Adventliche Bummelzeit in Plochingen: Drei Tage lang präsentierte sich die Fußgängerzone der Stadt „märchenhaft“. Foto: Roberto Bulgrin

Die Weihnachtsmarkt-Saison ist eröffnet: Mehr als zwei Dutzend Märkte gab es am Wochenende im Kreis Esslingen. Alle zu besuchen, ist unmöglich – ein paar aber schon.

Weihnachtsmärkte gibt es mittlerweile in allen nur denkbaren Varianten: große und kleine, für mehrere Wochen oder nur für ein paar Stunden, hochprofessionell organisierte oder liebevoll improvisierte. Deshalb hat auch jeder Markt etwas anderes zu bieten, sodass es für alle Geschmäcker die passende Veranstaltung gibt. Was alle vereint: Die unterschiedlichsten Menschen kommen zusammen, schwätzen miteinander und lassen es sich gut gehen. Im Kreis Esslingen haben gleich am ersten Adventswochenende mehr als zwei Dutzend derartiger Veranstaltungen stattgefunden. Allen einen Besuch abzustatten, ist schlicht ausgeschlossen. Über einige wenige sind wir aber dann doch gebummelt.

1Über einen klassischen Straßen-Weihnachtsmarkt lässt sich alljährlich in Ruit schlendern. Vereine und Kindergärten, Geschäftsleute und ausgewählte Händler, die Stadt selbst und ihre Institutionen bieten rund um den Kronenplatz so ziemlich alles, was der Magen und die Seele begehren. Ein Kettensägenkünstler sorgt für staunende Gesichter. Die Kindereisenbahn „Orient Train“ dreht unablässig ihre Runden. Nur der Kunsthandwerkermarkt im evangelischen Gemeindehaus ist, zumindest für Gäste von auswärts, nicht so einfach zu finden. Dafür lässt sich dort bei Kaffee und leckerem Kuchen eine gemütliche Pause einlegen.

Edles Angebot in edlen Ambiente im Köngener Schloss

2 Ebenfalls gemütlich, vor allem aber edel und gediegen geht es beim Advent im Schloss in Köngen zu. Keine Frage: Es ist der etwas andere Weihnachtsmarkt mit rund 50 Anbietern, die vor allem hochwertiges und ausgefallenes Kunsthandwerk, Dekorationsartikel und Bekleidung aller Art anbieten. Wer ein Geschenk sucht – einen gut gefüllten Geldbeutel vorausgesetzt, kann sich hier nach Herzenslust eindecken. Das Konzept kommt an, Schloss und Zehntscheuer, die ebenfalls Teil des Marktes ist, sind voll, aber eben nicht überfüllt. Liebevolle Details und Kerzen zieren den Weg zwischen den beiden Locations. Auf kulinarische Genüsse muss ebenfalls nicht verzichtet werden. Und auch hier: nichts von der Stange. Alleine schon die schwedische und ausgesprochen süffige Glühweinvariante Glögg ist einen Besuch wert.

Im Köngener Schlosshof fehlt es nicht an Kulinarischem. Foto: Markus Brändli

3 Ungemütlich ist es in Lichtenwald, was aber mitnichten am Weihnachtsmarkt beim Thomashardter Rathaus liegt, sondern an der ekligen Witterung. Das heimelige Ambiente und die Mühe, die sich die Kindergärten, die Grundschule, die Vereine sowie die Kreativen und die Geschäftsleute aus dem Ort für diesen besonderen Tag gegeben haben, lassen den Regen und die Nässe ohnehin in Vergessenheit geraten. Die Lichtenwalder Bevölkerung hält „ihrem“ Weihnachtsmarkt, den es schon seit mehr als 25 Jahren gibt, sowieso die Treue. Und ein Gesprächsthema bietet das Sauwetter allemal.

Ein besonders Postamt in Baltmannsweiler

4 Auch in Baltmannsweiler ist es auf dem Rathausplatz und drumherum – trotz vergleichbarer äußerer Bedingungen wie in Lichtenwald – ganz schön voll. Unter den Pavillons lässt sich’s aushalten. Das Angebot an Speisen und Getränken passt, obendrein zu sehr moderaten Preisen. Ansässige Händler sowie natürlich die Vereine und andere Gruppierungen aus dem Ort sind vertreten. Der Heimat- und Geschichtsverein hält ein spezielles Angebot vor, hat ein historisches Postamt eingerichtet, von dem aus das Christkind in Engelskirchen und der Weihnachtsmann in Himmelpfort mit Wünschen direkt – und vor allem verlässlich – bedient werden.

Post fürs Christkind und den Weihnachtsmann aus Baltmannsweiler. Foto: Andreas Pflüger

5 Plochingen bietet, zumindest von der Größe her, den Kontrast zu den beiden Weihnachtsmärkten auf dem Schurwald. Drei Tage lang geht es in der Stadt dennoch märchenhaft zu. Zahllose Figuren aus den Geschichten der Gebrüder Grimm zieren die Stände, die sich durch die gesamte Fußgängerzone ziehen. Ein umfangreiches Begleitprogramm mit zahlreichen Attraktionen sorgt dafür, dass so mancher länger bleibt als ursprünglich gedacht. Vor allem in den Abendstunden ist es mit dem Durchkommen nicht ganz so einfach – gerade an den zahllosen Ständen bilden sich kleine Menschenansammlungen. Auch im Alten Rathaus, wo zahlreiche Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker ausstellen, ist einiges los. Lauschig ist es dennoch – und es gibt viele leckere Spezialitäten, die man anderswo vergeblich sucht: Paella beispielsweise oder auch deftige ukrainische Hausmannskost. Eine feine flüssige Abwechslung zum obligatorischen Glühwein kredenzt der Schützenverein: „Drachenblut“, ein Gemisch aus Met und heißem Johannisbeersaft. Schmeckt bestens und wird während des genüsslichen Trinkens immer wieder mit einem „Kling Glöckchen klingelingeling“ vom Glockenspiel am „Grünen Baum“ untermalt.

Fazit: Eine Weihnachtsmarkt-Tour durch einen Teil des Landkreises Esslingen – und sei sie noch so unvollständig – hat was. Sie ist abwechslungsreich, spannend – und mancherorts kann man sogar etwas lernen. Oder ist es vielleicht eine klassische Bildungslücke, nicht zu wissen, was „Posamentenknöpfe“ sind? Auf der anderen Seite ist ein solche Tour aber auch ziemlich anstrengend, was nicht nur an der Parkplatzsuche und deshalb teils langen Fußwegen oder an den Verlockungen aller Art liegt. Und wer es am vergangenen Wochenende nicht geschafft haben sollte: Es gibt noch reichlich Weihnachtsmärkte in den nächsten drei Adventswochen.