem Schiedsrichter-Turnier kennengelernt und später auch von der Verbandsarbeit überzeugt hatte. Nach der Rückkehr aus den Flitterwochen übernahm er den Job des Bezirksspielleiters. Wenige Wochen später bekam er die Diagnose Darmkrebs. Es war eine harte Zeit. Für seine Fußballer war er aber weiter da. „Es hat mich abgelenkt. Ich bin keiner, der daheim rumsitzen kann“, sagt er. Vor einem Jahr erklärten ihm die Ärzte, dass er krebsfrei sei. „Mir geht es wieder gut“, sagt Sigler, der für den Broterwerb als Fachkraft für Schutz und Sicherheit arbeitet.
Familienabende am Laptop
Der Job des Bezirksspielleiters und dazu immer noch des Staffelleiters ist zeitaufwendig, fordernd und birgt stets neue Herausforderungen. „Es macht Spaß“, sagt Sigler. Regelmäßig steckt er mit Lenz („Armin ist der beste Spielleiter, an den ich mich erinnern kann“), der die A 1 und die B 1 verantwortet, die Köpfe zusammen. Und er genießt es, wenn er und seine Natalie abends, wenn die Kinder im Bett sind, beide mit ihrem Laptop am Tisch sitzen und Pläne machen. Natalie Sigler für die Regionenliga 3 sowie die Bezirksliga der Frauen, Ehemann Armin für die B 2 und den Bezirkspokal, den er auch verantwortet. „Wenn Natalie telefoniert, sagt sie manchmal, dass sie noch mit dem Bezirksspielleiter Rücksprache halten muss und erklärt, dass er ihr gegenüber sitzt – dann müssen wir beide lachen“, erzählt er.
Aber er ist auch gerne draußen bei den Vereinen. Dort wissen sie: Sigler ist einer, der nicht von oben herab Verbandsarbeit macht und den Kickern irgendwelche Spielpläne diktiert. Er versucht, allen gerecht zu werden und wenn es mal nicht klappt, erklärt er, warum. Wenn ein Spielplan an einer Stelle nicht ideal für einen Club ist, dann ist das so, weil es nicht anders geht. Ihr Bezirksspielleiter hat es versucht. Und allermeistens findet er auch eine Lösung.
Wenn man dann beim EZ-Pokal doch die Gelegenheit für eine längere Unterhaltung hat, dann erklärt Sigler voller Leidenschaft, wie das ist mit den Spielplänen und warum die ab der Saison 2026/2027 kommende Kreisliga C – die 92 Prozent der Bezirksvereine in einer Online-Umfrage befürwortet haben – gut für den Fußball ist. Gut für den Fußball, dessen Kind auch Armin Sigler ist.