EZ-Aktion: Keine Pfiffe gegen Pfiffe Quelle: Unbekannt

Sie haben einen schweren Job. Sie werden gebraucht. Aber sie müssen viel aushalten. Schiedsrichter im Handball – wie in anderen Sportarten – sehen sich Woche für Woche Beschimpfungen und Pfiffen ausgesetzt, obwohl sie ihr Bestes geben und ohne sie ein Spielbetrieb nicht möglich wäre. Dass das nicht nur für die Unparteiischen selbst ein unbefriedigender Zustand ist, zeigte sich kürzlich an den Reaktionen auf einen Beitrag im EZHandballBlog „Am Kreis“. Sportredakteur Sigor Paesler hatte dort unter der Überschrift „Pfiffe gegen Pfiffe“ das Thema aufgegriffen – die Reaktionen waren enorm und fast ausnahmslos positiv. Der Beitrag wurde in ganz HandballDeutschland in den sozialen Netzwerken geteilt und wurde so einer der meistgelesenen und meistdiskutierten Beiträge in der fast achtjährigen Geschichte des Blogs.

Die EZ nimmt den Ball erneut auf, startet am kommenden HandballWochenende die Aktion „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ und ruft alle Zuschauer in den Hallen auf, diesmal auf Beschimpfungen und allzu laute Kritik an den Schiedsrichtern zu verzichten. Egal, wie diese das Spiel leiten. Denn, auch das war eine Erkenntnis des BlogBeitrags, die Heftigkeit der verbalen Attacken hat wenig mit der Qualität der Spielleitung zu tun. Also, versuchen wir es – und wer weiß, vielleicht gelingt es ja, ausgehend von diesem Wochenende den Unparteiischen auch in Zukunft mehr Respekt entgegenzubringen. „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ – die Aktion wird von vielen Menschen im und über den Handball hinaus unterstützt.

Sigor Paesler

Spaß ohne Motzen
Handball macht viel Spaß. Den Zuschauern, den Spielern, den Trainern, den Journalisten – und den Schiedsrichtern. Sonst würden sie nicht Woche für Woche einen großen Aufwand auf sich nehmen und irgendwo oft fern der Heimat Spiele leiten. Schiedsrichter machen Fehler, aber das machen Trainer, Spieler und Journalisten auch. Deshalb: Lasst die Schiedsrichter ihren Job machen und das Motzen bleiben. So macht Handball noch mehr Spaß.
Sigor Paesler ist Sportchef und Blogschreiber der Eßlinger Zeitung.

Michael Tomay

Zeichen setzen
Ohne Schiedsrichter gibt es kein Handballspiel. Jetzt könnten die Zuschauer und die Spieler ein Zeichen setzen, für den Handball. Kein Gemotze und keine Pfiffe am nächsten Spieltag gegen die Schiris!
Michael Tomay ist Handball-Fan und EZLeser aus Ostfildern. Dies schrieb er auf Facebook.

Andreas Michelmann

Dankeschön wert
Als Spieler hatte ich einen großen Respekt vor den Schiedsrichtern – und zugleich eine sehr pragmatische Einstellung: bloß keine Zeitstrafe wegen Meckerns bekommen. Heute bin ich froh über jeden Schiedsrichter und ziehe den Hut vor dem Beitrag, den diese Enthusiasten gerade an der Basis für unsere Sportart leisten. Ohne sie können weder Meisterschaften noch Pokalwettbewerbe stattfinden. Unsere Schiedsrichter ermöglichen Handball. Das ist immer wieder ein Dankeschön wert.
Andreas Michelmann ist Präsident des Deutschen-Handballbundes.

Tanja Padutsch

Einfach falsch
Ich lasse mich während eines Spiels auch oft von Emotionen dazu verleiten, Schiedsrichterentscheidungen anzuzweifeln, was einfach falsch ist. Die Schiedsrichter versuchen auch nur, ihren Job ordentlich zu erledigen und Handball ist eben eine schnelle Sportart, bei der man nicht jeden kleinen Schlag oder Stoß sehen kann. Von den Zuschauerrängen ist es dabei umso wichtiger und hilfreich, wenn sie das Team lautstark anfeuern und nicht gegen die Schiedsrichter wettern.
Tanja Padutsch ist Kapitänin des Bundesligisten TV Nellingen.

Matthias Klopfer

Nie der Sieger
Die Menschen lieben den Sport, weil sie vorab nicht wissen, wer gewinnt. Für die Einhaltung der Regeln sorgt der Schiedsrichter. Seine Aufgabe ist es zu überprüfen, ob die Regeln eingehalten werden und gegebenenfalls einzuschreiten. Er hat nicht die Aufgabe zu beurteilen, ob eine Aktion fair oder unfair ist. Zudem stehen ihm gerade im Amateurund Nachwuchsbereich keine technischen Hilfsmittel zur Verfügung. Das sollten diejenigen, die auf der Tribüne sitzen, stets im Hinterkopf behalten. Der Schiedsrichter gibt stets sein Bestes, geht aber nie als Sieger vom Platz.
Matthias Klopfer ist Vorsitzender der SportRegion Stuttgart und Oberbürgermeister von Schorndorf.

