Eva Marggraf sieht die Realschul-Entwicklung als Herausforderung. Foto: Kaier - Kaier

Die Albert-Schweitzer-Schule Denkendorf hat eine neue Rektorin. Eva Marggraf ist Nachfolgerin von Martin Klein. Sie bestimme gern die Richtung, sagt die 47-Jährige.

Denkendorf Die Richtung mitbestimmen, das gefällt mir gut“, sagt Eva Marggraf, die neue Leiterin der Albert-Schweitzer-Schule in Denkendorf. Die 47-Jährige ist Nachfolgerin von Martin Klein, der sich in den Ruhestand verabschiedet hat. Neu ist die Führungsrolle für Marggraf nicht, sie leitete seit 2013 die Burgschule in Plochingen. Die Verantwortung für eine Schule zu übernehmen, ist keine Aufgabe mehr, um die sich Lehrer reißen. Anders Eva Markgraf: Sie empfindet die Rektorenrolle als eine Berufung. Sie unterrichte gerne, aber ihr liege es auch, mit Leuten in Kontakt zu treten und so ein großes Netzwerk zu pflegen.

Für sie stand immer fest, dass sie Lehrerin werden wollte. Dafür ging sie zur Ausbildung nach Rheinland-Pfalz, weil es im Ländle nicht auf Anhieb mit dem Studienplatz klappte. Nach dem Studium in Landau arbeitete sie einige Zeit im kaufmännischen Bereich bei Daimler und als Krankheitsvertretung an einer Schule in Pfullingen. 2003 kam sie nach Plochingen, wo sie mit ihrem Kollegium die Ganztags-Grundschule auf den Weg gebracht hat. Dafür habe es Lob von Kultusministerin Eisenmann gegeben. Sie redet immer noch von „unserer Schule“, wenn sie von der Burgschule redet, aber nachdem der Gemeinderat die Werkrealschule aufs Abstellgleis geschoben hatte, entschloss sich Eva Markgraf, eine neue Aufgabe zu suchen. Die Grundschule halte sie zwar für die wichtigste Schulart, aber sie sagt selbstbewusst:„Ich traue mir mehr zu, als eine Grundschule zu leiten.“

Der Abschied in Plochingen ist etwas unglücklich gelaufen, weil die endgültige Zusage für Denkendorf erst während des Frankreich-Urlaubs kam. Den Schülern, so erzählt sie, habe sie aber am letzten Schultag gesagt, dass sie wohl nach den Ferien nicht mehr komme. Zum Trost ließ sie den Eiswagen im Schulhof vorfahren, jeder Schüler bekam eine Kugel.

Für Denkendorf sprachen einige Argumente, sagt Marggraf. Die Organisationsstruktur stimme, das Kollegium sei herzlich und aufmerksam, die Eltern engagiert und das „wunderbar“ sanierte und erweiterte Gebäude spreche für einen Schulträger, der sich kümmere. Nicht zuletzt reizte die Englischlehrerin die Leitung einer Realschule mit ihren neuen Aufgaben. Denn diese Schulart ermöglicht jetzt den Hauptschul- und den Realschulabschluss. „Da kann ich mit meiner Erfahrung sicher viel einbringen, werde aber auch dazu lernen müssen“, sagt die neue Chefin.

Dass die Realschule nun auf zwei Schienen fährt, hält sie für eine gute Lösung. Sie glaubt, dass die besseren Schüler als Vorbilder dienen. Die Schwächeren fänden mehr förderliche Impulse, sowohl bei der Leistung als auch im Sozialverhalten. Für die Lehrkräfte sei das natürlich eine Aufgabe, den Stoff für die zwei Linien didaktisch aufzubereiten. Das werde nicht auf Knopfdruck funktionieren, sondern müsse passend für die Albert-Schweitzer-Schule entwickelt werden. Marggraf ist zuversichtlich: „Ich sehe hier große Chancen für die Kinder und Jugendlichen.“ Als Englischlehrerin übernimmt sie eine G-Gruppe, also Schüler, die den Hauptschulabschluss anstreben.

Ein Neuanfang hat nicht nur den berühmten Zauber inne, sondern auch zusätzliche Anstrengungen. Zwölf-Stunden-Arbeitstage hat Eva Marggraf schon hinter sich, und sie weiß, dass weitere folgen. Sie habe den Rückhalt ihres Mannes und ihrer 16-jährigen Tochter, sagt sie. Für Hobbys habe sie auch in der Vergangenheit kaum Zeit gehabt, sie vermisse aber nichts. „Die Lebendigkeit so einer Schulgemeinschaft macht mir Freude“, sagt sie in überzeugendem Tonfall. Vorgenommen hat sie sich aber, wieder mit dem Fahrrad zur Schule zu fahren. Weil sie jetzt nicht nur auf dem Heimweg den Buckel nach Aichwald bewältigen muss, sondern auch in Denkendorf hoch muss, überlegt sie sich den Kauf eines E-Bikes.

Die Albert-Schweitzer-Schule zählt 387 Realschüler und 131 Grundschüler. Knapp 50 Lehrkräfte unterrichten an der ASS. Diese Woche sind 32 Erstklässler in zwei Klassen eingeschult worden. 57 Schüler sind in die fünfte Klasse der Realschule gekommen.

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