Martin Strobel führte früher klug Regie im deutschen Nationalteam. Foto: imago/Revierfoto/Revierfoto

Der ehemalige Nationalspieler Martin Strobel erklärt, warum den deutschen Handballern im EM-Auftaktspiel gegen Belarus die Wende gelang und gibt einen Ausblick.

Stuttgart - Der Balinger Martin Strobel (35) war bis zu seinem Karriereende 2020 der Denker und Lenker in der Handball-Nationalmannschaft. Der Europameister von 2016 schätzt die Lage beim aktuellen deutschen Team nach dem 33:29(17:18)-EM-Auftaktsieg gegen Belarus ein.

Herr Strobel, 33:29 klingt relativ klar.

War es aber nicht. Die Mannschaft präsentierte sich zu Beginn sehr nervös, man merkte ihr bei diesem Neubeginn irgendwie das Premierenfieber an.

Konnten Sie nachvollziehen, dass Till Klimpke im Tor begann?

Nachdem Andi Wolff bei der Generalprobe gegen Frankreich gut gehalten hatte, kam das schon auch für mich überraschend. Grundsätzlich tut es Andi extrem gut, wenn er Klarheit hat, was seine Rolle betrifft. Er ist brutal ehrgeizig und will immer spielen.

Warum gelang die Wende?

Wir hatten lange Zeit gar keinen Zugriff auf den Weltklasse-Kreisläufer Artsem Karalek. Als unser Innenblock mit Patrick Wiencek und Johannes Golla ihn besser in den Griff bekam, gelangen Ballgewinne, die auch zu leichten Toren führten. Das lag aber auch daran, dass dem Team von Iouri Chevtsov die Puste ausging. Belarus setzte die Sperren nicht mehr sauber und spielte ungenaue Pässe.

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Letztendlich hat es im DHB-Team die alte Garde gerichtet.

Klar, vor allem Kai Häfner spielte überragend. Er geht in die Tiefe, macht nichts Überhastetes, spielt sehr strukturiert. Er befindet sich in der Form seines Lebens, was aber auch daran liegt, dass er in der Abwehr Pausen bekommt und Christoph Steinert ihn sehr gut entlastet. Davon profitiert Kai extrem. Das macht brutal viel aus und ist ein kluger Schachzug von Alfred Gislason. Und auch Kais Melsunger Teamkollege Julius Kühn spielte mit viel Selbstvertrauen und immer mit dem richtigen Timing, das fehlte leider Sebastian Heymann, worauf ich mir keinen Reim machen kann.

Sein Frisch-Auf-Vereinskollege Marcel Schiller...

...spielte dagegen super, machte acht Tore. Seine 100-Prozent-Wurfquote sagt alles über seinen tollen Auftritt.

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Was ist drin fürs deutsche Team?

Der erste Schritt ist immer wichtig. Dieser Sieg ist ein Brustlöser und verleiht Rückenwind. Das Team kann sich in einen Flow spielen und der breite Kader ist ein Vorteil. Gegen Belarus wurde ja noch längst nicht alles ausgereizt, das kann am Sonntag gegen Österreich schon anders sein.

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