Abflauende Pandemie, Energiekrise, Inflation: Im Jahr 2022 hatten die Esslinger Tochtergesellschaften für Veranstaltungen und Stadtmarketing mit einigen Herausforderungen zu kämpfen – doch es gab auch Lichtblicke.
Einfach war es nicht. Obwohl die Coronapandemie im vergangenen Jahr langsam abflaute, hatten die Esslinger Tochtergesellschaften, die für Veranstaltungen und Stadtmarketing zuständig sind, mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen. Denn mit Energiekrise, Personalmangel und Inflation kamen neue Herausforderungen hinzu. Doch trotz der Schwierigkeiten ist die Bilanz der städtischen Töchter für das Jahr 2022 nicht nur negativ. Und inzwischen geht es wieder deutlich bergauf.
Die Esslinger Markt- und Event GmbH (EME) ist für die Ausrichtung städtischer Großveranstaltungen wie den Mittelalter- und Weihnachtsmarkt oder das neue Sommerfest Estival zuständig. Daher hatten die Beschränkungen der Coronajahre, in denen Veranstaltungen – wenn überhaupt – nur unter strengen Hygienevorgaben stattfinden konnten, die EME hart getroffen. Obwohl sich ab Mai 2022 eine gewisse Entspannung bei der Pandemie gezeigt habe, habe man das ganze Jahr über „auf Sicht“ fahren müssen, heißt es aus dem Rathaus – also mit wenig Planungssicherheit und kurzen Vorlaufzeiten bei Veranstaltungen umgehen müssen.
Neue Herausforderungen bergen erhebliche wirtschaftliche Risiken
Zudem seien neue Herausforderungen hinzugekommen, berichtet Michael Metzler, Geschäftsführer der EME und der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST). Energiekrise, Personalmangel und Inflation hätten Veranstaltern, Gastronomen und Marktbeschickern erhebliche wirtschaftliche Risiken eingebracht. „Im Eventbereich hatten wir um die 40 Prozent Inflation“, sagt er. Durch Corona seien viele Veranstalter weggefallen, dann aber habe es wieder einen Run auf Events gegeben – auch das habe zu Preissteigerungen geführt. „Vergangenen Sommer hat sich ein Nachholbedarf der Bevölkerung bei der Nachfrage nach Events gezeigt“, sagt Metzler. Die Feste seien sehr gut gelaufen, und auch die höheren Preise seien von den Kunden akzeptiert worden. Der Weihnachtsmarkt sei „sensationell“ gewesen – einer der bestbesuchten überhaupt.
Im vergangenen Jahr sei die Veranstaltungsplanung noch schwierig gewesen, weil niemand gewusst habe, ob die Pandemie doch wieder zuschlage. Inzwischen aber spiele Corona kaum noch eine Rolle, sagt Metzler. So sei die Planung für den Weihnachtsmarkt schon weit fortgeschritten, die Beschicker stünden bereits fest. Unterdessen erhole sich auch der Tourismus und damit das Kerngeschäft der EST sukzessive. „Beim Übernachtungstourismus sind wir schon wieder auf Vor-Corona-Niveau“, sagt Metzler. Angesichts zusätzlicher Betten im künftigen Leonardo-Hotel und zahlreicher Messen sowie der Fußball-EM im kommenden Jahr rechne man mit weiterem Aufschwung. Gleichwohl gebe es Bereiche, die sich noch nicht so gut von Corona erholt hätten, etwa der Bustourismus. Bei Tagesgästen sei zudem zu spüren, dass sie angesichts der Inflation das Geld verstärkt zusammenhielten.
Umsatzerlöse über Plan
Der Jahresfehlbetrag der EME lag zwar mit minus 181 000 Euro höher als die geplanten minus 135 000 Euro – aber deutlich niedriger als der Fehlbetrag im Vorjahr von minus 322 000 Euro. Gleichzeitig lagen die Umsatzerlöse mit 830 000 Euro weit über Plan (675 000 Euro) sowie über dem Vorjahr (19 000 Euro) – allerdings hat man laut Metzler nach den Coronajahren auch defensiv geplant. Die EST erreichte 2022 ein Jahresergebnis von minus 746 000 Euro, geplant waren minus 696 000 Euro (Vorjahr: minus 639 000 Euro). Die Umsatzerlöse liegen mit 564 000 Euro um etwa 176 000 Euro über Vorjahr und 168 000 Euro über Plan.
Nichtsdestotrotz habe sich die EST strategisch weiterentwickelt, so Metzler. Man habe konzeptionelle Weichen für die Zukunft gestellt und unter anderem das Strategiekonzept „Zukunft Innenstadt“ erarbeitet, das im Frühjahr 2023 vorgelegt worden sei. Zudem habe die EST ihre neue Tourismus-Webseite geschaltet und 2022 erstmals das neue Sommerfest Estival veranstaltet.
Pläne für den Weihnachtsmarkt
Markt
Insgesamt wird es laut Michael Metzler, Geschäftsführer der städtischen Veranstaltungsgesellschaft EME, auf dem Esslinger Mittelalter-, Weihnachts- und Adventsmarkt sowie der Weihnachtsinsel rund 200 Stände geben. Die Standbetreiber stehen bereits fest. Laut Metzler hat es etwa doppelt so viele Interessenten wie Standplätze gegeben. Lediglich im Bereich des Kunsthandwerks sei die Zahl der Bewerber deutlich zurückgegangen, denn viele Anbieter hätten in der Coronazeit aufgegeben.
Termin
Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt beginnt am Donnerstag, 23. November, und damit etwas früher als sonst. Grund dafür ist, dass die reguläre Marktzeit in diesem Jahr sehr kurz ausgefallen wäre und die Stadt den Beschickern angesichts der harten Coronajahre und der Inflation mehr Verkaufszeit einräumen will. Am Totensonntag, 26. November, wird der Markt allerdings pausieren, am 21. Dezember endet er.