Ein Leben für Journalismus, Politik und vor allem Fußball.
Heute kann man das erzählen“, sagt Lothar Mahling und lacht herzhaft. Es ist eine Geschichte von sehr vielen, die der 73-Jährige aus seinem „vollen Lebenslauf“ zum Besten geben kann. Und die eine Menge über ihn erzählt. Es muss irgendwann in den 1980er-Jahren gewesen sein. An einem Tisch in der FDP-Zentrale in Bonn saßen die Parteigrößen Martin Bangemann, Otto Graf Lambsdorff, Hans-Dietrich Genscher sowie Lothar Mahling und sprachen über Termine. Es ging um einen Sonntag. Bangemann nahm kurz Blickkontakt zu seinem langjährigen Vertrauten Mahling auf, der schüttelte sachte mit dem Kopf – und der Termin wurde auf einen anderen Tag gelegt.
Bälle aus der Fils fischen
Der Bundesminister und spätere EU-Kommissar Bangemann wusste so, dass an besagtem Sonntag der VfB Reichenbach spielte. Und da war Mahling, der damalige Sprecher der Bundes-FDP, immer dabei. „Der VfB stand an erster Stelle“, erklärt er – Bangemann akzeptierte das. Nach 65 Jahren mit vielen Vereinsämtern („alles außer 1. Vorsitzender“) hat sich Mahling vor wenigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen von seinem letzten Posten, dem Vorsitz des von ihm gegründeten Freundeskreises, zurückgezogen.
Wobei es nicht so ist, dass Mahling ein begnadeter Fußballer war. Er kickte ab dem Jahr 1960 in Reichenbach, wohin er als Dreijähriger mit seiner Mutter aus der damaligen DDR geflohen war, bezeichnet sich selbst aber als talentfrei. Deshalb wurde er schnell zum Betreuer der Mannschaft, in der sein Bruder Klaus die Meriten einheimste. Und er hatte eine weitere wichtige Aufgabe: Mit einem Kescher Bälle aus der Fils fischen, die immer wieder vom damaligen Sportplatz neben dem Fluss nicht aufs Tor, sondern eben dorthinein geflogen waren. „Manchmal musste ich bis nach Plochingen laufen, da hat mich dann nach dem Spiel jemand abgeholt und ich bekam ein Vesper und fünf Mark – das war eine Menge Geld für mich“, erzählt er.
Von der Fils ins EU-Parlament
Mittlerweile nach Geislingen gezogen, spielte Mahling dort beim TV Altenstadt Feldhandball – mit etwas mehr Talent als fürs Kicken. Sein Herz aber gehörte dem VfBR, wohin er mehrfach die Woche mit dem Fahrrad fuhr – bei Wind und Wetter, was auch die eine oder andere Anekdote hergibt.
Der Fußball verhalf ihm ab 1967 auch zu seinem Einstieg in den Beruf – jedenfalls war er nicht der Erste, der vom Pressewart eines Vereins zum Journalisten wurde. Volontariat bei der Geislinger Zeitung, Redakteur, Pressesprecher der Landes- und Bundes-FDP sowie der Liberalen Fraktion im EU-Parlament – wenn er gewollt hätte, wäre Mahling 1987 Regierungssprecher geworden. Er wollte aber freiberuflich arbeiten und tat das unter anderem für die Eßlinger Zeitung.
Seine Berufung aber war all die Zeit der Fußball, vor allem der Amateurfußball. Der und die Vereinsarbeit bedeuten für Mahling „eine soziale Aufgabe“. Dass er mit zwei seiner Herzensangelegenheiten an Grenzen gestoßen ist, kann er mittlerweile verschmerzen. Wobei, zum Thema „Profi-Soli“, bei dem die Bundesliga-Vereine Teile ihrer riesigen TV-Einnahmen an die Amateurclubs abgeben sollten, kann er sich heute noch in Rage reden.
Die Sache mit der EU-Liga
Und dann war da die Sache mit der EU-Liga, die er gemeinsam mit „dem Franz und dem Rainer“ – Franz Beckenbauer und Kicker-Chefredakteur Rainer Holzschuh – initiieren wollte. Es hätte beinahe geklappt. Viele Jahre später kam der Wettbewerb so ähnlich – die Champions League.
Lothar Mahling sprüht vor Ideen und die Leidenschaft für den Amateurfußball ist ungebrochen. Aber er muss auf seine Gesundheit achten, die ihm schon länger zu schaffen macht. Seit einer großen Herz-OP im Jahr 2022 tritt er deutlich kürzer. Nachdem er seinen Nachfolger – neuer Freundeskreischef ist Reichenbachs stellvertretender Bürgermeister Axel Kern – eingearbeitet hat, will er „ab irgendwann auf den Platz gehen und nur zuschauen“. Vorher ist aber noch der EZ-Pokal. „Das ist das größte Turnier, das ein Verein hier veranstalten kann“, sagt Mahling. Und damit ganz nach seinem Geschmack.