Immer mehr Kinder und Jugendliche, die von sexueller Gewalt betroffen sind, brauchen Hilfe. Das geht aus dem Jahresbericht von Wildwasser Esslingen hervor.
Über das Unsagbare sprechen: Oft braucht es viel Mut, damit sich Betroffene sexualisierter Gewalt jemandem anvertrauen können. Der 1991 gegründete Verein Wildwasser Esslingen ist seither eine wichtige Stütze für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Wie aus dem jüngst vorgelegten Jahresbericht 2024 hervorgeht, ist die Zahl der Personen, die im vergangenen Jahr Hilfe in der Esslinger Beratungsstelle suchten, zwar etwas zurückgegangen. Von Entwarnung könne aber keine Rede sein. „Der Bedarf ist weiterhin hoch“, schreibt der Verein.
Den Rückgang führt Wildwasser auch auf den Umzug in die Richard-Hirschmann-Straße 47 zurück. Dadurch konnten zeitweise weniger Termine vergeben werden. Die neuen Räume, die im Herbst bezogen wurden und derzeit noch barrierefrei umgestaltet werden, bezeichnet Wildwasser als „Meilenstein, der eine noch effektivere Arbeit ermöglicht“. Am 11. November, 14 bis 16.30 Uhr, werden sie bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt.
„Noch nie so viele betroffene Kinder und Jugendliche begleitet“
In der Esslinger Beratungsstelle suchten 2024 insgesamt 297 Personen Hilfe (im Jahr 2023: 315). Darunter sind 123 Betroffene (135), 61 Bezugspersonen (77) und 113 Fachkräfte (103). Insgesamt hat die Beratungsstelle in 238 Fällen von vermuteter oder stattgefundener sexueller Gewalt mit ihrer Fachkompetenz Unterstützung geleistet. In 134 dieser Fälle waren insgesamt 187 Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende betroffen. Wildwasser spricht von alarmierenden Zahlen. „Noch nie haben wir so viele betroffene Kinder und Jugendliche begleitet wie im vergangenen Jahr“, warnt der Verein in seinem Bericht. Zudem habe die Komplexität der Fälle im Kinderschutz deutlich zugenommen. „Das bedeutet, dass wir viele Gespräche rund um einen Fall führen“, so Wildwasser.
Weniger E-Mail-Beratungen bei Wildwasser Esslingen
Insgesamt gab es dem Bericht zufolge 1182 Beratungskontakte. Mit 185 Beratungs-E-Mails ist der Bedarf dabei um die Hälfte niedriger als im Jahr zuvor. Der Verein führt dies einerseits darauf zurück, dass nach dem Auslaufen der Förderung weniger Kapazitäten zur Verfügung stehen. Andererseits würden inzwischen auch andere Stellen Online-Angebote machen.
27 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 20 Jahren, 26 junge Erwachsene (bis 26 Jahre) sowie 70 betroffene Erwachsene erhielten 2024 direkt therapeutische Hilfe und Beratung nach erlebter sexualisierter Gewalt.