Beim harmonischen und vom Blick an den Himmel geprägten EZ-Pokal gewinnt der FVP zum zweiten Mal: 1:0 im Finale gegen den TSV Berkheim. TSV Denkendorf und TSG Esslingen im Halbfinale.
Die 46. Ausgabe war ein denkwürdiger EZ-Fußballpokal: Wetterkapriolen und dadurch einer der längsten Finaltage in der Geschichte des Traditionsturniers, ein sehr kurzes und ein sehr langes Elfmeterschießen in den K.o.-Spielen, ein wunderbarer Gastgeber VfB Reichenbach und ein stolzer sowie verdienter Sieger FV Plochingen. Das Finale der beiden besten Mannschaften gewann der Bezirksligist gegen den Ligakonkurrenten TSV Berkheim durch ein spätes Tor von Steven Schötz mit 1:0 (0:0). Platz drei teilten sich der TSV Denkendorf und das Überraschungsteam TSG Esslingen.
Die Plochinger, die im vergangenen Jahr in Baltmannsweiler erst im Finale am diesmal fehlenden FC Esslingen gescheitert waren, holten den Wanderpokal der Eßlinger Zeitung nach dem Jahr 1990 erst zum zweiten Mal. „Es fühlt sich so gut an. Nachdem wir ein paar Mal Zweiter und Dritter geworden sind, haben wir endlich gewonnen“, jubelte der Siegtorschütze Schötz.
Heftiges Gewitter
Dass sich die Denkendorfer und Esslinger gemeinsam mit den Verantwortlichen von VfBR und EZ darauf einigten, das Elfmeterschießen um Platz drei nicht auszutragen, hatte auch mit dem zu tun, was gegen 17 Uhr über dem Hermann-Traub-Stadion passiert war. Hatten Fußballer, Veranstalter und Zuschauer an den drei Vorrundentagen angesichts der unsicheren Wetterlage und dem permanenten Blick an den Himmel noch fast unglaubliches Glück, dass der Regen jeweils pünktlich zum Turnierstart aufgehört hatte, kam mit dem Abpfiff des ersten Halbfinals zwischen Berkheim und Denkendorf (1:0) ein heftiges Gewitter runter. Zuvor schon war der Rasenplatz so aufgeweicht, dass alle K.o.-Spiele auf dem Kunstrasen ausgetragen werden mussten, was bereits zu Verzögerungen geführt hatte.
Spannung vom Punkt
Abbrechen? Weiterspielen? Wie es zwischen allen Beteiligten zu einer Lösung kam, sprach für die schöne Atmosphäre des Turniers. Nachdem klar war, dass auf dem kurz zuvor noch überfluteten Kunstrasen gespielt werden konnte, wurde mit zweistündiger Unterbrechung weitergekickt – unterm Regenbogen über dem Stadiongelände. Lediglich besagtes Elfmeterschießen um Platz drei wurde abgeblasen. Auch viele Zuschauer hatten mit ausgeharrt.
Apropos Elfmeterschießen: TSG-Torhüter Robin Harnisch stand im Mittelpunkt zweier spannender Ausgaben des Shootouts. Nachdem das Viertelfinalspiel gegen den TSV RSK Esslingen nach regulärer Spielzeit 2:2 gestanden hatte, hielt er drei Schüsse hintereinander vom Punkt und die Sache war schnell beendet. Im Halbfinale gegen die Plochinger, bei dem es zunächst 1:1 hieß (Torschützen Patrick Warth und Can Aydemir kurz vor Schluss), wurden Harnisch und sein Gegenüber Felix Rühs bei sage und schreibe 21 Schüssen in Folge überwunden, ehe im dritten Durchgang Esslingens Angelo Caggiano über das Tor schoss.
„Ein richtig tolles Finale“
TSG-Coach Michael Lattacher war trotzdem „sehr zufrieden, auch angesichts der schwierigen personellen Lage. Es war viel besser, als ich es erwartet hatte“. Zudem lobte er den Einsatz der Spieler aus der zweiten Mannschaft. Denkendorfs Coach Hendrik Gil hätte das Halbfinale gegen Berkheim, das durch ein Tor von Pascal Breuning in der 46. Minute entschieden wurde, natürlich gerne gewonnen. „Wir sind noch in der Findungsphase. Wir haben uns gut präsentiert und sind auf dem richtigen Weg“, erklärte er jedoch.
Zum Schluss sahen die Zuschauer „noch mal ein richtig tolles Finale“, wie nicht nur Berkheims Coach Patrick Bauer fand. Die Anfangsphase gehörte seinem Team, das auch zu zwei guten Tormöglichkeiten kam. Doch die Plochinger arbeiteten sich immer mehr in die Partie und es gab Zweikämpfe sowie Torraumszenen hier wie dort. Die Entscheidung fiel in der 47. Minute: Gerade hatte Berkheims Tim Schleehauf einen Freistoß vom Strafraumeck, für den der Begriff „mustergültig“ hätte erfunden worden sein können, an den Pfosten gesetzt, da versenkte Schötz die Kugel beim folgenden Konter zum 1:0 für die Plochinger im Netz. Es folgte Jubel und nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Sven Arnold kurz darauf pure Euphorie.
„Ich denke, es war über den Turnierverlauf hinweg ein verdienter Sieg“, erklärte Plochingens Co-Trainer Calvin Bilalovic, der seinen privat verhinderten Chef Denis Egger vertrat, und kündigte an: „Jetzt wird richtig gefeiert.“ Damit fingen die Spieler, Betreuer und Fans gleich auf dem Platz an. Aber auch Berkheims Trainer Bauer war „stolz auf meine Mannschaft. Es war ein Finale auf Augenhöhe, ich gratuliere den Plochingern zum verdienten Turniersieg – unfassbar, was beide Mannschaften noch mal aus sich rausgequetscht haben“.
Sichtlich angetan war auch Reichenbachs Fußball-Abteilungsleiter Ioannis Fotarellis. Er lobte das harmonische Miteinander der Fußball-Familie aus dem EZ-Verbreitungsgebiet, die fast komplett im Hermann-Traub-Stadion zusammengekommen war. Und er war völlig zurecht stolz auf seine vielen Mitstreiterinnen und Mitstreiter: „Der EZ-Pokal hat uns als Verein noch näher zusammengebracht, es bewegt sich etwas.“ So gingen nach vier Turniertagen, etwas später als geplant, alle Beteiligten zufrieden nach Hause – einige auch leicht durchnässt.
Vom EZ-Pokal berichten: Sigor Paesler, Robin Kern, Andreas Pflüger, Yelin Türk, Steffen Wahr, Bastian Frech, Stefanie Gauch-Dörre, Jochen Gut und Robin Rudel (Fotos).