Eckard Nothdurft

Wie im Training
Eigentlich bin ich ja Schiedsrichter! Zumindest von Montag bis Freitag in jeder Situation im Training. Und da bin ich froh, dass meine Entscheidungen von meinen Spielern :) oder anwesenden Trainingsgästen kaum kommentiert oder permanent in Zweifel gezogen werden. Könnte mir vorstellen, dass das den Jungs und Mädels in Schwarz, Grün, Gelb oder Orange am Wochenende auch gern so gehen würde...
Eckard Nothdurft ist Trainer des Drittligisten TSV Neuhausen.

Wolfgang Stoll

Sind gefordert
Anständige Kommentare sind doch ebenfalls Gang und Gäbe und auch durchaus im Sinne des Handballsportes. Durch die Spielfeldnähe zur Tribüne natürlich auch für die Schiris klar hörbar. Wir wollen die unqualifizierten und bösartigen Zurufe unterbinden, da sind die Abteilungen und Handballchefs selbst gefordert. Ich glaube auch, dass es hier durchaus positive Rückmeldungen gibt. Oberstes Ziel muss sein, die Schiedsrichter vor Beleidigungen hier klar zu schützen und das Fairplay deutlicher in den Hallen zu kommunizieren. Allerdings lebt der Sport von Emotionen, die kann man auch nicht herausnehmen.
Wolfgang Stoll ist Vorsitzender des HandballBezirks Esslingen/Teck und Abteilungsleiter des TSV Wolfschlugen.

Hans Artschwager

Ohne geht es nicht
Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter wandeln jedes Wochenende auf einem schmalen Grat. Jeder kann anscheinend an Ihnen Dampf ablassen. Dabei nehmen Sie eine Schlüsselrolle ein, müssen immer mehr Spiele in unseren Hallen leiten. Unser Spielbetrieb kann nur noch unter größten Mühen aufrechterhalten werden. Emotionen gehören gerade auch zum Handballsport, machen ihn gar aus. Dass Meinungen auseinandergehen, liegt in der Natur der Sache. Sind wir doch mal ehrlich: Schiedsrichter begehen wahrscheinlich nicht mehr Fehler als Feldspieler. Doch an kniffligen Schiedsrichterentscheidungen scheint das ganze Spiel zu hängen! Aber was für Spieler und Trainer gilt, sollte für Schiedsrichter auch gelten: Fehler sind einfach menschlich. „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ ist eine unterstützenswerte Aktion, die den Fair Play Gedanken gegenüber Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern stärken soll. Sie bietet gleichzeitig die Chance, Respekt für diese schwierige Aufgabe zu schaffen. Denn: Ohne Schiedsrichter keine Spiele! Also versuchen wir es einmal mit einem Spiel ohne Pfiffe von den Rängen!
Hans Artschwager ist Präsident des Handballverbandes Württemberg

Manuel Späth

Mehr Miteinander
Emotionen gehören für mich zum Sport dazu und da bleibt es auch nicht aus, dass man sich mal über einen Pfiff aufregt. Entscheidend hierbei ist jedoch neben der Häufigkeit vor allem die Art und Weise der Kommunikation. Mehr Miteinander statt Gegeneinander würde es meiner Meinung nach für alle Beteiligten um einiges angenehmer machen.
Manuel Späth ist Handballprofi des TVB Stuttgart und wohnt in Esslingen.

Jürgen Rieber

Faire Spielleitung
Auch wir Schiedsrichter lieben den Handball, aber bei uns geht es nicht um das Gewinnen, sondern um eine ausgeglichene und faire Spielleitung, unter Einhaltung der Regeln.
Jürgen Rieber ist SchiedsrichterLehrwart des Deutschen Handballbundes

Knut Kircher

Soll Spaß machen
Soll Spaß machen Warum schimpfen Sie? Haben Sie es eindeutig besser gesehen und können es auch sonst besser? Glauben Sie, dass wenn Sie den Schiedsrichter beschimpfen, er sich wohler fühlt, er es in der nächsten Situation im selben Spiel hochmotiviert und mit viel Spaß besser machen wird? Dann lassen Sie sich doch mal so richtig beschimpfen, dass es Ihnen auch besser geht, denn Spaß soll es auch beim Zuschauen machen!
Knut Kircher ist ehemaliger internationaler Fußball-Schiedsrichter.

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