Der Deutschland-Achter ging bei der Ruder-EM in München leer aus. Foto: Sven Hoppe/dpa

Der Deutschland-Achter verpasst in München als Vierter die erwartete Medaille. Ein Goldkandidat nimmt bei der Heim-EM eine keineswegs alltägliche Anpassung vor.

München - Der Frust war nach dieser Lehrstunde für den Deutschland-Achter riesengroß. Statt über die erwartete Medaille bei den European Championships zu jubeln, mussten Schlagmann Torben Johannesen & Co. den deprimierenden vierten Rang bei der Heim-EM erklären.

"Die Briten haben gezeigt, wie das Achterfahren geht. Wir haben es leider anders gemacht und dann bekommt man einen übergebrezelt", sagte der 27-jährige Johannesen. "Wir haben nicht die Traute gehabt. Man muss manchmal auf gut Deutsch gesagt auch abgewichst sein", sagte der kurzfristig nach dem Ausfall von Mattes Schönherr zum Schlagmann ernannte Hamburger.

Alle lautstarken Anfeuerungsrufe von der Tribüne in Oberschleißheim halfen am Tag vor dem großen Finale von Welt- und Europameister Oliver Zeidler im Einer nichts - am Ende musste sich das deutsche Flaggschiff knapp hinter Bronzemedaillengewinner Italien einreihen. Hinter den herausragenden Briten jubelten die Niederländer über Silber. "Wenn wir so eine Performance abliefern, dann dürfen wir uns am Ende nicht beschweren", sagte Steuermann Jonas Wiesen.

Bundestrainer Uwe Bender setzt in einem "Lern- und Lehrjahr" große Hoffnungen in das Trainingslager, in das die Crew am Sonntag aufbricht. "Die junge Mannschaft hat auf der Strecke gekämpft, um wieder ranzukommen. Das hat die Körner gekostet, die hinten gefehlt haben", sagte Bender einen Monat vor der WM in Tschechien, wo die Konkurrenz noch größer sein wird. "Heute haben wir Lehrgeld gezahlt."

Zeidler gewinnt Halbfinallauf

Deutlich besser war die Laune bei Zeidler nach einem souveränen Sieg im Halbfinale. "Cool bleiben und am Sonntag einen raushauen", lautete die Devise des 26-Jährigen. Nachdem er im Vorlauf noch Probleme mit der Startphase hatte, dominierte er nun mit neuen Skulls die Konkurrenz.

"Optimal ist es natürlich nicht, vor den wichtigen Rennen neue Skulls zu nehmen, weil das immer ein bisschen ein anderes Gefühl ist. Aber es fühlt sich besser an als davor", sagte der in Schwaig bei Erding lebende Zeidler. 50 Jahre nach dem olympischen Ruder-Gold seines Großvaters bei den Sommerspielen 1972 will er am Sonntag ebenfalls in Oberschleißheim siegen. Dann hofft auch die 20-jährige Alexandra Föster, die vor fünf Wochen völlig überraschend das Weltcup-Finale in Luzern gewonnen hatte, auf eine Topplatzierung im Einer.

Zeidler strebt wie 2019 und 2021 in den EM-Titel an. "Wer an seiner Heimstrecke Europameister werden, muss alle Vorrennen meistern", sagte Vater und Trainer Heino Zeidler. Was die neuen Skulls bedeuten, beschrieb er so: "Das ist wie beim Tennisspieler, der mit seinem Schläger vielleicht nicht mehr so die Linie trifft, wie er sich das vornimmt. So war das bei uns im Vorlauf."

Seine Tochter Marie-Sophie durfte am Samstag im A-Finale mit dem Doppelvierer der Frauen ran. Beim Erfolg von Großbritannien belegte das deutsche Boot den sechsten und letzten Platz.