Der Reichenbacher Sportler Karlheinz Dravec plant einen Lauf nach Cakovec in Kroatien, zum Heimatort seiner Eltern. Die 763 Kilometer sollen in 16 Tagen bewältigt werden.
Karlheinz Dravec nennt sich selbst einen Extremsportler, der an sich nichts anders macht, als alle anderen Läuferinnen und Läufer auch, nur dass er irgendwann in seinem Sportlerleben auf die große Runde eingebogen ist. Seit Jahren tummelt er sich bei Marathon- und Ultra-Läufen, und nun will er am ganz großen Rad drehen: in 16 Tagesetappen von Reichenbach nach Cakovec in Kroatien, 763 Kilometer mit insgesamt mehr als 12 500 Höhenmetern.
Als Rentner ziehen die Eltern zurück in ihr Geburtsland
Das Vorhaben gründet auf einer „recht typischen, klassischen Gastarbeitergeschichte“, sagt Dravec. Seine Eltern sind Anfang der 60er Jahre aus Kroatien nach Deutschland ausgewandert, haben in Reichenbach als sogenannte Gastarbeiter ihr Geld verdient und sind dort heimisch geworden. 1998 sind sie als Rentner zurück nach Cakovec gezogen. „Dort sind eben auch heimatliche Wurzeln“, obwohl sie wie so viele Arbeitsmigranten bei ihrer Rückkehr in ihr Geburtsland zunächst als „Deutsche“, gerade so wie hier als „Ausländer“, bezeichnet worden seien.
Dravec selbst ist 1963 in Göppingen geboren und Reichenbacher, „aber ich möchte eine Verbindung zwischen den beiden Heimaten meiner Eltern schaffen, und für mich den Faden meines Lebens spannen“, beschreibt er. Unmittelbarer Anlass soll nun der 90. Geburtstag seines Vaters am 6. Juli sein, und da er nun mal Laufsportler ist, will er den „Lauf meines Lebens zu den Wurzeln der Familie“ eben laufend nachvollziehen.
Dafür hat Dravec eine 763 Kilometer lange Strecke ausgetüftelt, die über die Alpen führt. Für den langen Lebenslauf – starten will er am 19. Juni – benötige er keine besondere Vorbereitung und kein außerordentliches Training. „Die Etappen sind von der Länge her machbar. Die große Herausforderung war die Logistik. Unterkünfte planen, Versorgung, Kleidung, Schuhe – vieles muss organisiert werden.“ Allerdings muss Dravec nicht alles allein im Griff behalten. Ein langjähriger Freund wird ihn auf dem Fahrrad begleiten und, wenn es denn sein sollte, ihn auch bei etwaigen Motivationsdellen unterstützen.
Seine Zuversicht, dass die einzelnen Etappen von zumeist um 50 Kilometern Länge gut zu laufen sind, rührt auch daher, dass er nicht nur Freude am Laufsport, sondern auch an langen Distanzen hat. So hat der 62-Jährige, der sich auch im Lauftreff des TSV Lichtenwald engagiert und sehbehinderte Laufsportler unterstützt und begleitet, bereits mehr als 200 Marathon- und Ultramarathonläufe weltweit bestritten.
Vor einiger Zeit hat sich Dravec zudem dem Trail Running, dem Laufen auf naturbelassenen Pfaden und dabei wo immer möglich auch mit Höhenmetern, zugewandt. „Draußen im Gelände kann ich mit der Natur interagieren. Das lenkt von der körperlichen Belastung ab und ist immer ein Genuss“, erklärt er. Da sind eher lockere Läufe dabei wie jener 60 Kilometer lange auf Wander- und Wirtschaftswegen entlang der Fils von der Quelle bis nach Reichenbach, den sich Dravec zu seinem 60. Geburtstag ausgedacht hat. Doch er bewältigt auch „die großen Dinger“, wie er sagt. Erst kürzlich lief er den Albtraum 100, ein Lauf entlang des Albtraufs auf schmalen und teils steilen Pfaden mit 115 Kilometern Länge und 3200 Höhenmetern, das Ganze in 18 Stunden und 23 Minuten.
Der Lauf ist auch ein Statement pro Europa
Bei seinem Lauf nach Kroatien wird freilich nicht auf die Uhr geschaut. „Es ist kein Wettkampf, ich muss keine Geschwindigkeit machen. Ich kann zwischendurch gehen, kann an einem See Pause machen, ich will nur eben bei Tageslicht an der Unterkunft ankommen.“Einen weiteren Aspekt seines Vorhabens will Dravec nicht vernachlässigen. „Ich laufe durch vier Länder – Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien. Es ist also auch ein europäisches Projekt. Wir alle sind Europäer und müssen diese Verbindungen enger ziehen.“